FIFA-Präsident Gianni Infantino hat nach einem umstrittenen Telefonat mit US-Präsident Donald Trump die Unabhängigkeit der Justizorgane des Fußball-Weltverbandes verteidigt. In einer offiziellen Stellungnahme betonte der 56-jährige Schweizer, dass die zuständigen Gremien autonom arbeiteten und ihre Entscheidungen ausschließlich auf Grundlage des FIFA-Disziplinarkodex sowie der jeweiligen Faktenlage träfen.
Hintergrund: Ausgesetzte Rot-Sperre für Balogun
Der Wirbel entstand, nachdem die FIFA die Rot-Sperre gegen den US-Nationalstürmer Folarin Balogun ausgesetzt hatte. Balogun hatte im WM-Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) die Rote Karte gesehen und war zunächst für ein Spiel gesperrt worden. Der Weltverband setzte die Sperre später unter Berufung auf Artikel 27 seines Disziplinarreglements, der die Aussetzung einer Disziplinarmaßnahme ganz oder teilweise ermöglicht, für ein Jahr zur Bewährung aus. Damit darf der Angreifer nach derzeitigem Stand im Achtelfinale gegen Belgien in dieser Nacht auflaufen.
Trump-Anruf laut Medienberichten vorausgegangen
Der „New York Times“ und der Nachrichtenagentur AP zufolge soll der Aussetzung der Sperre ein Anruf von Trump bei Infantino vorausgegangen sein. Infantino bestätigte das Gespräch, erklärte jedoch, er habe Trump erläutert, dass ein laufendes Verfahren von den unabhängigen FIFA-Justizorganen entschieden werde. „So funktioniert das System der FIFA, und dieses Prinzip werde ich immer verteidigen. Ob uns eine Entscheidung persönlich gefällt oder nicht, ist irrelevant“, sagte Infantino. Er ergänzte, er spreche regelmäßig auch mit anderen Staats- und Regierungschefs sowie Vertretern aus Fußball und Wirtschaft.
Internationale Kritik an der Entscheidung
Die Entscheidung der FIFA und die Berichte über mögliche Hintergründe lösten internationale Kritik aus. Beobachter bemängeln, dass ein Anruf eines Staatschefs Einfluss auf die Rechtsprechung eines Sportverbandes haben könnte. Infantino wies dies zurück und betonte die strikte Unabhängigkeit der Gremien. Die FIFA-Justizorgane wendeten den Disziplinarkodex an und träfen ihre Entscheidungen ausschließlich auf der Grundlage der geltenden Regeln und der jeweiligen Faktenlage.
Infantino: Prinzip der Unabhängigkeit wird verteidigt
Der FIFA-Präsident unterstrich, dass er das Prinzip der Unabhängigkeit der Justizorgane immer verteidigen werde, unabhängig davon, ob eine Entscheidung persönlich gefalle oder nicht. Die FIFA stehe zu ihren Regularien und Verfahren. Infantino verwies darauf, dass solche Gespräche mit Staatschefs Teil seiner regulären Kommunikation seien und nicht bedeuteten, dass Einfluss auf laufende Verfahren genommen werde.



