VW vor Wende: Keine Werksschließungen? Blume: Intelligentere Lösungen
VW: Keine Werksschließungen? Blume: Intelligentere Lösungen

Im Machtkampf zwischen VW-Vorstandschef Oliver Blume und Betriebsratschefin Daniela Cavallo zeichnet sich eine überraschende Wende ab. Blume sagte gegenüber BILD: „Es gibt intelligentere Lösungen“ als die Schließung von bis zu vier Werken. Damit scheint der geplante Personalabbau-Krimi eine neue Richtung zu nehmen.

Blume lenkt ein – aber Jobs bleiben unsicher

Blume betonte, dass der Konzern weiterhin nach Wegen suche, die Produktion effizienter zu gestalten, ohne gleich ganze Standorte aufzugeben. Allerdings bleibt das Kernproblem bestehen: VW verdient mit seinen Autos zu wenig Geld. Laut internen Berechnungen liegt die operative Marge bei unter 5 Prozent, während Wettbewerber wie Toyota oder Stellantis zweistellige Margen erzielen.

Betriebsratschefin Daniela Cavallo hatte zuvor vehement gegen die Schließungspläne gekämpft und mit massiven Protesten gedroht. Sie forderte von Blume eine verbindliche Zusage, dass alle deutschen Werke erhalten bleiben. „Wir werden nicht zulassen, dass die Belegschaft für die Fehler des Vorstands büßen muss“, sagte Cavallo in einer Betriebsversammlung.

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Streichliste: Welche Modelle fallen weg?

Neben der Werksfrage steht auch die Modellpolitik auf dem Prüfstand. Nach BILD-Informationen sollen mehrere Baureihen gestrichen oder zusammengelegt werden. Konkret geht es um den VW Passat (Produktion in Emden), den Golf (Wolfsburg) und den ID.3 (Zwickau). Auch die auslaufende Generation des VW Up! soll nicht ersetzt werden. Stattdessen setzt Blume auf eine Konzentration auf margenstarke SUVs wie den ID.4 und den Taycan-Nachfolger von Porsche.

Die Streichliste könnte bis zu fünf Modelle umfassen, die entweder komplett eingestellt oder durch neue Elektro-Plattformen ersetzt werden. Ein Sprecher des Vorstands bestätigte: „Wir überprüfen derzeit das gesamte Portfolio, um Doppelstrukturen zu vermeiden und die Rentabilität zu steigern.“

Zehntausende Arbeitsplätze in Gefahr

Trotz der Andeutung, Werke zu erhalten, bleiben Zehntausende Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet. Betriebsratschefin Cavallo warnt: „Selbst wenn keine Werke geschlossen werden, droht ein massiver Stellenabbau durch Verlagerung ins Ausland und natürliche Fluktuation.“ Nach Schätzungen des Betriebsrats könnten bis zu 30.000 der rund 120.000 VW-Beschäftigten in Deutschland ihre Stelle verlieren, wenn nicht gegengesteuert wird.

Blume hingegen sieht die Zukunft in einer Verschlankung der Verwaltung und einer stärkeren Digitalisierung: „Wir müssen schneller und flexibler werden. Das bedeutet auch, dass wir uns von alten Strukturen trennen.“ Er kündigte an, bis Ende des Jahres einen detaillierten Sanierungsplan vorzulegen, der sowohl Werksschließungen als auch Modellstreichungen vermeiden soll.

Machtkampf zwischen Vorstand und Betriebsrat

Der Konflikt zwischen Blume und Cavallo ist Ausdruck eines tieferen Machtkampfs. Während der Vorstand auf Rendite und Aktionärsinteressen setzt, pocht der Betriebsrat auf Beschäftigungssicherung und Standorterhalt. Cavallo warf Blume vor, mit den Werksschließungen „Druck aufzubauen, um Zugeständnisse bei Löhnen und Arbeitszeiten zu erzwingen“. Blume wies dies zurück: „Wir verhandeln auf Augenhöhe. Unser Ziel ist es, den Konzern zukunftsfähig zu machen – mit den Mitarbeitern, nicht gegen sie.“

Die nächste Verhandlungsrunde ist für August angesetzt. Bis dahin wollen beide Seiten eine Einigung erzielen, die sowohl die wirtschaftliche Lage des Konzerns als auch die sozialen Belange der Belegschaft berücksichtigt.

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