Tim Raue ist ein Phänomen der Berliner Gastronomie. Der Zwei-Sterne-Koch ist bekannt für seine Effizienz, seinen ungeduldigen Stil und seine Fähigkeit, Menschen zu begeistern. In einem persönlichen Rückblick erzählt Alexander Uhl, Leitender Redakteur der Berliner Morgenpost, von seinen Begegnungen mit dem Spitzenkoch.
Die erste Begegnung: Vorsicht und Schnelligkeit
Als Uhl Raue das erste Mal traf, war er vorsichtig. Er hatte den Job als Gastronomie-Redakteur erst wenige Monate zuvor übernommen und war vor Raues aufbrausender Art gewarnt worden. Es war der 6. Juli 2017, das Morgenpost-Menü fand in der „Brasserie Colette“ in der Passauer Straße statt. Raue war pünktlich und hochkonzentriert. „Ich traf auf einen Menschen, den ich als 'schnell' bezeichnen würde“, erinnert sich Uhl. Der Fotograf verspätete sich um rund 20 Minuten, und Raue zeigte sich ungeduldig. „Bei Raue muss es schnell gehen, zack, zack, zack. Erst wenn alles läuft, effizient läuft, dann kommt das inzwischen legendäre 'Yippiyayeah' von seinen Lippen.“
Raue beruhigte sich, indem er eine Flasche edlen Bourgogne öffnete, die er kurz vorher im nahen KaDeWe gekauft hatte. „Ein Schnäppchen“, versicherte er. Der Preis lag bei mehr als 200 Euro. Uhl durfte nippen. „Natürlich war der Wein sensationell, und auch wenn ich schon damals ein klein wenig Ahnung von Wein hatte, so war er für mich doch ein Augenöffner.“ Der Fotograf kam, und die Verspätung wurde verziehen. „So schlimm, wie alle immer sagen, ist er nun wirklich nicht“, dachte Uhl.
Effizienz und Rekord: Fünf Gänge in 50 Minuten
Einige Monate später gab es ein weiteres Morgenpost-Menü, diesmal im „Sra Bua“ im Adlon. Raue erschien in seiner blauen Kochuniform und quietschpinken Sneakern – ein Trendsetter, denn Ende 2017 galten die Schuhe noch als Stilbruch. „Raue fetzte durch das leere Lokal, servierte einen Gang nach dem anderen und sang dabei 'It's my life, it's my lihife...'“, berichtet Uhl. Er stellte einen Rekord auf: Fünf Gänge pumpte er in 50 Minuten in Uhl hinein. „Das hat bislang kein anderer Küchenchef geschafft. Die immer gleiche Begründung: 'Ich muss in mein Restaurant.'“
Corona: Raue rettet das Morgenpost-Menü
Als die Corona-Pandemie ausbrach und alle Restaurants schließen mussten, schien das Morgenpost-Menü auf absehbare Zeit unmöglich. Ende März 2020 musste das Menü in der „Fischerhütte“ abgebrochen werden, das geplante Menü im „Blend“ fiel aus. Am 2. November kam der zweite Lockdown, das Menü im „Schlosshotel“ fand genau einen Tag lang statt. Doch dann klingelte Uhls Handy: Tim Raue. „Alex, wir müssen etwas machen“, sagte er. Uhl war skeptisch: „Tim, was willst Du machen? Dein Restaurant ist genauso zu, wie alle anderen.“ Aber Raue blieb hartnäckig. „Alex, ich gehe kämpfend unter“, sagte er. Uhl erbat sich zwei Stunden Bedenkzeit. Unter Raues Druck entwickelte er ein Konzept, das das Menü rettete: vier Gänge, keine Weine, dafür Lieferung inklusive. „Das Morgenpost-Menü überstand den zweiten Lockdown ohne Ausfälle. Ohne Raue wäre das nicht passiert.“
Persönliche Gesundheit: Raue inspiriert zu Gewichtsverlust
Bei einem Treffen für das Morgenpost-Menü im Fernsehturm im Sommer 2025 bemerkte Uhl, dass Raue stark abgenommen hatte. „16 Kilo“, sagte Raue und erzählte von den Vorteilen für seinen Körper. In seiner unnachahmlich charmanten Art sagte er Uhl: „Ohne mir zu nahe treten zu wollen, aber ich denke, Sie haben auch einen BMI über 30. Vielleicht sollten Sie mal über die Abnehmspritze nachdenken.“ Uhl fühlte sich nicht angefasst, sondern dachte viel darüber nach. Heute wiegt er 14 Kilogramm weniger, ohne Abnehmspritze. „Mein Arzt sprach beim Anblick meiner Werte von einem 'sensationellen Erfolg'. Danke dafür, Tim!“
Lunch an der Schloßstraße: Kulinarische Entdeckungen im Berliner Südwesten
Neben der Begeisterung für Tim Raue widmet sich Uhl auch den kulinarischen Angeboten an der Steglitzer Schloßstraße. Nach drei unbeschwerten Wochen an der Côte d’Azur kehrt er nach Berlin zurück. „Ich verlasse einen Landstrich, der in mehrerer Hinsicht vom lieben Gott geküsst wurde“, schreibt er. In Berlin sei man mit hochwertigen Produkten nicht verwöhnt, aber wer suche, werde fündig, meist auf Wochenmärkten. An der Schloßstraße gebe es Köstlichkeiten zu entdecken. „Wie Sie ja wissen, lebe ich dort in der Nähe, und als mir meine Kollegin Manuela Blisse vorschlug, das Lunchangebot an der Einkaufstraße zu beschreiben, da sagte ich sofort zu.“ Er macht gerne Werbung für den häufig geschmähten Berliner Südwesten. „Betroffenheitsjournalismus nennt man das übrigens.“
Ausblick: Morgenpost-Menü im August
Uhl verabschiedet sich mit einem Ausblick: „Nächste Woche erfahren Sie schon, was es beim Morgenpost-Menü im August gibt. Ich glaube, ich verspreche nicht zu viel, wenn ich sage, dass es ganz sicher großartig werden wird – auch wenn ich es erst am Montag kosten darf. Der Besitzer und Küchenchef sowie seine Partnerin liegen mir ähnlich am Herzen wie Tim Raue.“ Er wünscht den Lesern viel Erfolg bei der Suche nach wirklich guten Produkten, einem entspannten Lunch an der Schloßstraße oder einem Besuch in einem der Restaurants „by Tim Raue“.



