Europas Tomahawk: MBDA stellt neuen Marschflugkörper vor
Europas Tomahawk: MBDA enthüllt neuen Marschflugkörper

Der europäische Lenkwaffenhersteller MBDA hat auf der Pariser Rüstungsmesse Eurosatory einen neuen Marschflugkörper vorgestellt, der als europäische Antwort auf den legendären US-amerikanischen Tomahawk gilt. Die als „Naval Cruise Missile–Land Cruise Missile (NCM-LCM) Mk2“ bezeichnete Waffe soll eine Reichweite von mehr als 1000 Kilometern haben und sowohl von Schiffen und U-Booten als auch erstmals von einer bodengestützten Plattform abgefeuert werden können. Fachmedien wie „Interesting Engineering“ und „AeroTime“ bezeichnen das System bereits als Europas Antwort auf den Tomahawk.

Weiterentwicklung des französischen MdCN

Nach Angaben von MBDA handelt es sich beim NCM-LCM Mk2 um eine grundlegend weiterentwickelte Version des bereits bei der französischen Marine im Einsatz befindlichen Marschflugkörpers MdCN (Missile de Croisière Naval). Die neue Generation biete eine höhere Reichweite, größere Durchschlagskraft sowie eine verbesserte Überlebensfähigkeit gegenüber moderner Luftverteidigung. Das System sei zudem für den Einsatz in elektronisch stark umkämpften Gefechtsfeldern optimiert worden. Ein neuartiges Anti-Störsystem soll die Navigation auch dann ermöglichen, wenn GPS-Signale gezielt gestört oder manipuliert werden.

Mehrere Navigationsverfahren kombiniert

MBDA teilt mit, dass der Marschflugkörper mehrere Navigationsverfahren kombiniert. Neben der Satellitenortung kommen Geländevergleichsverfahren sowie ein bildgebender Infrarotsuchkopf zum Einsatz. Im Endanflug vergleicht der Flugkörper gespeicherte Referenzbilder mit dem tatsächlichen Zielgebiet, um auch unter schwierigen Bedingungen eine hohe Treffgenauigkeit zu erreichen. Das Unternehmen spricht von einer Lösung für die Anforderungen moderner Konflikte, in denen elektronische Kampfführung eine immer größere Rolle spielt.

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Verbesserte Tarnung und Überlebensfähigkeit

Die Überlebensfähigkeit des Flugkörpers wurde nach Unternehmensangaben ebenfalls verbessert. Der NCM-LCM Mk2 fliegt weiterhin in geringer Höhe entlang des Geländes, um der Radarerfassung möglichst lange zu entgehen. Hinzu kommen eine überarbeitete Vorderseite, verbesserte Flugeigenschaften und Maßnahmen zur Verringerung der Radarsignatur. Ziel sei es, selbst stark geschützte Ziele tief im gegnerischen Hinterland erreichen zu können.

Bodengestützte Version ab 2029 verfügbar

Die neue bodengestützte Variante des Marschflugkörpers soll in einem mobilen Startsystem transportiert werden, das bis zu vier einsatzbereite Flugkörper abschießen kann und innerhalb von weniger als 15 Minuten aus einer unvorbereiteten Stellung feuerbereit ist. Nach dem Abschuss kann das Fahrzeug den Standort rasch wechseln, um einem gegnerischen Gegenangriff zu entgehen. Eine erste Version des Bodenabschusssystems soll nach Unternehmensangaben ab 2029 verfügbar sein.

Europäische Unabhängigkeit von den USA

Die Entwicklung erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Bemühungen Europas, sich bei strategischen Waffensystemen unabhängiger von den USA zu machen. Der Krieg in der Ukraine hat den Bedarf an weitreichenden Präzisionswaffen und bodengestützten Langstreckensystemen deutlich erhöht. Während europäische Staaten bislang vor allem über luft- und seegestützte Marschflugkörper wie die britisch-französische Storm Shadow oder den deutschen Taurus verfügten, fehlte bislang ein vergleichbares bodengestütztes System mit großer Reichweite.

Offen für europäische Kooperation

MBDA betont zudem, dass der neue Marschflugkörper für eine enge europäische Zusammenarbeit offen sei. Langfristig könnte das System auch Teil koordinierter Angriffe werden, bei denen Flugkörper gleichzeitig von Schiffen, U-Booten und bodengestützten Startfahrzeugen abgefeuert werden. Damit soll die Fähigkeit europäischer Streitkräfte gestärkt werden, wichtige Ziele auch in stark verteidigten Gebieten präzise und über große Entfernungen zu bekämpfen.

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