Islamismus in Neukölln: Seyran Ateş warnt vor religiösen Wächtern an Schulen
Islamismus in Neukölln: Ateş warnt vor religiösen Wächtern

Die liberale Muslima Seyran Ateş, Betreiberin der Ibn Rushd-Goethe-Moschee in Moabit, schlägt Alarm: In Neukölln nimmt der Islamismus zu, und Kinder werden zu sogenannten religiösen Wächtern. In einem Gespräch mit der Bezirksreporterin Hannah Köllen berichtet Ateş von religiösem Mobbing an Schulen, Ghettoisierung und ihren Forderungen an die Politik.

Religiöses Mobbing an Schulen nimmt zu

Ateş beobachtet, dass Kinder in Neukölln zunehmend unter Druck gesetzt werden, sich streng an religiöse Vorschriften zu halten. „Kinder kontrollieren andere Kinder, ob sie beten, fasten oder bestimmte Kleidungsregeln einhalten“, erklärt sie. Dieses Verhalten führe zu Ausgrenzung und Mobbing. Besonders betroffen seien Mädchen, die sich nicht an die strengen Regeln halten. Ateş betont, dass dieses Phänomen nicht auf Neukölln beschränkt sei, aber dort besonders ausgeprägt auftrete.

Ghettoisierung und fehlende Integration

Ein weiteres Problem sei die zunehmende Ghettoisierung in bestimmten Stadtteilen. „In Neukölln gibt es Gegenden, in denen die deutsche Sprache kaum noch zu hören ist“, sagt Ateş. Dies fördere Parallelgesellschaften, in denen extremistische Strömungen leichter Fuß fassen könnten. Sie kritisiert, dass die Politik zu wenig gegen diese Entwicklung unternehme. „Es fehlen Integrationsangebote und eine klare Positionierung gegen Islamismus“, so Ateş.

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Forderungen an die Politik

Ateş fordert von der Politik konkrete Maßnahmen: mehr Präventionsarbeit an Schulen, bessere Sprachförderung und eine konsequente Bekämpfung von Antisemitismus. „Wir brauchen eine Bildungsoffensive, die Kinder stark macht gegen radikale Einflüsse“, sagt sie. Zudem müsse die Polizei konsequenter gegen religiöses Mobbing vorgehen. Ateş appelliert an die Verantwortung der gesamten Gesellschaft: „Wir dürfen nicht wegschauen, wenn Kinder zu Wächtern einer extremistischen Ideologie werden.“

Die Ibn Rushd-Goethe-Moschee als Gegenmodell

Die von Ateş gegründete Ibn Rushd-Goethe-Moschee versteht sich als liberale Alternative zu konservativen Moscheen. Sie setzt sich für eine offene, demokratische Auslegung des Islam ein. „Wir zeigen, dass Islam und Moderne vereinbar sind“, erklärt Ateş. Die Moschee biete Raum für Diskussionen und kritische Fragen. Trotz Anfeindungen von extremistischen Gruppen halte sie an diesem Weg fest.

Antisemitismus als wachsendes Problem

Neben dem Islamismus sieht Ateş auch den Antisemitismus in Neukölln als wachsendes Problem. „Antisemitische Vorfälle an Schulen nehmen zu“, berichtet sie. Dies sei nicht nur ein Problem von muslimischen Jugendlichen, sondern auch von rechtsradikalen Gruppen. Ateş fordert eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema in Schulen und der Gesellschaft. „Wir müssen die Geschichte des Nationalsozialismus und die Verantwortung Deutschlands immer wieder thematisieren“, sagt sie.

Zahlen und Fakten

Nach Angaben des Berliner Senats sind die Fälle von islamistischem Extremismus in Neukölln in den letzten Jahren gestiegen. Im Jahr 2025 wurden 37 Fälle von religiös motiviertem Mobbing an Schulen gemeldet, doppelt so viele wie 2023. Ateş geht jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus. „Viele Kinder schweigen aus Angst vor Repressalien“, erklärt sie. Die Politik müsse daher auch Anlaufstellen schaffen, wo Kinder sich vertrauensvoll melden könnten.

Ausblick

Seyran Ateş wird ihre Arbeit in der Ibn Rushd-Goethe-Moschee fortsetzen und weiterhin öffentlich gegen Islamismus und Antisemitismus auftreten. Sie hofft, dass die Politik ihre Warnungen ernst nimmt. „Es geht um die Zukunft unserer Kinder und um den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, sagt sie. Ohne entschlossenes Handeln drohe die Situation in Neukölln weiter zu eskalieren.

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