Nach dem emotionalen Abschied in Staffel drei kehrt Ted Lasso überraschend zurück: Ab sofort zeigt Apple TV wöchentlich eine neue Folge der vierten Staffel, bis zum 7. Oktober. Die Serie setzt auf Frauenpower und beweist, dass sie auch ohne Ted als Männer-Coach funktioniert. Ein erster Blick auf die neuen Folgen verrät: Der Zauber ist nicht verflogen, sondern wurde geschickt weiterentwickelt.
Rückkehr nach Kansas: Ted wird zum Frauen-Trainer
Drei Jahre nach dem Ende von Staffel drei tauchen Rebecca (Hannah Waddingham), Keeley (Juno Temple) und Leslie Higgins (Jeremy Swift) bei Ted in Kansas auf. Sie holen ihn zurück, allerdings nicht als Trainer der Männermannschaft – diese wird inzwischen von Roy Kent (Brett Goldstein) und Coach Beard (Brendan Hunt) betreut. Stattdessen soll Ted das neue Frauenteam des AFC Richmond, die Lady Greyhounds, gemeinsam mit der wortkargen Trainerin Alice Chilton (Tanya Reynolds) zum Erfolg führen.
Die Entscheidung, eine Frauenmannschaft zu übernehmen, ist ein cleverer Schachzug der Macher, denn so bleibt die Serie frisch und ist kein bloßer Aufguss alter Folgen. Jason Sudeikis, der Ted Lasso spielt und mitschreibt, erklärt die Entstehung: „Es begann mit einem Becher voller Ideen, und zwar einen ziemlich großen, so einen mit gut einem Liter Fassungsvermögen.“ Auch die anderen Beteiligten hätten die Begeisterung geteilt, sodass man beschloss, „ins kalte Wasser zu springen“.
Neue Herausforderungen: Ted zwischen alter und neuer Welt
Ted selbst muss sich an die völlig neue Welt des Frauenfußballs gewöhnen. „Denn auch wenn er an einen vertrauten Ort geht und auf den Rückhalt seiner Familie und all das zählen kann, ist das Training einer Frauenmannschaft für ihn dennoch eine völlig neue Welt“, so Sudeikis. Privat läuft es übrigens gut: Sohn Henry und Ex-Frau Michelle (Andrea Anders) wollen nach London ziehen.
Die ersten vier Folgen zeigen die Serie in gewohnter Qualität: gut erzählte Geschichten, komplexe Figuren, wunderbarer Wortwitz und viel Herz. Statt platter Witze auf Kosten von Frauen überzeugen die neuen Episoden mit einer charmanten Erzählweise. Es gibt aber auch Miesmacher: Fans und Anteilseigner des Vereins, die das Frauenteam nicht ernst nehmen und am liebsten abschaffen würden – ein realistisches Abbild der Vorurteile, mit denen Frauenfußball immer noch zu kämpfen hat.
Details, die begeistern: Von Glitzersocken bis Barbecue-Soße
Die neuen Folgen stecken voller liebevoller Details: Ted kann Tee immer noch nicht ausstehen, Rebecca hat ihre Leidenschaft für amerikanische Barbecue-Soße entdeckt, Roy Kent trägt Glitzersocken und flucht wie gewohnt. Keeleys Büro als Marketingchefin ist ein Traum in Pink, und eine vertraute rosa Keksschachtel („Kekse mit dem Boss“) hat einen überraschenden Inhalt.
Besonders eindrucksvoll ist die Darstellung der Realität im Frauenfußball: Die Spielerinnen in Richmond haben nur einen schäbigen Umkleideraum mit einer Dusche und einer Toilette. „Das ist Mist“, entsetzt sich Ted, als Alice Chilton ihn herumführt. Ihre trockene Antwort: „Willkommen in der zweiten Liga des Frauenfußballs.“ Diese Szenen verdeutlichen die Benachteiligung, mit der Frauen im Sport immer noch konfrontiert sind.
Schauspielerische Glanzleistungen und verborgene Emotionen
Tanya Reynolds spielt Alice Chilton, die als unfreundlich gilt und kaum eine Miene verzieht. „Es macht riesigen Spaß, das absolute Gegenteil von Ted zu spielen – da steckt so viel Potenzial für Spaß drin. Und Spaß hatten wir definitiv“, erinnert sich die Britin („The Decameron“). Allerdings musste sie sich sehr beherrschen: „Ich wollte eigentlich die ganze Zeit lachen.“ Doch als Alice lacht sie fast nie: „Ich glaube, sie hat in ihrem ganzen Leben vielleicht viermal gelacht.“
Brendan Hunt, der Coach Beard spielt, hatte es leichter: „Für mich erledigt die eng anliegende Sonnenbrille einen Großteil der schauspielerischen Arbeit“, scherzte er vor Journalisten. Er ist schon seit 2015 begeisterter Fan des Frauenfußballs, als die US-Spielerinnen Weltmeisterinnen wurden. „Ich habe mir damals mit meiner Familie das Finale angesehen, und wenn ich mich recht erinnere, hat Carli Lloyd schon in der ersten Halbzeit einen Hattrick erzielt, inklusive eines Treffers von der Mittellinie aus“, schwärmt er. Sein Gedanke damals: „Mann, bin ich ein Idiot, dass ich das bisher verpasst habe. Das ist ja verdammt großartig.“
Fazit: Ein gelungenes Comeback mit neuen Ideen
Die vierte Staffel von „Ted Lasso“ beweist, dass die Serie auch ohne das ursprüngliche Setting funktioniert. Die Macher um Jason Sudeikis und Brendan Hunt setzen auf neue Herausforderungen und schaffen es, die Geschichte stimmig weiterzuerzählen. Wer auf den typischen Lasso-Charme hofft, wird nicht enttäuscht – auch wenn die Frauenmannschaft für einige Überraschungen sorgt. Die Serie bleibt ein Plädoyer für Optimismus, Menschlichkeit und den Mut, Neues zu wagen.



