Salzbatterien und Wechselakkus: Neue Technologien für E-Autos
Salzbatterien und Wechselakkus: Zukunft der E-Mobilität?

Im Mai 2026 wurden in Deutschland fast 60.000 reine Elektroautos zugelassen – ein Plus von 39,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein Anteil von 25 Prozent aller Neuzulassungen. Dieser Anstieg ist laut Kraftfahrt-Bundesamt vor allem auf die neu aufgelegte Kaufprämie und die hohen Benzinpreise infolge des Nahostkonflikts zurückzuführen. Doch auch technologische Fortschritte tragen dazu bei, dass die Deutschen ihre Skepsis gegenüber Elektrofahrzeugen verlieren. Im Fokus stehen dabei zwei vielversprechende Ansätze: Wechselakkus und Natrium-Ionen-Batterien.

Wechselakkus: Schneller Tausch statt langes Laden

Die sogenannte Reichweitenangst – die Furcht, mit leerem Akku liegenzubleiben – war lange ein Hemmschuh für die E-Mobilität. Aktuelle Reichweiten geben laut Enpal für Kleinwagen 160 bis 280 Kilometer an, für die Mittelklasse 360 bis 440 Kilometer und für die Oberklasse 400 bis 560 Kilometer. Selbst an Schnellladesäulen dauert es rund 30 Minuten, um 80 Prozent der Kapazität zu erreichen. Wechselakkus versprechen hier Abhilfe: In China bereits verbreitet, baut Nio Deutschland ein Netz von Wechselstationen auf. Eine Ipsos-Umfrage im Auftrag des Tüv-Verbands ergab 2024, dass 63 Prozent der Befragten Wechselbatterien für besser oder viel besser halten als fest eingebaute.

„Der Wechselakku hat mehrere Vorteile“, sagt Robin Zalwert vom Tüv-Verband. „Der Wechsel geht in wenigen Minuten, die entnommenen Batterien können schonend geladen werden.“ Die Recyclingindustrie stehe dem Modell positiv gegenüber, da Altbatterien in den Stationen gesammelt werden. Fahrzeuge ohne Batterie sind günstiger, die Akkus werden geleast. Zudem können die Stationen als Regelreserve für das Stromnetz dienen.

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Standardisierung und Besitzerstolz als Hürden

Trotz dieser Vorteile ist Zalwert skeptisch, ob sich das Konzept in Deutschland flächendeckend durchsetzt. „Ein Porschefahrer möchte beim Wechsel nicht die Batterie einer Familienkutsche erhalten“, so Zalwert. Zwar bietet Nio drei Leistungsklassen, doch Deutschland sei ein „Besitzerland“. Er sieht die Zukunft eher bei Flottenfahrzeugen, etwa von Speditionen. Im Projekt „eHaul“ wurde der elektrische Lkw-Fernverkehr mit Wechselstationen erfolgreich erprobt.

Ein weiteres Problem ist die fehlende Standardisierung: Jeder Hersteller baut sein eigenes System. Abgesehen von Fiat setzt kein europäischer Hersteller auf Wechselakkus. Laut Zalwert laufen aber erste Standardisierungsaktivitäten. Während die Ladeinfrastruktur politisch breit gefördert wird, fehlt eine vergleichbare Unterstützung für Wechselstationen.

Feststoffbatterien: 1200 Kilometer ohne Nachladen

Eine Alternative zur Reichweitenangst sind neue Batterietechnologien. Mercedes-Benz teilte im September 2025 mit, dass ein EQS mit einem Prototyp einer Lithium-Metall-Festkörperbatterie mehr als 1200 Kilometer ohne Ladestopp schaffte. Technisch bedingt werden Hydraulikzylinder für den Anpressdruck der Zellen benötigt. „Ziel ist es, Innovationen wie diese bis zum Ende der Dekade in die Serienproduktion zu bringen“, erklärte Vorstandsmitglied Markus Schäfer.

Christoph Neef vom Fraunhofer ISI beobachtet zudem den Lithium-Schwefel-Akku, den er als „mittelreif“ einstuft. Die hohe Energiedichte mache ihn interessant für Luft- und Raumfahrt, jedoch leide er unter Kapazitätsverlust. Inzwischen gebe es Prototypen mit bis zu 500 Ladezyklen. Beide Technologien sind jedoch auf Lithium angewiesen – ein kritischer Rohstoff mit begrenzten Vorkommen und volatilen Preisen.

Natrium-Ionen-Batterien: Die Salztechnologie

Dirk Uwe Sauer von der RWTH Aachen erklärt: „China verfügt über weniger als 20 Prozent der weltweiten Lithium-Lagerstätten, aber durch seine Rohstoffsicherung hat das Land Zugriff auf den größten Teil der Förderung.“ Zudem hätten Spekulationen den Lithiumpreis in die Höhe getrieben. Natrium hingegen ist das sechsthäufigste Element der Erdkruste, etwa in Kochsalz. Die Natrium-Ionen-Batterie wird daher oft als „Salztechnologie“ bezeichnet.

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Saüers Team untersuchte eine kommerzielle Natrium-Ionen-Batterie von Hina Battery und war überrascht von der Reife. „Wenn Unternehmen eine neue Fertigungstechnik hochfahren, findet man üblicherweise eine große Streuung in der Produktqualität“, so Sauer. Bei dieser Batterie sei das nicht der Fall. Auch der weltgrößte Batteriehersteller CATL produziert nun Natrium-Ionen-Akkus. Als sogenannte Drop-in-Technologie können Fertigungslinien umgerüstet werden, wie Steffen Link vom Fraunhofer ISI betont: „Dadurch werden hohe Investitionen vermieden.“

Geringere Energiedichte, aber günstiger

Nachteilig ist die geringere Energiedichte als bei Lithium-Ionen-Batterien. Sauer sieht sie daher vor allem als Konkurrenz für LFP-Akkus, die ebenfalls auf kritische Rohstoffe wie Kobalt verzichten. Derzeit sind Natrium-Ionen-Batterien noch teurer als LFP, aber Sauer erwartet fallende Preise bei Massenproduktion. Im E-Auto-Bereich seien sie vor allem für Kleinwagen geeignet, wo der Preis im Vordergrund stehe. „Meine Kollegen und ich sind sicher: Natrium-Ionen-Batterien sind gekommen, um zu bleiben“, sagt Sauer. Für stationäre Speicher böten sie aufgrund der Rohstoffsituation große Vorteile.

Wie lange hält die Batterie?

Zur Lebensdauer von Akkus gehen Hersteller vermehrt davon aus, dass die Batterie langlebiger ist als das Auto. Neef und Link vom Fraunhofer ISI vermuten, dass Tesla Roadster von 2008 noch mit Originalbatterien fahren. „Die Roadster-Akkus sind jedenfalls noch nicht im großen Stil im Recycling angekommen“, so Neef. Beim BMW i3 sei durch „Over-Engineering“ eine sehr robuste Batterie entstanden, die auch nach 30 Jahren nutzbar sein könnte, wenn auch mit geringerer Kapazität. Neuere Batterien könnten kürzer halten. Link verweist auf technologische Fortschritte bei Batterie-Management-Systemen, die die Alterung verlangsamen. „Bei der Reparaturfähigkeit und dem Recycling stehen wir jedoch noch am Anfang“, betont Link.