Der Volvo EX60, der vollelektrische Mittelklasse-SUV der Schweden, präsentiert sich im Praxistest als starker Herausforderer der Oberklasse-Konkurrenz von Audi, Mercedes oder BMW. Mit einer Reichweite von bis zu 810 Kilometern, einer Ladezeit von nur 18 Minuten für 80 Prozent und einem Preis, der rund 6.000 Euro unter dem des Verbrenner-XC60 liegt, setzt das Modell neue Maßstäbe.
Innovative Sicherheitstechnik
Bereits beim Einstieg wird der Fahrer vom neu entwickelten multi-adaptiven Sicherheitsgurt „umarmt“. Der Gurt passt sich mit mehrstufigen Kraftbegrenzern jeder Figur an – ob groß oder klein, dünn oder schwanger. Beim Anfahren ruckelt er sich in die richtige Position, was ungewohnt ist. Im Unfallfall wird bei größeren Insassen die Gurtkraft erhöht, um Kopfverletzungen zu vermeiden, bei leichteren Insassen reduziert, um Rippenbrüche zu minimieren. Zudem verfügen alle Sitze über einen integrierten Durchtauch-Schutz. Volvo, der Erfinder des Sicherheitsgurts, unterstreicht damit den zentralen Wert der Sicherheit.
Design und Aerodynamik
Der EX60 kommt ohne Schlüssel aus – aufgeschlossen wird per Handy. Türgriffe sucht man vergebens; die glatten Türen öffnen sich durch Berührung der unscheinbaren „Winglets“ im Fensterrahmen. Diese, die rahmenlosen Fenster und die bündige Verglasung verbessern die Aerodynamik auf einen Luftwiderstandswert von 0,26. Die geschlossene Front mit dem ikonischen „Thors Hammer“-Design, die flache Haube und das „Boat-Tail“-Heck verringern den Luftwiderstand und erhöhen die Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten.
Innenraum und Platzangebot
Der Innenraum des 4,80 Meter langen EX60 – zehn Zentimeter länger als der XC60 – beeindruckt mit immensem Platz, auch in der zweiten Reihe. Der lange Radstand von fast drei Metern wird durch die neue SPA3-Plattform ermöglicht. Die Batteriezellen sind direkt im Fahrzeugrahmen integriert, was zusätzliche Stabilität und mehr Kniefreiheit bietet. Das innovative Mega-Casting ersetzt 124 kleinere Teile durch ein einziges Gussteil und spart Gewicht und Montagekosten. Nahezu ein Viertel der Materialien stammt aus recycelten Quellen.
Bedienung und Infotainment
Der EX60 kommt fast komplett ohne Tasten aus. Ein 38 Zentimeter großer, waagerecht montierter OLED-Touchscreen dominiert die Mittelkonsole. Die Bedienung erfolgt über Google Gemini mit KI, die natürliche Gespräche ermöglicht. Das Handschuhfach sitzt mittig unter dem Armaturenbrett, ein Head-up-Display wird nicht angeboten. Die Infrarotsensoren warnen, wenn der Fahrer den Blick zu lange von der Straße abwendet.
Antrieb und Fahrleistungen
Der EX60 wird in zwei Versionen angeboten: Der P6 mit Hinterradantrieb leistet 275 kW/374 PS und hat eine Reichweite von 611 Kilometern (83 kWh). Der P10 mit Allradantrieb leistet 375 kW/510 PS und kommt mit 95 kWh auf 660 Kilometer. Im Test beeindruckte die Allradversion mit guter Straßenlage und stabilem Spurverhalten. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 4,9 Sekunden. Der Durchschnittsverbrauch lag im Test bei hervorragenden 15,7 kWh auf 100 Kilometer.
Ladezeiten und Reichweite
Die 800-Volt-Ladearchitektur ermöglicht ultraschnelles Laden: In zehn Minuten kann der Akku für bis zu 340 Kilometer Reichweite geladen werden. Von 10 auf 80 Prozent sind es nur 18 Minuten, sofern eine Ladesäule mit 370 kW Ladeleistung verfügbar ist. An einer 22-kW-Wallbox dauert der Ladevorgang vier Stunden. Das Topmodell P12 mit 500 kW/680 PS und 117 kWh Batterie soll bis zu 810 Kilometer Reichweite bieten.
Preise und Verfügbarkeit
Der EX60 ist in den Ausstattungslinien Plus und Ultra sowie neun Außenfarben erhältlich. Die Preise starten bei 62.990 Euro für den P6 in der Basisversion. Die Allradvariante P10 kostet mindestens 65.990 Euro, das Topmodell P12 ab 71.790 Euro. Eine günstigere Core-Version soll folgen. Zudem wird eine robuste Cross-Country-Version mit Unterfahrschutz und Luftfahrwerk angeboten.



