Die deutsche Industrie steht vor einer enormen Herausforderung: Sie ist für ein Viertel der Treibhausgasemissionen des Landes verantwortlich. Besonders energieintensive Branchen wie die Stahlproduktion müssen dringend CO2 einsparen, doch klimafreundliche Alternativen sind oft teuer und technisch kompliziert. Ein konkretes Beispiel liefert die Stahlschmiede Dirostahl in Remscheid, die gemeinsam mit dem Start-up Hyperheat eine innovative Lösung erprobt.
Hochtemperaturprozesse als größte Hürde
In der Stahlverarbeitung werden Öfen auf bis zu 1200 Grad Celsius erhitzt, um Stahl zu schmieden. Bislang wird dafür hauptsächlich Erdgas eingesetzt. Dirostahl-Geschäftsführer Roman Diederichs beschreibt die Situation als „gläsernen Deckel“, an den er bei der Dekarbonisierung immer wieder stoße. Die Umstellung auf emissionsfreie Technologien scheitert oft an den hohen Kosten und der mangelnden Flexibilität bestehender Anlagen.
Flexible Ofenlösung: Gas und Strom im Wechsel
Das Start-up Hyperheat hat eine Technologie entwickelt, die bestehende Öfen nachrüstet, sodass sie flexibel zwischen Erdgas und Strom umschalten können – je nachdem, welche Energiequelle gerade günstiger ist. Hyperheat-Chef Frederick Lessmann nutzt dabei die starken Preisschwankungen auf dem Strommarkt: „Heute Morgen war der Strom bei 150 Euro pro Megawattstunde […] vor anderthalb Stunden war er bei elf Euro.“ Diese Volatilität macht es möglich, zu Zeiten niedriger Strompreise auf elektrische Energie umzusteigen und so Kosten zu sparen.
Kooperation als Schlüssel zur Dekarbonisierung
Zusammengebracht wurden Dirostahl und Hyperheat von Peter Schniering, Gründer der Denkfabrik Future Cleantech Architects und des Future Cleantech Festivals. Schniering zeigt sich optimistisch: „Wir sehen jedes Jahr neue Rekorde brechen.“ Er betont, dass solche Kooperationen zwischen traditionellen Industrieunternehmen und innovativen Start-ups essenziell für die Energiewende sind. Die flexible Ofentechnologie könnte ein Modell für andere Branchen werden, die ebenfalls vor der Herausforderung stehen, ihre Produktion klimafreundlicher zu gestalten.
Ausblick: Potenzial für breite Anwendung
Die Partnerschaft zwischen Dirostahl und Hyperheat zeigt, dass Dekarbonisierung nicht zwangsläufig mit hohen Kosten verbunden sein muss. Durch die Nutzung von Preisschwankungen können Unternehmen ihre Energieausgaben senken und gleichzeitig CO2 einsparen. Sollte sich die Technologie bewähren, könnte sie in vielen energieintensiven Betrieben zum Einsatz kommen – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Klimaneutralität der deutschen Industrie.



