Mit der jüngsten Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) steigt auch der Einlagenzins für Anleger auf 2,25 Prozent. Der Neobroker Trade Republic gibt diesen Schritt direkt an seine Kunden weiter. Wer sein Geld nicht investiert, erhält ab sofort 2,25 Prozent Zinsen pro Jahr – bisher waren es 2,0 Prozent. Doch Vorsicht: Das Modell des Berliner Anbieters unterscheidet sich grundlegend von einem klassischen Tagesgeldkonto.
So funktioniert die Verzinsung bei Trade Republic
Trade Republic zahlt Zinsen auf das nicht investierte Guthaben, das auf einem Verrechnungskonto liegt. Dieses Konto ist mit dem Depot verbunden und kann wie ein Girokonto genutzt werden. Im Gegensatz zu einem Tagesgeldkonto handelt es sich hier um ein verzinstes Girokonto. Die Zinsen werden monatlich gutgeschrieben, und es gibt keine Obergrenze für die Einlagenhöhe. Die Gelder werden auf Sammeltreuhandkonten bei der Deutschen Bank, J.P. Morgan und HSBC Continental Europe verwahrt. Dort greift die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank. Allerdings können Kundengelder auch in Geldmarktfonds fließen – ein Punkt, den Verbraucherschützer kritisieren. „Der in den Liquiditätsfonds investierte Teil des Guthabens unterliegt nicht der Einlagensicherung. Es handelt sich um einen Geldmarktfonds, dessen Risiko sich aus den im Fonds befindlichen Wertpapieren ergibt“, erklärt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
Unterschiede zum Tagesgeld: Sicherheit und Flexibilität
Ein Tagesgeldkonto ist ein separates Sparkonto, das jederzeit verfügbar ist und unter die gesetzliche Einlagensicherung fällt. Viele Banken locken mit zeitlich befristeten Top-Zinsen für Neukunden. Die Norisbank bietet beispielsweise 4,0 Prozent für sechs Monate, die Crédit Agricole ebenfalls 4,0 Prozent bis Januar 2027. Nach Ablauf der Aktion sinkt der Zins jedoch auf einen meist niedrigeren Basiszinssatz. Wer nicht regelmäßig wechselt, verschenkt Rendite. Bei Trade Republic hingegen gibt es keine Zinsgarantie – der Zinssatz ist variabel und kann sich jederzeit ändern. Dafür entfällt der Wechselaufwand.
Zinsvergleich: Trade Republic versus Tagesgeld-Anbieter
Ein Rechenbeispiel über sechs Monate zeigt, wie sich die verschiedenen Angebote entwickeln. Bei einer Anlagesumme von 10.000 Euro erzielt man bei der Norisbank mit 4,0 Prozent Aktionszins rund 200 Euro Ertrag, bei der Crédit Agricole ebenfalls 200 Euro. Trade Republic kommt mit 2,25 Prozent auf etwa 113 Euro. Der konstante Zinssatz des Neobrokers kann also nicht mit den lockenden Neukundenangeboten mithalten. Bei längeren Laufzeiten kann sich das Bild jedoch ändern, insbesondere wenn die Aktionszinsen auslaufen. Auch andere Broker wie Scalable Capital (2,5 Prozent) oder XTB (3,0 Prozent für 90 Tage) bieten Zinsen auf nicht investiertes Guthaben.
Fazit: Welche Lösung passt zu Ihnen?
Die Wahl zwischen Trade Republic und einem Tagesgeld hängt von Ihren persönlichen Präferenzen ab. Trade Republic eignet sich für digitale Nutzer und flexible Sparer, die ihr Geld im Umfeld einer Investmentplattform verwalten möchten und mit den strukturellen Besonderheiten leben können. Das Tagesgeld ist dagegen die klassische Wahl für sicherheitsorientierte Sparer, die ihre Rücklagen getrennt vom Kapitalmarkt halten wollen. Ein Tagesgeld bleibt der bewährte Parkplatz für Geld, während Trade Republic Sparen in eine moderne Finanzplattform integriert. Letztlich entscheidet nicht allein der Zinssatz, sondern das individuelle Sicherheitsbedürfnis.



