Wilhelmshaven (Niedersachsen) – Ein spektakulärer Fund gelang dem deutschen Zoll im Kampf gegen den internationalen Rauschgiftschmuggel. In einem Container, der offiziell mit Kakaobohnen beladen war, entdeckten Ermittler acht Tonnen Kokain. Der Straßenverkaufswert der Drogen wird auf rund 500 Millionen Euro geschätzt – ein Rekordfund für den vergleichsweise kleinen Hafen im Norden Deutschlands.
Fund bereits im Februar, jetzt veröffentlicht
Bereits Anfang Februar schlugen die Zollfahnder zu. Aus ermittlungstaktischen Gründen wurde der Fund jedoch erst jetzt öffentlich gemacht. Am Mittwochmorgen präsentierten die Beamten im Zollkriminalamt in Köln die Einzelheiten des Falls. Das Schiff, das die Drogen transportierte, stammte aus Sierra Leone in Afrika.
Zwei Verdächtige in Spanien festgenommen
Dank der engen Zusammenarbeit mit spanischen Ermittlungsbehörden konnten zwei mutmaßliche Drogenhändler gefasst werden. „Nach erfolgreicher ermittlungstaktischer Zusammenarbeit des Zollfahndungsamtes Hannover mit den spanischen Zollbehörden unter Einbindung des Zollkriminalamtes nahmen spanische Ermittlungskräfte am 14. Mai 2026 zwei Beschuldigte in Spanien fest“, erklärte die Generalzolldirektion. Einer der Beschuldigten ist Geschäftsführer eines Importunternehmens. Er wird von den spanischen Behörden mit einer früheren Kokainlieferung auf dem Seeweg in Verbindung gebracht. Beide Männer befinden sich in Untersuchungshaft.
400 Folienpakete mit Kokain
Das Frachtschiff sollte offiziell Kakaobohnen nach Spanien transportieren. Bei der Röntgenkontrolle des Containers fielen den Zollbeamten Unregelmäßigkeiten auf. Daraufhin durchsuchten sie das Schiff gründlich. Statt der angemeldeten Kakaobohnen fanden sie über 400 mit schwarzer Folie umwickelte Pakete. In jedem dieser Pakete befanden sich rund 20 hart gepresste Kokainblöcke. Bevor das Schiff seine Reise nach Barcelona fortsetzen konnte, wurde das Kokain in Deutschland vernichtet.
Kleinere Häfen im Fokus der Schmuggler
Erst im Mai hatten Ermittler in Europa einen noch größeren Fund gemacht: 30 Tonnen Kokain auf dem Frachter „Arconian“ vor der Küste der Westsahara. Der Fund in Wilhelmshaven zeigt jedoch, dass Drogenschmuggler zunehmend kleinere Häfen ansteuern. „Die Banden reagieren damit auf den erhöhten Druck des Zolls in den großen Seehäfen“, sagte der Leiter des Zollfahndungsamtes Hamburg, Nils Gärtner. „Wir stellen Ausweichbewegungen fest auf kleinere und mittlere Seehäfen.“ Besonders Wilhelmshaven, Emden und Brake geraten immer stärker ins Visier der Kriminellen.



