Schockmoment bei der Tour de France: Vingegaard stürzt schwer
Die 111. Tour de France hat einen dramatischen Höhepunkt erlebt: Der dänische Spitzenfahrer Jonas Vingegaard, zweimaliger Toursieger, ist am Donnerstag auf der 16. Etappe schwer gestürzt und musste das Rennen aufgeben. Der Vorfall ereignete sich etwa 30 Kilometer vor dem Ziel auf der Abfahrt vom Col de la Couillole, als Vingegaard in einer Rechtskurve die Kontrolle über sein Rad verlor und heftig auf die Straße prallte.
Der 27-Jährige vom Team Visma-Lease a Bike klagte über Schulterschmerzen und wurde sofort medizinisch versorgt. Nach ersten Untersuchungen im Krankenhaus von Nizza wurde eine Schlüsselbeinfraktur diagnostiziert. „Es ist ein schwerer Schlag für uns und für die gesamte Radsportwelt“, sagte Teamarzt Jeroen van der Meulen. „Jonas hatte sich hervorragend auf diese Tour vorbereitet und war in bestechender Form.“
Auswirkungen auf das Gesamtklassement
Durch den Ausfall Vingegaards verändert sich das Klassement grundlegend. Der bisherige Zweite, Tadej Pogačar (Slowenien/UAE Team Emirates), übernahm die Gesamtführung und baute seinen Vorsprung auf mehr als drei Minuten aus. „Es ist bedauerlich, so an die Spitze zu kommen, aber der Rennverlauf ist nun mal so“, kommentierte Pogačar zurückhaltend. Die Konkurrenz reagierte betroffen: „Jonas ist ein großartiger Fahrer und ein fairer Rivale. Wir wünschen ihm eine schnelle Genesung“, sagte der Deutsche Lennard Kämna, der auf Rang fünf liegt.
Statistisch gesehen ist Vingegaard der vierte Toursieger, der während der Rundfahrt aufgeben musste – zuletzt passierte dies 2014 dem Italiener Vincenzo Nibali. Die Organisatoren der Tour de France zeigten sich bestürzt. „Sicherheit hat oberste Priorität. Wir werden die Unfallstelle analysieren und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen“, erklärte Rennleiter Christian Prudhomme.
Reaktionen aus dem Fahrerlager
Die Fahrer äußerten sich erschüttert über den Sturz. „Diese Abfahrt war extrem rutschig, viele hatten Probleme. Es hätte jeden treffen können“, sagte der Belgier Wout van Aert. Der Deutsche Nils Politt ergänzte: „Wir alle hoffen, dass Jonas schnell wieder auf die Beine kommt. Es ist ein harter Schlag für den Sport.“ In den sozialen Medien verbreiteten sich Bilder des Sturzes rasant. Fans und Experten diskutierten über die Sicherheit der Streckenführung.
Vingegaards Team gab bekannt, dass der Däne noch am Abend operiert werden soll. „Die OP ist für 20 Uhr geplant. Wir rechnen mit einer erfolgreichen Behandlung und einer Rückkehr in den Profiradsport noch in dieser Saison“, so Teammanager Richard Plugge. Vingegaard selbst ließ über seinen Sprecher ausrichten: „Es tut mir leid für mein Team und alle Fans. Ich werde zurückkommen.“
Ausblick auf die restliche Tour
Mit Vingegaards Ausfall ist die Vorentscheidung im Kampf um das Gelbe Trikot gefallen. Pogačar, der schon die Tour 2020 und 2021 gewann, scheint auf dem Weg zu seinem dritten Gesamtsieg. Die verbleibenden Etappen, darunter die Bergankunft am Col de la Bonette, könnten jedoch noch Überraschungen bereithalten. „Die Tour ist noch nicht vorbei. Wir werden bis Paris kämpfen“, kündigte Pogačars Teamkollege Marc Soler an.
Die Radsportwelt blickt nun gespannt auf die Entwicklung Vingegaards. Seine Genesung wird auch für die kommende Vuelta a España von Bedeutung sein, an der der Däne ursprünglich teilnehmen wollte. „Wir werden nichts überstürzen. Die Gesundheit steht an erster Stelle“, betonte Teamarzt van der Meulen.



