Die Hamburger Privatbank Berenberg hat nach dem von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) erzwungenen Austausch der Geschäftsleitung Fehler eingeräumt und den ausstehenden Jahresabschluss für das Jahr 2025 vorgelegt. Das teilte die Bank am Dienstag mit. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte testierte den Abschluss am Montag uneingeschränkt. Demnach erzielte Berenberg einen Jahresüberschuss von 20,2 Millionen Euro, nach 81,6 Millionen Euro im Vorjahr – ein Rückgang um rund 75 Prozent.
Hintergründe der Fehler: Geschönte Ergebnisse und Kredite an Führungskräfte
Die Fehler im Jahresabschluss seien bei dessen Erstellung aufgefallen, so die Bank. Eine vom Verwaltungsrat veranlasste Untersuchung habe ergeben, dass Ergebnisse der Bank geschönt und Kredite zu unüblichen Bedingungen an Mitglieder der Geschäftsleitung vergeben worden seien. Das Kundengeschäft sei von den Unregelmäßigkeiten nicht betroffen gewesen. Die strittigen Vorfälle unter der vorherigen Geschäftsleitung seien in dem nun vorgelegten Jahresabschluss 2025 verarbeitet worden.
Bafin setzte Sonderbeauftragte ein
Berenberg hatte am 19. Juni überraschend mitgeteilt, dass die gesamte Geschäftsleitung ausgetauscht worden sei. Die Bafin setzte daraufhin zwei Sonderbeauftragte ein. Hintergrund waren Hinweise auf mögliche Verstöße gegen die Corporate Governance während der Prüfung des Jahresabschlusses 2025. Die Behörde hatte die Vorfälle damals nicht näher erläutert. Die „Wirtschaftswoche“ berichtete im Juli, dass ein Vertreter der früheren Geschäftsleitung Widerspruch gegen den Bafin-Bescheid eingelegt habe. Der Anwalt des Managers bestätigte dies auf Anfrage.
Auswirkungen und weiteres Vorgehen
Die Bank betonte, dass die Fehler nun aufgearbeitet seien und der Jahresabschluss vorliege. Mit der uneingeschränkten Testierung durch Deloitte sei ein wichtiger Schritt zur Normalisierung getan. Die Finanzaufsicht beobachtet die Entwicklung weiter. Berenberg gehört zu den ältesten Privatbanken Deutschlands und ist in Hamburg ansässig. Der Vorfall hatte in der Finanzbranche für Aufsehen gesorgt, da die Bank bislang als solide galt.



