Die mit dem Iran verbündeten Huthi im Jemen haben eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien verhängt. Die schiitische Miliz, die große Teile des Bürgerkriegslands Jemen beherrscht, will alle saudischen Schiffe angreifen, die die Meerenge Bab al-Mandab passieren. Berichten zufolge soll die iranische Führung die Huthis gebeten haben, diesen wichtigen Schifffahrtsweg komplett zu sperren.
Bedeutung der Bab al-Mandab für den deutschen Außenhandel
Für den deutschen Außenhandel hatte Bab al-Mandab bis 2023 eine große Bedeutung. Laut einer Untersuchung des Ifo-Instituts war die Meerenge das wichtigste Nadelöhr für den deutschen Außenhandel. Fast zehn Prozent der deutschen Importe wurden durch die Bab al-Mandab und weiter durch das Rote Meer und den Suezkanal transportiert. Nach dem Hamas-Terrorangriff auf Israel und dem folgenden Krieg im Gazastreifen begannen die Huthi jedoch, Handelsschiffe im Roten Meer unter Beschuss zu nehmen. Der Verkehr brach ein, und ein erheblicher Teil der Containerschiffe wurde um Afrika herum umgeleitet. Obwohl die Huthi ihre Angriffe im vergangenen Jahr einstellten, lag das Transitvolumen des Suezkanals 2025 bei weniger als der Hälfte des Niveaus von 2023.
Auswirkungen auf den Ölmarkt
Die Auswirkungen einer erneuten Angriffswelle auf den Ölmarkt könnten erheblich sein. Seit die Straße von Hormus und die Häfen Saudi-Arabiens am Persischen Golf weitgehend blockiert sind, nutzt der größte Ölexporteur der Welt den Hafen Yanbu am Roten Meer. Im Juni 2026 exportierte Saudi-Arabien mehr als vier Millionen Fass Öl über Yanbu, vor dem Krieg waren es deutlich weniger als eine Million Fass. Die Umleitung von fast zwei Dritteln der saudischen Ölexporte über das Rote Meer und durch die Bab al-Mandab nach Asien ist ein wichtiger Grund dafür, dass der globale Ölmarkt trotz des Iran-Kriegs relativ stabil geblieben ist.
Eine Blockade der Bab al-Mandab durch die Huthi könnte dies ändern. Sarah Raffoul, Senior-Analystin für Ölprodukte bei Argus Media, warnt: „Jede nennenswerte Störung könnte Nordostasien einen seiner wichtigsten Rohöllieferanten entziehen.“ Dies könnte Folgewirkungen für die globalen Märkte für Rohöl und raffinierte Produkte haben.
Alternative Routen und Kapazitätsgrenzen
Im Gegensatz zum Persischen Golf ist das Rote Meer auch durch den Suezkanal mit dem Mittelmeer verbunden. Zudem ermöglicht die Sumed Pipeline den Transport von Öl über das ägyptische Festland. Allerdings könnte Saudi-Arabien so bestenfalls einen kleinen Teil der bisher nach Asien gehenden Öllieferungen nach Westen umleiten. Die Kapazität der Sumed Pipeline ist bereits weitgehend ausgeschöpft, und durch den Suezkanal passen nur Schiffe, die etwa halb so groß sind wie die Supertanker, die den Großteil der saudischen Ölexporte befördern.
Steigende Ölpreise
Gleichzeitig hat der Iran seine Blockade der Straße von Hormus verschärft und mehrere Öltanker angegriffen. Der Rohölpreis stieg von etwas über 70 Dollar Anfang Juli 2026 auf mehr als 90 Dollar an. Eine Blockade der Bab al-Mandab könnte den Ölpreis einer Schätzung der Großbank JPMorgan zufolge um weitere 20 Dollar nach oben treiben.



