Gewinne britischer Banken wecken politische Begehrlichkeiten
Gewinne britischer Banken: Forderung nach höheren Steuern

Die hohen Gewinne britischer Banken haben in Großbritannien deutliche politische Begehrlichkeiten geweckt. Im Zentrum der Debatte steht die Forderung nach einer neuen oder erhöhten Bankensteuer, um die enormen Profite der Geldhäuser stärker abzuschöpfen. Insbesondere die jüngsten Zahlen der Großbank Barclays heizen die Diskussion an.

Barclays steigert Gewinn um 31 Prozent

Barclays, eine der führenden Banken des Landes, meldete für das zweite Quartal einen Gewinn vor Steuern von 3,3 Milliarden Pfund (rund 3,83 Milliarden Euro). Das entspricht einem Anstieg um 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Unter dem Strich verdiente die Bank knapp 2,3 Milliarden Pfund, ein Plus von 36 Prozent. Diese Zahlen übertrafen die Erwartungen der Analysten deutlich.

Der Boom bei Barclays ist kein Einzelfall. Auch andere britische Geldhäuser wie Lloyds, HSBC und NatWest verzeichnen kräftige Gewinnsteigerungen, gestützt durch höhere Zinsen und eine starke Wirtschaftsentwicklung. Die Branche profitiert von der Zinswende der Bank of England, die die Leitzinsen in den vergangenen Jahren mehrfach angehoben hat.

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Gewerkschaft fordert höhere Bankenabgabe

Paul Nowak, Chef des britischen Gewerkschaftsverbands TUC, nutzte die Barclays-Zahlen für einen politischen Vorstoß. „Die Rekordgewinne von Barclays zeigen, dass es sich die Banken problemlos leisten können, mehr Steuern zu zahlen“, sagte Nowak. Er sieht darin eine Gelegenheit für den neuen Premierminister Andy Burnham, zu demonstrieren, auf welcher Seite er stehe. „Es ist an der Zeit, die Bankenabgabe zu erhöhen und die Banken höher zu besteuern, um die Energiekosten zu senken“, forderte der Gewerkschaftsführer.

Die meisten britischen Banken zahlen bereits einen Aufschlag von drei Prozent auf ihre Körperschaftsteuer. Diese Sonderabgabe wurde nach der Finanzkrise 2008 eingeführt und mehrfach angepasst. Nowak und andere Kritiker halten sie jedoch für unzureichend, gemessen an den aktuellen Gewinnen.

Druck von links auf Premier Burnham

Der Druck auf Burnham, die Banken stärker zur Kasse zu bitten, kommt nicht nur von den Gewerkschaften, sondern auch vom linken Flügel seiner Labour-Partei. Viele Abgeordnete und Parteimitglieder fordern eine deutliche Erhöhung der Steuerlast für den Finanzsektor, um soziale Programme zu finanzieren und die Lebenshaltungskosten der Bevölkerung zu senken.

Der frühere Banker und heutige Autor Philip Augar rechnet fest damit, dass die neue Regierung die Sondersteuer anheben wird. „Das ist sehr wahrscheinlich“, sagte Augar am Dienstag der BBC. Er verwies darauf, dass Burnham im Wahlkampf eine gerechtere Besteuerung von Unternehmen versprochen habe. Die Banken mit ihren hohen Profiten böten sich dafür besonders an.

Bonus-Pool um fast 30 Prozent gestiegen

Ein weiterer Stein des Anstoßes ist die Entwicklung der Bonus-Zahlungen. Barclays hat den Bonus-Pool im ersten Halbjahr um fast 30 Prozent auf 1,3 Milliarden Pfund aufgestockt. Kritiker sehen darin einen Beleg für die üppigen Gewinnausschüttungen an die Mitarbeiter, während gleichzeitig die Kosten für Energie und Lebenshaltung für viele Bürger steigen.

Bankenkritiker argumentieren, dass die hohen Boni ein Zeichen für übermäßige Profitabilität seien, die stärker besteuert werden müsse. Die Gewerkschaften fordern zudem eine Begrenzung der Bonuszahlungen, ähnlich wie in der EU nach der Finanzkrise.

Auswirkungen auf die britische Wirtschaft

Eine höhere Bankensteuer könnte die britische Wirtschaft auf mehreren Ebenen beeinflussen. Befürworter argumentieren, dass die zusätzlichen Einnahmen dringend benötigt werden, um die öffentlichen Finanzen zu stärken und soziale Projekte zu finanzieren. Gegner warnen dagegen vor einer Abwanderung von Banken und Finanzdienstleistern aus London, dem wichtigsten Finanzplatz Europas.

Die Regierung Burnham steht vor der Herausforderung, eine Balance zu finden zwischen der Abschöpfung von Gewinnen und der Attraktivität des Finanzstandorts Großbritannien. Bisher hat sich der Premier nicht konkret zu einer Erhöhung der Bankenabgabe geäußert, aber die Signale aus seiner Partei deuten auf eine Verschärfung hin.

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