Der Ausbau der Windenergie an Land in Deutschland schreitet voran: Im ersten Halbjahr 2026 gingen 423 neue Windräder mit einer elektrischen Gesamtleistung von rund 2,36 Gigawatt ans Netz. Das meldeten die Branchenverbände Bundesverband Windenergie und VDMA Power Systems. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Anstieg um sieben Prozent. Bereinigt um Stilllegungen alter Anlagen betrug der Netto-Zubau rund 1,9 Gigawatt.
Regionale Verteilung und Gesamtbestand
Die meisten neuen Windräder wurden in Nordrhein-Westfalen errichtet, gefolgt von Niedersachsen. Ende Juni 2026 umfasste der Anlagenpark in Deutschland rund 29.250 Windenergieanlagen mit einer installierten Leistung von etwa 70 Gigawatt. Das im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegte Ziel von 84 Gigawatt installierter Leistung bis Jahresende 2026 wird nach Einschätzung der Verbände voraussichtlich verfehlt.
Bedeutung für die Stromerzeugung
Die Windenergie an Land spielt eine Schlüsselrolle bei der Energiewende. Im ersten Halbjahr 2026 erzeugten die Anlagen 53,1 Milliarden Kilowattstunden Strom – acht Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Damit bleibe die Windenergie an Land mit einem Anteil von 23 Prozent der wichtigste Energieträger der deutschen Stromerzeugung, so die Verbände. Allerdings gibt es vor Ort häufig Proteste gegen neue, immer höher werdende Windräder.
Genehmigungen und Realisierungsdauer
Der Umfang der neu genehmigten Leistung stieg laut den Verbänden um knapp 14 Prozent und erreichte mit 9,1 Gigawatt einen neuen Rekordwert. Dennoch dauert es derzeit im Durchschnitt 31 Monate von der Genehmigung bis zur Inbetriebnahme eines Windrads. „Die Realisierungsdauer hat sich erhöht“, sagte Jürgen Quentin von der Fachagentur Wind und Solar. Als Gründe nannte er zunehmende Probleme beim Netzanschluss sowie Schwierigkeiten bei Genehmigungen für Schwerlasttransporte.
Kritik an Reformplänen der Wirtschaftsministerin
Die Windenergiebranche übt scharfe Kritik an den Reformplänen von Bundeswirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche (CDU). Reiche will die hohen Förderkosten der erneuerbaren Energien senken, die aus dem Bundeshaushalt finanziert werden. Zudem strebt sie an, den Ausbau der Erneuerbaren besser an den Netzausbau anzupassen. Um Netzengpässe zu vermeiden, kommt es immer wieder zur Abregelung von Wind- und Solaranlagen – sogenannte Redispatch-Maßnahmen, die jährlich Milliarden Euro an Entschädigungen kosten.
Geplante Engpassgebiet-Regelungen
Reiche plant, in sogenannten „Hot Spots“, in denen ein hoher Anteil der Stromerzeugung abgeregelt werden muss, die Redispatch-Kompensation entfallen zu lassen. Dadurch sollen die Stromrechnungen entlastet werden, da die Kosten über die Netzentgelte umgelegt werden. Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer von VDMA Power Systems, warnte: „Die geplanten Engpassgebiet-Regelungen riskieren, den Ausbau der Windenergie zu behindern. Die Redispatch-Regelungen müssen so ausgestaltet werden, dass wirtschaftlich tragfähige und finanzierungsfähige Modelle weiterhin möglich sind.“ Die Branche benötige langfristige Investitionssicherheit.
Noch deutlicher wurde Bärbel Heidebroek, Präsidentin des Bundesverbands Windenergie: Sie sprach von einem drohenden Ausbaustopp. Die Branche pocht auf verlässliche Rahmenbedingungen, um die Energiewende nicht zu gefährden.



