Die Deutsche Bahn (DB) hat für den Bau der Zulaufstrecke zum Brennerbasistunnel auf bayerischer Seite einen Finanzpuffer von knapp 7,6 Milliarden Euro eingeplant. Das geht aus aktuellen Planungen der Projektleitung hervor. Die Gesamtkosten für den sogenannten Brenner-Nordzulauf, der von München zur österreichischen Grenze führen soll, werden auf 8,57 Milliarden Euro geschätzt. Zusammen mit dem Puffer ergibt sich ein Gesamtvolumen von über 16 Milliarden Euro. Der Puffer dient dem Ausgleich von Inflation und anderen Risiken. Die DB geht jedoch davon aus, dass dieser nicht in voller Höhe ausgeschöpft wird. „Unser Ziel ist es natürlich nicht, diese Kosten wirklich auszugeben, sondern mit einem professionellen und intensiven Risikomanagement diese Vorsorgespanne nicht ausnutzen zu müssen“, sagte Projektleiter Matthias Neumaier von der DB-Infrastrukturgesellschaft DB InfraGo.
Hintergrund: Der Brennerbasistunnel und seine Zulaufstrecken
Der Brennerbasistunnel ist ein Mega-Projekt, das die über 150 Jahre alte, kurvige Bahnstrecke über die Alpen ersetzen soll. Der 55 Kilometer lange Tunnel wird tief unter dem zentralen Alpenpass verlaufen und die Fahrzeit von München nach Verona von etwa fünfeinhalb auf dreieinhalb Stunden verkürzen. Seit 2015 wird im Gebirge gegraben und gebohrt, die Inbetriebnahme ist für 2032 geplant. Während die Zulaufstrecken in Österreich und Italien bereits weit fortgeschritten sind – einzelne Abschnitte sind fertig oder im Bau –, gibt es auf deutscher Seite noch keine festgelegte Trasse. Diese Entscheidung steht nun im Bundestag an. „Wir haben alle Voraussetzungen geschaffen, um den nächsten großen Schritt, den parlamentarischen Prozess durchzuführen“, sagte Neumaier. Eigentlich hätte der Bundestag bereits vor über einem Jahr über die Trasse entscheiden sollen, doch die Neuwahl verzögerte das Verfahren. Diese Verzögerung kann nach DB-Angaben kompensiert werden, sodass die Zulaufstrecke Anfang der 2040er Jahre in Betrieb gehen könnte.
Die geplante Trasse und ihre Kosten
Die von der DB bevorzugte Trasse ist 54 Kilometer lang und verläuft von Grafing bei München bis zur österreichischen Grenze im Inntal, in einem Bogen nordöstlich um Rosenheim herum. Der Großteil der Strecke soll unterirdisch liegen, was die Kosten erheblich treibt. Die DB hatte die Kosten im Jahr 2021 noch auf knapp acht Milliarden Euro geschätzt, doch die allgemein stark gestiegenen Baukosten machten eine Anpassung nötig. Der Finanzpuffer von 7,6 Milliarden Euro ist mit einer möglichen Inflationsrate von bis zu zehn Prozent kalkuliert, was die DB als sehr hoch bezeichnet. Deutschland müsste die Kosten voraussichtlich nicht allein tragen, da die Alpenquerung samt Brenner-Nordzulauf Teil des sogenannten Scan-Med-Korridors von Skandinavien nach Italien ist und daher voraussichtlich von der EU gefördert wird.
Widerstand in Bayern und Dialogprozess
Die hohen Kosten sind auch auf den mehr als zehnjährigen Dialogprozess zurückzuführen, in dem die DB versucht hat, Bedenken und Widerstände in den Gemeinden entlang der Strecke zu entkräften. Deshalb sind nun 39 Kilometer Tunnel geplant, die deutlich teurer sind als eine oberirdische Streckenführung. Dennoch konnte die grundsätzliche Ablehnung der unter dem Dach des „Brennerdialogs“ zusammengeschlossenen Bürgerinitiativen nicht überwunden werden. Ein Streitpunkt bleibt die Querung des Inn: Die DB plant nördlich von Rosenheim eine Brücke, während die Bürgerinitiativen eine Untertunnelung fordern, die laut DB weitere drei Milliarden Euro kosten würde. Ursache der jahrzehntelangen Verzögerungen war im Wesentlichen die bayerische Politik, da es gegen den Neubau einer Bahnstrecke im Inntal heftigen Widerstand gibt. Die Neubaugegner fordern stattdessen die Modernisierung der 1858 eröffneten Trasse aus königlich bayerischen Zeiten. Die DB betont jedoch, dass die geplante Beschleunigung des Bahnverkehrs mit einem Ausbau der bisherigen Strecke nicht möglich sei – ganz abgesehen davon, dass die DB dann mit vermehrtem Widerstand der Anwohner rechnet.
Nächste Schritte und Bedeutung für den Verkehr
Das Bundesverkehrsministerium will die DB-Planungsunterlagen samt ministeriellem Bericht und einer Einschätzung des Eisenbahn-Bundesamts alsbald an den Bundestag übermitteln, wie ein Sprecher von Ressortchef Patrick Schnieder (CDU) sagte. Der Brennerbasistunnel soll vor allem helfen, Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Die Gemeinden entlang der Brennerautobahn in Tirol klagen seit Jahrzehnten über die Verkehrsbelastung. Österreichische Behörden versuchen, die Lkw-Schlangen mit Blockabfertigung und Abfahrverboten bei Stau zu begrenzen, was immer wieder zu Streit mit den deutschen Nachbarn führt. Ende Mai wurde die Autobahn erstmals wegen einer Demonstration gesperrt. Der Brenner-Nordzulauf ist ein zentraler Bestandteil, um die Kapazität der Schienenverbindung durch die Alpen zu erhöhen und den Verkehr umweltfreundlicher zu gestalten.



