Logistik: Solarzellen auf Lkw-Dach sparen fünf Prozent Diesel
Solarzellen auf Lkw-Dach sparen fünf Prozent Diesel

Die steigenden Kraftstoffpreise belasten Spediteure und Fuhrparkbetreiber. Eine vielversprechende Lösung bieten nachgerüstete Solarmodule auf Lkw-Dächern. Sie senken den Dieselverbrauch um rund fünf Prozent und amortisieren sich in weniger als zwei Jahren. Das zeigt eine Studie der Europäischen Kommission.

Studie belegt Potenzial von Solarfahrzeugen

Die Mitte Mai veröffentlichte Studie „Solar Moves“ untersuchte das Potenzial fahrzeugintegrierter Photovoltaik. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE), der niederländischen Organisation TNO und von Solarsystemanbietern rüsteten verschiedene Fahrzeugtypen mit Sensoren aus. Sie analysierten 1,3 Millionen gefahrene Kilometer und kombinierten diese Daten mit Satelliten- und Wetterinformationen.

Das Ergebnis: Ein Pkw mit großer Dachfläche, etwa ein SUV, könnte bei 5000 Kilometern Jahresfahrleistung in Mitteleuropa bis zu 55 Prozent seines Energiebedarfs selbst decken. In Südeuropa sind sogar bis zu 80 Prozent möglich. Bei Elektro-Lkw ließe sich die Reichweite um bis zu 15 Prozent erhöhen.

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Nachrüstung von Nutzfahrzeugen als schnelle Lösung

Während Serien-Solarautos noch auf sich warten lassen, können Nutzfahrzeuge bereits heute von Photovoltaik profitieren. „Die erfolgversprechendste Richtung ist, Zusatzenergieverbräuche mit Solarstrom abzudecken“, sagt Christian Braun vom Fraunhofer ISE. Der Solarstrom versorgt Klimaanlagen, Heizungen sowie Kühl- und Hydrauliksysteme und senkt so den Kraftstoffverbrauch.

Besonders lohnend ist dies bei Fahrzeugen mit hohem Zusatzenergiebedarf, wie Bussen oder Kühlanhängern. Die Dekra Academy in Dänemark hat das Konzept bereits erprobt. Sie rüstete fünf Ausbildungs-Lkw mit Solarmodulen von 240 Watt-Peak Leistung aus. Die Module wurden auf das Fahrzeugdach geklebt und an das elektrische System angeschlossen.

Amortisation in unter zwei Jahren

Die Nachrüstung kostete pro Fahrzeug rund 3000 Euro. Der Dieselverbrauch sank im Pilotbetrieb um fünf Prozent. Ursprünglich kalkulierte Dekra eine Amortisationszeit von anderthalb bis zwei Jahren. Aufgrund gestiegener Dieselpreise könnte sich diese jedoch auf etwa ein Jahr verkürzen. Inzwischen hat Dekra 60 weitere Lkw nachgerüstet.

„Mit dieser Lösung können wir unser Budget gezielt dort einsetzen, wo wir die größte Wirkung erzielen“, erklärt Philip Steiner, Sustainability-Manager bei Dekra. Eine Ausweitung auf Deutschland ist derzeit nicht geplant, da zunächst weitere Erfahrungen in Dänemark gesammelt werden sollen.

Klimaeffekt und wirtschaftliche Perspektiven

Der niederländische Anbieter IM Efficiency stattet Lkw-Anhänger mit 5000 Watt-Peak Leistung aus. Die Investition von rund 9000 Euro amortisiert sich bei Diesel-Lkw innerhalb von drei bis vier Jahren. Pro Fahrzeug sinkt der CO2-Ausstoß um etwa 15 Tonnen jährlich. Werden Solarmodule künftig direkt in die Produktion integriert, könnte die Amortisationszeit auf ein bis anderthalb Jahre sinken.

Nachgerüstete Photovoltaik auf Lkw-Dächern und Anhängern ist ein sofort nutzbarer Effizienzhebel. Sie senkt den Spritverbrauch, reduziert CO2-Emissionen und eröffnet neue Geschäftsfelder für Zulieferer. Manchmal lohnt es sich, nicht auf die perfekte Lösung zu warten, sondern mit kleinen Maßnahmen zu beginnen, die heute schon funktionieren.

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