Volkswagen, der größte deutsche Autobauer, steckt tief in der Krise. In einem Leitartikel fordert der SPIEGEL-Redakteur Alexander Demling ein Umdenken: „Deutschland muss sich vom Mythos Volkswagen verabschieden.“ Der Konzern, der für Generationen von Deutschen als „ihr“ Unternehmen galt, könne in der aktuellen Lage nicht mehr jeder Erwartung gerecht werden. Und das sei auch nicht wünschenswert.
Der Mythos Volkswagen: Vom Käfer zum Weltkonzern
Volkswagen war immer mehr als nur ein Autohersteller. Mit dem Käfer und später dem Golf prägte der Konzern die Mobilität der Deutschen. Die Zentrale in Wolfsburg, die Belegschaft und die starke Einbindung in die Region machten VW zu einem Symbol des Wirtschaftswunders. „Für die Deutschen war Volkswagen immer ihr Unternehmen“, schreibt Demling. Doch dieser Mythos bröckelt.
Die Krise des Konzerns ist vielschichtig: schleppende Elektro-Offensive, hohe Kosten, schwache Nachfrage in China und interne Querelen. Die Aktie des Unternehmens verlor in den letzten Monaten deutlich an Wert. Experten warnen vor einem weiteren Abschwung, falls Volkswagen nicht radikal umsteuert.
Die Erwartungen an Volkswagen sind überhöht
Der Leitartikel argumentiert, dass die Deutschen zu hohe Erwartungen an den Autobauer hätten. Volkswagen solle nicht nur Arbeitsplätze sichern, sondern auch die Wende zur Elektromobilität anführen, die Rendite steigern und gleichzeitig sozial verantwortlich handeln. „Doch in der Krise kann der größte deutsche Autobauer nicht mehr jeder Erwartung gerecht werden“, so Demling.
Die Politik sei gefordert, den Konzern nicht länger als nationalen Champion zu betrachten. Stattdessen müsse sie Rahmenbedingungen schaffen, die allen Autobauern helfen, den Wandel zu bewältigen. Der Mythos Volkswagen habe lange genug als Maßstab gedient – nun sei eine realistischere Betrachtung nötig.
Abschied vom Mythos: Was bedeutet das für die Zukunft?
Ein Abschied vom Mythos Volkswagen bedeutet nicht das Ende des Unternehmens. Vielmehr geht es darum, den Konzern aus der Überhöhung zu befreien. Volkswagen müsse sich auf seine Stärken besinnen: eine starke Marke, eine breite Modellpalette und eine globale Präsenz. „Volkswagen sollte nicht mehr der Heilsbringer sein, sondern ein normales Unternehmen“, schreibt Demling.
Die Gewerkschaften und die Politik müssten akzeptieren, dass Volkswagen nicht alle Standorte und Arbeitsplätze auf ewig garantieren könne. Der Wandel zur Elektromobilität werde unweigerlich zu Einschnitten führen. „Je früher wir uns vom Mythos verabschieden, desto schneller kann Volkswagen wirklich zukunftsfähig werden“, so der Kommentator.
Fazit: Ein notwendiger Schritt
Der Leitartikel endet mit einem Appell an die deutsche Öffentlichkeit: Es sei an der Zeit, Volkswagen nicht länger als unantastbaren Riesen zu sehen. Die Krise biete auch eine Chance für einen Neuanfang. „Deutschland muss sich vom Mythos Volkswagen verabschieden – nicht aus Respektlosigkeit, sondern aus Liebe zur Realität.“



