Die Berliner Stadtreinigung (BSR) legt jährlich rund 1,5 Millionen Kilometer auf Fahrbahnen und Gehwegen zurück. Allein im Jahr 2025 sammelte sie dabei rund 44.000 Tonnen Straßenkehricht ein. Hinzu kamen etwa 8.900 Tonnen Abfälle aus öffentlichen Papierkörben sowie 39.400 Tonnen Laub und andere kompostierbare Abfälle. Trotz dieses Aufwands gibt es immer wieder zahlreiche Beschwerden über mangelnde Straßenreinigung. Eine interaktive Karte zeigt nun, wie oft jede Straße in Berlin offiziell gereinigt werden soll.
Wie oft wird meine Straße gereinigt?
Die Häufigkeit der Straßenreinigung richtet sich nach dem Berliner Straßenreinigungsgesetz. Dieses teilt die öffentlichen Straßen in drei Verzeichnisse ein: A, B und C. Nur um Straßen der Verzeichnisse A und B kümmert sich die BSR – das sind rund drei Viertel des Berliner Straßenlandes. Bei Straßen des Verzeichnisses C sind die Grundstückseigentümer beziehungsweise Anlieger selbst verantwortlich.
Für das Verzeichnis B reinigt die BSR grundsätzlich nur einmal pro Woche. Beim Verzeichnis A übernimmt sie die Reinigung der Fahrbahn ein- bis mindestens zehnmal pro Woche. Sechs Reinigungsklassen (1a, 1b, 2a, 2b, 3, 4) regeln den Turnus. Maßgeblich sind unter anderem Verkehrsaufkommen, Fußgängerfrequenz, Geschäfts- und Tourismusstandorte sowie der erwartete Verschmutzungsgrad.
Werden die Straßen tatsächlich so oft gereinigt?
Die Reinigungsklasse beschreibt den gesetzlichen Regelfall und den vorgesehenen Reinigungsturnus. Sie ist jedoch keine Garantie, dass die BSR an jedem einzelnen Tag tatsächlich kehrt. Ausfälle können durch Falschparker, Baustellen, Großveranstaltungen, extreme Witterung oder technische beziehungsweise betriebliche Gründe entstehen.
Offizielle Zahlen über die Anzahl der Beschwerden wegen ausgefallener oder verspäteter Straßenreinigungen veröffentlicht weder die BSR noch der Berliner Senat. In Antworten auf parlamentarische Anfragen ist lediglich immer wieder von „zahlreichen Beschwerden“ die Rede. Die BSR dokumentiert ihre Reinigungsleistung intern in Wochenberichten, in denen vermerkt ist, dass ein Straßenabschnitt gereinigt wurde – aber nicht mit welchen Mitteln und in welchem Umfang.
Wer legt die Reinigungshäufigkeit fest?
Die Einteilung erfolgt durch das Land Berlin. Eine Straßeneingruppierungskommission (StEK) bewertet Straßen unter anderem nach Verkehrsaufkommen, Nutzungsintensität und Verschmutzungsgrad. Dazu führt die StEK auch Ortsbesichtigungen durch. Die Straßenreinigungsverzeichnisse werden in der Regel alle zwei Jahre aktualisiert.
Kiez-Ranking: Wo wird am meisten gereinigt?
Ein Ranking aller 542 Kieze Berlins zeigt, wie oft die Straßen innerhalb eines Gebiets durchschnittlich jede Woche gereinigt werden sollen. An der Spitze liegen die Gegenden um die touristischen Hotspots der City West und Ost: rund um die Gedächtniskirche am Breitscheidplatz und Brandenburger Tor/Unter den Linden. In den Top 10 finden sich aber auch einige durch Gastronomie geprägte Wohnkieze. In Müggelheim gibt es am seltensten etwas für die BSR zu tun, da das Gebiet von Wald, Wiese und Wasser geprägt ist.
Was gehört zur Straßenreinigung?
