Wer beim Wertpapierhandel auf persönliche Unterstützung setzt, findet bei Filialbanken oft eine Anlaufstelle. Dieser Service hat jedoch seinen Preis: Die Unterschiede bei Depot- und Orderkosten sind groß. Ein neues Ranking der FMH-Finanzberatung, exklusiv für das Handelsblatt erstellt, zeigt, welche Anbieter am günstigsten sind. Verglichen wurden acht bundesweit tätige Banken sowie 24 regionale Institute – auf Basis eines Musterdepots mit 50.000 Euro Depotwert und fünf Wertpapierpositionen.
So wurde getestet
Die FMH-Finanzberatung legte ihren Fokus auf die jährlichen Depotkosten und die Ordergebühren. Herangezogen wurden Käufe und Verkäufe über 1000 Euro und 5000 Euro. Zusätzliche Punkte gab es für kostenfreie ETF-Sparpläne, Neukundenboni und Wechselprämien. Abzüge gab es, wenn an das Depot zusätzliche Bedingungen geknüpft waren – etwa die Eröffnung eines Girokontos bei derselben Bank.
Openbank überzeugt bei bundesweiten Banken
Unter den bundesweiten Banken erreichten drei Anbieter die Note „sehr gut“. An der Spitze liegt die Openbank by Santander. Das Wertpapierdepot ist kostenlos, allerdings zahlen Kunden pro Order eine Gebühr von 0,40 Prozent des Ordervolumens – mindestens 17,90 Euro. Dadurch kostet eine Order über 1000 Euro exakt 17,90 Euro; bei 5000 Euro sind es mit 20 Euro nur wenig mehr. Die maximale Gebühr liegt bei 99,90 Euro.
Auf Platz zwei folgt das Klassik-Depot der Targobank, ebenfalls mit der Note „sehr gut“. Hier fällt eine Grundgebühr von 30 Euro pro Jahr an, die ab 50.000 Euro Guthaben oder bei Nutzung des Onlinepostfachs entfällt. Die Targobank berechnet für eine Order über 1000 Euro sowie für 5000 Euro jeweils 34,90 Euro.
Regionalbanken: Leipziger Volksbank vorne
Vier Regionalbanken schnitten mit „sehr gut“ ab. Den ersten Platz belegt die Leipziger Volksbank mit ihrem Volksbank-Depot. Die jährliche Depotgebühr beträgt für das Musterdepot 59,40 Euro. Dafür sind die Orderkosten mit 9,95 Euro bei 1000 Euro und 12,50 Euro bei 5000 Euro vergleichsweise niedrig. Voraussetzung für das Depot ist ein Konto bei der Bank.
Knapp dahinter rangiert die Hamburger Volksbank mit „MeinDepot Classic“. Das Musterdepot kostet dort 90 Euro pro Jahr. Eine Order über 1000 Euro schlägt mit 19,95 Euro zu Buche, eine über 5000 Euro mit 37,50 Euro. Wer mindestens neun Transaktionen in einem Quartal ausführt, ist von der Depotgebühr befreit.
Flatrate-Depots für aktive Händler
Anleger, die extrem häufig handeln, können mit einem Transaktions-Flatrate-Depot besser fahren. Die FMH hat diese Modelle separat bewertet. Zwei Banken erhielten hier die Note „sehr gut“. Testsieger ist das „Komfort Depot“ der Frankfurter Sparkasse. Für das Musterdepot mit fünf Positionen und 50.000 Euro werden 600 Euro pro Jahr fällig – dafür sind sämtliche Transaktionen abgedeckt, unabhängig von der Auftragshöhe.
Das „PremiumDepot“ der Commerzbank folgt auf Rang zwei. Die Jahresgebühr liegt bei 725 Euro im Testfall. Sämtliche Transaktionen sind enthalten, Ordergebühren für Beträge jenseits der Freigrenze fielen im Test nicht an.
Persönliche Beratung hat ihren Preis
Der Gang in die Filiale ist für viele Kunden ein entscheidendes Argument. „Gerade ältere Kunden wollen lieber in eine Filiale gehen und sich alles von einem Berater erklären lassen oder wickeln ihren Handel direkt über einen Mitarbeiter am Telefon ab“, sagt Beate Balke, Qualitätsmanagerin bei der FMH-Finanzberatung. „Diesen Service können Onlinebroker nicht anbieten.“ Dafür verlangen die Banken im Vergleich zu Neobrokern deutlich höhere Gebühren – umso wichtiger ist der Preisvergleich.
Beratung kritisch hinterfragen
Allerdings sollten sich Anleger nicht blind auf die Empfehlungen des Bankberaters verlassen. „Beratungen in der Bank sind in Wahrheit Verkaufsgespräche“, warnt Merten Larisch, Referent für Altersvorsorge, Geldanlage und Immobilienfinanzierung bei der Verbraucherzentrale Bayern. Oft würden hauseigene Wertpapiere, teure Fonds oder fondsgebundene Rentenversicherungen vorgeschlagen, um Provisionen zu erhöhen. Das ist nicht zwangsläufig im Sinne der Kunden. Larisch empfiehlt, Angebote kritisch zu prüfen und zusätzlich auf eigene Recherche oder eine Honorarberatung zu setzen.



