Der private italienische Bahnbetreiber Italo hat bei Siemens 26 Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ Velaro bestellt. Die ersten Einheiten sollen ab Mitte 2028 auf den stark frequentierten Strecken München–Berlin–Hamburg und München–Köln–Dortmund eingesetzt werden. Das Unternehmen sicherte sich zudem eine Option auf 14 weitere Züge und einen 30-jährigen Wartungsvertrag.
Hintergrund des Markteintritts
Italo tritt damit in direkte Konkurrenz zur Deutschen Bahn, die im Fernverkehr einen Marktanteil von rund 95 Prozent hält. Die Bundesnetzagentur hatte erst am vergangenen Freitag die Weichen gestellt: Sie verpflichtete DB InfraGO, auf stark genutzten Strecken künftig nicht mehr als 60 bis 75 Prozent der Kapazitäten an ein einzelnes Unternehmen zu vergeben. Auch Flixtrain drängt in den Markt.
Der Siemens Velaro ist baugleich mit dem ICE 3 neo der Deutschen Bahn und erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 320 Kilometern pro Stunde. „Der Vertragsabschluss ist ein entscheidender Schritt, um offenen Wettbewerb in einem der größten Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnmärkte Europas zu etablieren“, teilte Italo mit. Geplant sind 50 Verbindungen täglich.
Investitionen in Milliardenhöhe
Italo bezifferte seine Gesamtinvestitionen in die Deutschland-Expansion auf 3,6 Milliarden Euro. Darin enthalten sind die Kosten für die Züge, die Einstellung und Ausbildung von rund 2500 Mitarbeitern sowie Investitionen in Bahnhöfe und IT. Siemens gab den Auftragswert mit rund drei Milliarden Euro an. Der reine Zugpreis dürfte – gemessen an vergleichbaren Aufträgen – bei knapp einer Milliarde Euro liegen.
Gebaut werden die Züge in Krefeld, gewartet im Siemens-Depot in Dortmund. „Nach der Entscheidung der Bundesnetzagentur gehen wir nun die konkreten Schritte für den Betriebsstart 2028 an“, sagte Italo-Vorstandschef Gianbattista La Rocca. Hinter Italo stehen potente private Investoren, darunter die Schweizer Reederei MSC, die Blackrock-Tochter Global Infrastructure Partners (GIP) und der Versicherungsriese Allianz. Die beiden Tochtergesellschaften für Betrieb und Zugflotte haben ihren Sitz in Frankfurt.



