Die Huthi-Miliz im Jemen hat ihre Angriffe auf Handelsschiffe im Roten Meer verstärkt und zwingt damit zahlreiche Tanker und Frachter zur Umleitung. Die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet, gilt zunehmend als Risikozone. Schiffsreeder meiden die Route, was zu steigenden Ölpreisen führt. Von den Entwicklungen profitiert vor allem China, das günstiger an Rohöl gelangt.
Angriffe auf Tanker: Die Lage eskaliert
Seit Wochen attackiert die von Iran unterstützte Huthi-Miliz gezielt Tanker und Frachter, die das Rote Meer passieren. Die Miliz begründet die Angriffe mit der israelischen Militäroperation im Gazastreifen. Nach Angaben der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) wurden allein im Juli 2026 mehr als ein Dutzend Schiffe attackiert. „Die Sicherheitslage im Roten Meer hat sich dramatisch verschlechtert“, warnt ein Sprecher der IMO. „Schiffe müssen mit Raketen- und Drohnenangriffen rechnen.“
Ölpreise steigen: Auswirkungen auf den Weltmarkt
Die Blockade des Roten Meeres hat direkte Auswirkungen auf die globalen Ölpreise. Seit Beginn der Angriffe ist der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent um rund acht Prozent gestiegen und notiert bei etwa 92 US-Dollar. Analysten der Internationalen Energieagentur (IEA) rechnen mit weiteren Preissteigerungen. „Jede Unterbrechung der Schifffahrtsroute durch das Rote Meer erhöht die Transportkosten und die Versicherungsprämien für Tanker“, erklärt Ökonom Dr. Markus Weber von der Universität Hamburg. Die längeren Routen um das Kap der Guten Hoffnung verteuern den Transport zusätzlich.
China profitiert: Günstigere Ölimporte aus Russland
Während die meisten Länder unter den höheren Ölpreisen leiden, profitiert China von der Situation. Peking bezieht große Mengen Rohöl aus Russland über Pipelines und die Ostseeroute, die von der Blockade des Roten Meeres nicht betroffen sind. „China kann sein Öl zu vergleichsweise günstigen Konditionen importieren, während Europa und andere Regionen mit höheren Kosten kämpfen“, sagt Handelsexperte Prof. Li Wei von der Universität Peking. Zudem nutzt China die Gelegenheit, um seine strategischen Ölreserven aufzustocken. Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat China allein im Juni 2026 rund 15 Millionen Barrel Rohöl zusätzlich eingelagert.
Schifffahrt meidet das Rote Meer: Folgen für den Welthandel
Immer mehr Reedereien weichen auf die längere Route um Afrika aus. Der Schifffahrtskonzern Maersk gab bekannt, dass seine Containerschiffe das Rote Meer vorerst nicht mehr ansteuern. „Die Sicherheit unserer Crews hat oberste Priorität“, erklärte ein Unternehmenssprecher. Die Umleitung verlängert die Reisezeit zwischen Asien und Europa um etwa zehn Tage, was die Lieferketten belastet. Die Welthandelsorganisation (WTO) warnt vor Engpässen bei Konsumgütern und Industriekomponenten.
Huthis als geopolitischer Faktor: Iran im Hintergrund
Die Huthi-Miliz agiert nicht allein. Experten sehen Iran als treibende Kraft hinter den Angriffen. Teheran unterstützt die Miliz seit Jahren mit Waffen und Geld. „Die Huthis sind ein Instrument Irans, um Druck auf Saudi-Arabien und Israel auszuüben“, analysiert Nahost-Experte Dr. Thomas Richter von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Die Angriffe auf das Rote Meer dienen auch dazu, die globale Ordnung zu destabilisieren und die Abhängigkeit von der Region zu demonstrieren.
Ausblick: Gefahr einer Eskalation
Die internationale Gemeinschaft reagiert besorgt. Die USA haben ihre Militärpräsenz im Roten Meer verstärkt, um Schiffe zu schützen. Die EU prüft eine Marinemission zur Sicherung der Handelswege. „Wir dürfen nicht zulassen, dass eine nichtstaatliche Gruppe eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt blockiert“, sagte EU-Außenbeauftragter Josep Borrell. Dennoch bleibt die Lage angespannt. Solange der Krieg im Gazastreifen andauert, ist mit weiteren Angriffen zu rechnen. Die Ölpreise dürften daher auf absehbare Zeit hoch bleiben – sehr zur Freude Chinas.



