Red Bull-Dosenwerk in Baruth: Neuer Anlauf nach Gerichtsurteil
Red Bull-Dosenwerk: Neuer Anlauf nach Gerichtsurteil

Gerichtsentscheidung bremst Red Bull aus

Der Bau eines Dosenwerks für Red Bull im brandenburgischen Baruth/Mark muss wegen einer Gerichtsentscheidung warten. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg kippte den bisherigen Bebauungsplan aus formellem Grund. Es ging um Vorgaben zur Lärmbegrenzung, nicht um das umstrittene Thema Wasser. Die Unternehmen Red Bull und Rauch sprechen von einer Verzögerung von etwa einem Jahr. Der Betrieb solle nun 2028 starten, hieß es am Rande einer Werksbesichtigung.

Streit um Millionen Kubikmeter Wasser

Seit Monaten gibt es einen Konflikt ums Wasser, da Red Bull und der Safthersteller Rauch eine enorme Menge an Grundwasser nutzen. Rund 2,35 Millionen Kubikmeter pro Jahr können sie entnehmen. Bei der riesigen Tesla-Fabrik in Grünheide waren es – Stand 2024 – 1,8 Millionen Kubikmeter. Ein Netzwerk von Umweltgruppen befürchtet Wasserknappheit in der Region aufgrund der industriellen Erweiterung. Brandenburg gehört laut Wissenschaftlern bundesweit zu den Regionen mit der geringsten Neubildung von Grundwasser. Dazu kommt eine geplante Ansiedlung eines großen Rechenzentrums in Baruth/Mark.

Unternehmen: Baustart dieses Jahr vorgesehen

Die österreichischen Unternehmen Red Bull und Rauch blicken trotz des Rückschlags zuversichtlich auf einen neuen Zeitplan. Noch im vierten Quartal dieses Jahres sollten die Arbeiten für das neue Werk beginnen, sagte Projektkoordinator Björn Hofbauer. Neben einem Dosenwerk ist auch eine Logistikhalle geplant. Von einer dreistelligen Millionen-Investition war bislang die Rede.

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Tausende Lkw-Fahrten mit leeren Dosen

Der Vizepräsident des Dosenherstellers Ball Deutschland, Welf Jung, sagte zur Verzögerung: „Natürlich hätten wir gerne vermieden, für ein weiteres Jahr Leerdosen nach Baruth zu transportieren.“ Die Aluminiumdosen werden bislang aus dem Süden geliefert. Das mache pro Jahr rund 12.000 Lkw-Fahrten aus. Künftig sollen die Red Bull-Dosen direkt in Baruth neben der Abfüllung hergestellt werden. Für die Erweiterung sollen insgesamt 17 Hektar Kiefernwald in der Nähe der bestehenden Hallen gerodet werden. In dem Betrieb laufen bereits rund um die Uhr vier Dosen-Linien mit den Energiedrinks. Pro Stunde und Linie werden laut Unternehmen rund 120.000 Dosen gefüllt.

Bürgermeister: Klagen nicht ausgeschlossen

Der langjährige Bürgermeister Peter Ilk (parteilos), der im August abgelöst wird, sagte der dpa zum Zeitplan: „Wenn soweit alles klappt, dann könnte im Frühjahr 2027 mit den Bauarbeiten begonnen werden.“ Doch etliche Schritte stehen noch bevor. Der Bürgermeister geht davon aus, dass das Verfahren zur Erarbeitung eines neuen Bebauungsplanes im Herbst fertig wird und dann Baurecht vorliegt. Seit 13. Juli ist der Entwurf samt umfangreichen Unterlagen zu Wasser, Lärm und Artenschutz zunächst öffentlich einsehbar. Bürger können einige Wochen lang Stellungnahmen und Beschwerden einreichen. Neue Klagen können nicht ausgeschlossen werden, wie der Bürgermeister sagte.

Umweltschützer protestieren

Denn im Streit ums Wasser gehen die Positionen auseinander. Umweltschützer drängen auf die Prüfung der Wasserressourcen. Sie haben Sorge, dass es durch die Entnahme der Getränkehersteller für die Bevölkerung knapp wird – auch wegen geringerer Grundwasser-Neubildung. Ein Ressourcenbündnis Baruth kritisiert etwa, die Getränkeunternehmen dürften „extrem hochwertiges Urstromtal-Grundwasser entnehmen, in einen ungesunden Energydrink verwandeln, in ebenso umwelt- wie gesundheitsschädliche Aluminiumdosen abfüllen und nach ganz Nord- und Ost-Europa“ exportieren.

Bürgermeister: Kein neues Wassergutachten

Ein neues Wassergutachten sei derzeit aber nicht erforderlich, sagt Bürgermeister Ilk der dpa vor einigen Tagen. Durch ständiges Monitoring und einen Austausch mit dem Landesumweltamt gebe es einen guten Überblick über die Grundwassersituation. Das Umweltamt schreibt auf Anfrage, es ergäben sich „keine Tendenzen, welche auf eine Übernutzung der dynamischen Grundwasservorräte hindeuten würden“. Red Bull betont stets, dass trotz der Werks-Erweiterung kein zusätzliches Wasser gebraucht werde. Der Wasserbedarf für ein Dosenwerk werde durch gereinigtes Abwasser gedeckt.

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Was laut Stadt genehmigt ist

Der Wasserbetrieb der Stadt bezieht sich auf eine weiterhin gültige wasserrechtliche Genehmigung von 2018. Sie erlaubt die Förderung von 7.000 Kubikmeter Grundwasser je Tag – also rund 2,55 Millionen im Jahr. Für die Produktion der Getränkeunternehmen dürfen bis zu 6.500 Kubikmeter je Tag entnommen werden. Künftig sollen es laut Red Bull durch Recycling sogar weniger sein. Zudem versichert die Stadt den Kritikern, die Wasserversorgung der Bevölkerung habe immer Vorrang.

Neuer Streit wegen eines geplanten Rechenzentrums?

Neuen Konfliktstoff auch in Sachen Wasser könnte die geplante Ansiedlung eines Rechenzentrums von Amazon Web Services bergen. Das Unternehmen spricht von „Wassereffizienz“ und teilte mit: „Viele der lokalen Anlagen benötigen bis zu 95 Prozent des Jahres kein Wasser zur Kühlung.“ Noch ist das Vorhaben aber in den Anfängen. „Der Investor kennt die Problematik mit dem Wasser und muss sich um entsprechende technische Lösungen für die Kühlung des Rechenzentrums kümmern“, meinte der Bürgermeister.