Zur ordnungsmäßigen Straßenreinigung gehören neben der Fahrbahn auch Radwege, Gehwege, das Straßenbegleitgrün und – soweit vorhanden – der Mittelstreifen. Entfernt werden unter anderem Papier, Verpackungen, Flaschen, Dosen, Zigarettenkippen, Laub sowie sonstiger Straßenkehricht. Die BSR entscheidet selbst, ob dies maschinell oder manuell erfolgt. Hinzu kommt die regelmäßige Reinigung der Straßengullys.
Sperrmüll und Papierkörbe
Die Sperrmüllbeseitigung gehört nicht zur regulären Straßenreinigung. Illegale Müllablagerungen können der BSR, dem zuständigen Ordnungsamt des Bezirks oder über die Online-Plattform aller Berliner Ordnungsämter sowie über die App „Trash-Cam“ gemeldet werden. Die mehr als 27.000 öffentlichen Papierkörbe werden von der BSR geleert. Für private Abfallbehälter auf Grundstücken sind Eigentümer oder Hausverwaltungen zuständig.
Wer bezahlt die Straßenreinigung?
Die Straßenreinigung wird überwiegend über Gebühren finanziert. Nach dem Berliner Straßenreinigungsgesetz werden 75 Prozent der Kosten über Gebühren der Grundstückseigentümer gedeckt, 25 Prozent übernimmt das Land Berlin aus Steuermitteln. Die Gebühren richten sich nach der Reinigungsklasse und der Grundstücksfläche und reichen von rund 44 Cent bis rund 4 Cent pro Quadratmeter.
Gibt es einen Rechtsanspruch auf Reinigung?
Einen einklagbaren Anspruch darauf, dass an einem bestimmten Wochentag oder zu einer bestimmten Uhrzeit tatsächlich gekehrt wird, gibt es nicht. Die Reinigungsklassen beschreiben den regulären Reinigungsturnus. Im Straßenreinigungsgesetz heißt es dazu konkret „durchschnittliche Zahl der Reinigungen“. Das Gesetz verpflichtet die BSR zugleich, Straßen nach Bedarf zu reinigen, schreibt aber als Untergrenze nur mindestens die Hälfte des jeweiligen Reinigungsturnus vor.
Ein Anspruch besteht jedoch auf eine ordnungsmäßige Straßenreinigung insgesamt. Wenn die Reinigung dauerhaft oder erheblich hinter den gesetzlichen Vorgaben zurückbleibt, können sich Betroffene an die BSR oder die zuständige Senatsverwaltung wenden und eine Überprüfung verlangen. Nach dem Berliner Informationsfreiheitsgesetz können Bürger auch Akteneinsicht in die Reinigungsprotokolle beantragen.
Reinigt die BSR auch Parks?
Ja, allerdings nur teilweise. Seit Pilotprojekten in der Saison 2015/2016 übernimmt die BSR zunehmend die Reinigung von ausgewählten öffentlichen Grünanlagen – inzwischen sind es rund 330 Parks und Spielplätze (13 Prozent aller öffentlichen Grünanlagen, Stand 2026). Für den überwiegenden Teil der Berliner Grünanlagen bleiben jedoch weiterhin die Bezirksämter zuständig.
Saisonale Besonderheiten
Die Straßenreinigung richtet sich nicht nur nach der Reinigungsklasse, sondern auch nach der Jahreszeit. Im Herbst hat die Laubbeseitigung Vorrang, die BSR sammelt jährlich rund 39.000 Tonnen Straßenlaub. Im Winter steht die Verkehrssicherheit im Vordergrund; die BSR übernimmt den Winterdienst auf festgelegten Straßen, während auf Gehwegen oft die Anlieger zuständig sind. Im Frühjahr werden verstärkt Splitt und Streumittelreste aufgenommen. Im Sommer spielen Staub und Abfälle eine größere Rolle, besonders in stark frequentierten Bereichen.



