Die 3. Fußball-Liga startet am Freitag mit dem Eröffnungsspiel Waldhof Mannheim gegen Fortuna Düsseldorf in ihre 19. Spielzeit. Doch die neue Saison beginnt mit einer bitteren Erkenntnis für den Ostfußball: Hansa Rostock ist der einzige ostdeutsche Verein in der Liga. Noch vor elf Jahren waren es acht Vereine, weshalb die Liga einst als "Bundesliga des Ostens" galt. Der einstige Stolz ist geschrumpft, und die Hoffnung auf eine Reform, die den Aufstieg erleichtern sollte, ist erneut geplatzt.
Aufstiegsreform erneut gescheitert
Die Aufstiegsreform zur 3. Liga war Ende Juli zum wiederholten Male gescheitert. Zwar sprachen sich die Vertreter aus drei der fünf Regionalligen für das sogenannte Kompassmodell aus, doch der Südwesten und Bayern stimmten dagegen. Dieses Modell sieht eine Verteilung von 80 Viertliga-Klubs auf vier Staffeln nach geografischen Gesichtspunkten vor. Ziel war es, die Aufstiegschancen für Ostvereine zu verbessern, die in der Regionalliga Nordost oft gegen starke Konkurrenz kämpfen müssen.
Andere Modelle, wie etwa die 3. Liga auf 22 Teams aufzustocken und die Anzahl der Absteiger von vier auf fünf zu erhöhen, kommen für die Vertreter der 3. Liga nicht infrage. Der Vorschlag wurde mit dem Hinweis zurückgewiesen, dass die Drittligisten bereits 2018 mit der Einführung eines vierten Abstiegsplatzes ihren Beitrag zu einer Lösung geleistet hatten. Diese Haltung sorgt bei vielen Ostvereinen für Frust, denn sie fühlen sich im Stich gelassen.
Hansa Rostock als letzter Mohikaner
Nach dem Aufstieg von Energie Cottbus und dem Abstieg von Erzgebirge Aue ist Hansa Rostock in der kommenden Saison der einzige ostdeutsche Verein der Liga. Viele ehemalige ostdeutsche Drittligisten wie der Chemnitzer FC, Rot-Weiß Erfurt, Carl Zeiss Jena, FSV Zwickau, SV Babelsberg oder der Hallesche FC stecken seit Jahren in der Regionalliga fest, obwohl sie über moderne Stadien verfügen, die für den Profifußball ausgelegt sind. Auch deshalb gehörten diese Vereine zu den ersten Unterstützern der bundesweit diskutierten Aufstiegsreform.
Die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Voraussetzungen wären vorhanden, doch sportlich bleibt der Sprung in den Profifußball oft verwehrt. Die Regionalliga Nordost ist hart umkämpft, und nur ein Meister steigt direkt auf. Die Reform hätte die Chancen erhöhen sollen, doch der Widerstand aus Süd- und Westdeutschland verhindert eine Lösung.
1860 München muss zwangsabsteigen
Sportlich beendeten die Löwen die Drittliga-Saison auf dem achten Platz. Aufgrund eines nicht fristgerecht erbrachten Liquiditätsnachweises erhielt der Verein nach acht Spielzeiten in der 3. Liga allerdings keine Lizenz und stieg zwangsweise ab. Davon profitierte der TSV Havelse, der sportlich abgestiegen war, aber nachträglich die Klasse hielt. Der Fall zeigt, dass wirtschaftliche Probleme auch abseits des Platzes über die Zukunft entscheiden können.
Favoriten und Außenseiter
Fortuna Düsseldorf ist der große Favorit auf den direkten Wiederaufstieg. Auch Hansa Rostock, Rot-Weiss Essen und der MSV Duisburg machen sich berechtigte Hoffnungen auf die 2. Bundesliga. Außenseiterchancen haben zudem Preußen Münster, Alemannia Aachen und der 1. FC Saarbrücken. Im Kampf gegen den Abstieg werden die Aufsteiger SV Meppen, Würzburger Kickers, Fortuna Köln und Sonnenhof Großaspach erwartet. Gleiches gilt für den TSV Havelse sowie für die zweiten Mannschaften vom VfB Stuttgart und der TSG Hoffenheim.
Kein VAR, aber neue Regeln
Der VAR wird aufgrund der hohen Kosten weiterhin nicht eingesetzt. Im Februar hatten die Klubs auch die günstigere Alternative Football Video Support (FVS) abgelehnt, bei der Trainer Überprüfungen beantragen können, ohne einen "Kölner Keller" zu benötigen. Neu eingeführt werden Regeln, die bereits bei der WM galten: So gibt es künftig bei Abstößen und Einwürfen einen Fünf-Sekunden-Countdown, bei Auswechslungen haben Spieler zehn Sekunden Zeit, das Feld zu verlassen, und nach verletzungsbedingten Unterbrechungen wird eine einminütige Pause eingelegt. Zudem bestraft der Schiedsrichter keine Torchancen-Vereitelung mehr, wenn aus dem Vorteil ein Tor entsteht.
Eckdaten der Saison
Bis zur Winterpause am 21. Dezember werden 18 Spieltage absolviert. Am 15. Januar startet die 3. Liga mit dem letzten Hinrundenspieltag ins neue Kalenderjahr. Das Saisonfinale findet am 22. Mai statt, an dem alle Spiele zeitgleich ausgetragen werden. Die anschließenden Relegationsspiele zur 2. Bundesliga finden voraussichtlich zwischen dem 28. Mai und dem 1. Juni 2027 statt.
TV-Übertragung
MagentaSport überträgt alle 380 Saisonspiele live - sowohl als Einzelspiel als auch in der Samstagskonferenz. Zudem zeigt die ARD in ihren Dritten Programmen insgesamt 68 Live-Spiele. Zusätzlich wird die Relegation zur 2. Bundesliga im Free-TV ausgestrahlt.



