Die ukrainische Armee hat erneut Logistikzentren des russischen Online-Riesen „Wildberries“ angegriffen – dieses Mal in der Region um St. Petersburg. Nach Angaben von Gouverneur Alexander Drosdenko (61) brach nach einem Drohnenangriff in einer Lagerhalle des Konzerns ein Feuer aus. Drei Menschen wurden verletzt. Dichte Rauchwolken hüllten die Stadt in eine fast schon apokalyptische Atmosphäre. Der gezielte Angriff war bereits in der Nacht erfolgt. Anwohner berichteten von lauten Explosionen. „Ich bin von einem Knall aufgewacht“, zitierte das Nachrichtenportal „Fontanka“ einen Augenzeugen. Videos in den sozialen Medien zeigen Drohnen im Sturzflug, Explosionen und dichten Rauch über der Millionenstadt.
Betrieb eingestellt – auch auf der Krim
„Wildberries“ stellte den Betrieb an mindestens zwei Logistikstandorten vorübergehend ein. Auch ein Sortierzentrum auf der von Russland besetzten Krim wurde aus Sicherheitsgründen geräumt. Die Angriffe sind Teil einer auffälligen Kampagne Kiews gegen den größten Online-Händler Russlands. Bereits in den vergangenen Tagen wurden Lagerhallen des Konzerns in der Region Moskau, in Krasnodar, Tambow und anderen russischen Städten getroffen.
Warum „Wildberries“ auf der Abschussliste steht
Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) erklärte, „Wildberries“-Logistikzentren würden für die Lieferung von Bauteilen genutzt, die in russischen Drohnen zum Einsatz kommen. Tatsächlich können russische Soldaten auf „Wildberries“ Drohnenkomponenten kaufen, mit denen zivile Drohnen zu Angriffsdrohnen modifiziert werden können. Außerdem werden über den Konzern Schutzausrüstung wie Helme, Splitterschutzwesten und Tarnkleidung vertrieben. Auch die ukrainische Armee erklärte in einem Beitrag auf X, Firmen, die den Angriffskrieg Putins unterstützen, seien „legitime Ziele“. Moskau wirft der Ukraine dagegen „terroristische Angriffe“ vor. Bislang wurden bei den Angriffen auf „Wildberries“-Lagerhäuser laut russischen Angaben mindestens acht Menschen getötet – die meisten davon Arbeiter.
Milliardenschäden für Russlands Wirtschaft
„Wildberries“ gilt als einer der größten Arbeitgeber Russlands. Die wiederholten Angriffe könnten den Konzern Milliarden kosten – und treffen Millionen Kunden und Firmen im ganzen Land. Analysten zufolge arbeiten bis zu 800.000 Händler mit „Wildberries“ zusammen und verkaufen ihre Waren über dessen Netzwerk. Während über St. Petersburg Rauch aufstieg, standen an mehreren Standorten die Förderbänder still. „Ich habe den ganzen Vormittag geweint, weil unser Geschäft möglicherweise schließen muss“, erzählt die Bloggerin Marina Gorschkowa in einem Video. Sie verkaufe seit Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Kosmetikartikel und 35 bis 40 Prozent ihrer Bestände seien durch die Brände zerstört worden.



