Bayer Leverkusen muss in der Hinrunde der neuen Saison auf das 17-jährige Top-Talent Kennet Eichhorn verzichten. Der Mittelfeldspieler, für den der Werksklub im Sommer neun Millionen Euro Ablöse an Hertha BSC zahlte, leidet an einer Stoffwechsel-Erkrankung und fällt auf unbestimmte Zeit aus. Wie die „Sport Bild“ berichtet, haben die Leverkusener Verantwortlichen den Youngster aus der Kaderplanung für die ersten Monate herausgenommen und die geplanten Verkäufe im zentralen Mittelfeld gestoppt.
Diagnose bremst Erwartungen aus
Eigentlich sollte Eichhorn, der als eines der größten Talente seines Jahrgangs in Europa gilt, direkt in der Bundesliga durchstarten. Interesse hatten zahlreiche Spitzenklubs wie Liverpool, Manchester City, Real Madrid, PSG, FC Bayern, Dortmund und Leipzig signalisiert. Doch vergangenen Freitag wurde die Euphorie jäh gestoppt: Eine Stoffwechsel-Erkrankung, ausgelöst durch einen Magen-Darm-Infekt Mitte Juli, bremst den Youngster aus. Innerhalb von fünf Tagen verlor Eichhorn fünf Kilogramm, die er trotz speziellem Ernährungsplan und dosiertem Training nicht wieder zunahm.
Aus Sorge um die fehlende Energie wurden detaillierte Gesundheitstests angeordnet. Das Ergebnis führte zur Vollbremsung: Eichhorn entschied sich für eine stationäre Behandlung in einer Klinik, um der Erkrankung auf den Grund zu gehen und wieder zu Kräften zu kommen. Die Bayer-Verantwortlichen nehmen mit besonderer Rücksicht auf das Alter des Talents den Druck komplett heraus. Es gibt keine Zielmarken für die Rückkehr ins Training oder zur Mannschaft, ein Zeitplan für das Comeback existiert nicht.
Sportchef Rolfes: „Ohne Druck die nötige Zeit“
Bayers Sportchef Simon Rolfes (44) betont: „Kennet steht vor einer hoffentlich sehr langen Karriere auf höchstem Niveau. Wir werden ihn auf diesem Weg bestmöglich unterstützen. Wichtig ist zum jetzigen Zeitpunkt, dass wir die richtigen Maßnahmen für seine Genesung eingeleitet haben und Kennet ohne Druck die notwendige Zeit und Ruhe für seine Behandlung erhält.“
Der Teenie soll sich voll und ganz auf seine Genesung konzentrieren – ohne Gedanken an Ablöse und sportliche Erwartungen. Die Belastung wurde vorerst auf null reduziert. Erst wenn die Gewichts- und Kraftprobleme identifiziert und durch eine Behandlung behoben sind, nimmt Eichhorn wieder ein Programm auf, das ihn an die Profi-Mannschaft heranführt. Wie lange das dauert, lässt sich laut Verein derzeit nicht seriös einschätzen.
Verkaufsstopp im Mittelfeld
Um die Lücke während der Hinrunde zu schließen, ändert Leverkusen seine Transferpläne. Ursprünglich war vorgesehen, dass von den zentralen Mittelfeldspielern Equi Fernández (24), Aleix García (29) und Robert Andrich (31) bei einem Wechselwunsch zwei abgegeben werden. Nun soll maximal einer den Klub verlassen. Wahrscheinlich ist, dass Andrich eine neue Chance erhält – er gilt nicht nur als defensiv denkender Spieler, sondern auch als Anführer. García wäre einem Wechsel nicht abgeneigt, doch bisher hat kein Verein Interesse gezeigt, das seinen hohen Ansprüchen genügt.
Bei Fernández war der Verkauf eigentlich schon beschlossen: Der Argentinier hatte Ärger mit Ex-Trainer Kasper Hjulmand (54), fühlte sich nicht respektiert und verweigerte aus Frust in der Rückrunde eine Einwechslung in Dortmund. Unter Neu-Trainer Carles Martínez (42) zeigt er jedoch deutlich mehr Leidenschaft und gibt Vollgas. Allerdings besitzt er den größten Marktwert aller Verkaufskandidaten – über 20 Millionen Euro Ablöse gelten als realistisch. Bayer wird dieses Risiko nicht eingehen, da die Verantwortlichen überzeugt sind, dass Eichhorn zurückkehrt und ihm die Zukunft gehört.
Eichhorns schwieriger Start in Leverkusen
Kurios: Der Berliner hatte vor dem offiziellen Trainingsstart bei seinem neuen Klub begonnen und sich sofort mit Kollegen wie dem 30-Millionen-Einkauf Afonso Moreira (21) angefreundet. Am Tag des ersten Teamtrainings auf dem Rasen fehlte Eichhorn jedoch, weil er in Berlin die Führerscheinprüfung für das begleitete Fahren ablegte. Nach der Rückkehr am Tag darauf fühlte er sich wegen des Magen-Darm-Infekts schon schwach, dann legte es ihn richtig flach. Als es ihm besser ging, absolvierte er individuelles Training – teils im Reha-Bereich der Arena, teils allein auf dem Platz. Eine vollständige Einheit mit seinen neuen Kollegen hat er bislang nicht bestritten.



