40-Grad-Hitze in Italien bedroht Prosecco-Ernte und Milchproduktion
Hitze in Italien bedroht Prosecco-Ernte

Die extreme Hitzewelle in Italien mit Temperaturen um 40 Grad gefährdet die Landwirtschaft und insbesondere den Prosecco-Jahrgang 2026. Obwohl viele Winzer diesen Jahrgang zunächst als einen der besten seit Jahrzehnten einschätzten, sorgt die anhaltende Trockenheit und Hitze nun für Alarm.

Prosecco-Produzenten fürchten um Spitzenjahrgang

Sandro Bottega, Geschäftsführer des venezianischen Schaumweinproduzenten Bottega, erklärte gegenüber italienischen Medien: „Noch vor einigen Tagen gingen wir davon aus, dass uns einer der besten Jahrgänge der vergangenen 30 Jahre bevorsteht.“ Ein nahezu ideales Zusammenspiel von Winter und Frühjahr habe beste Voraussetzungen geschaffen. Die Hitzewelle der vergangenen Tage bremse nun jedoch den Reifeprozess der Trauben. „Dadurch besteht die Gefahr, dass sich die charakteristischen Aromen des Prosecco nicht vollständig entwickeln oder sogar beeinträchtigt werden“, beklagte Bottega. Er hofft nun auf eine Wetteränderung: Bereits angekündigte Tiefausläufer mit moderaten Niederschlägen und sinkenden Temperaturen könnten den Reben einen normalen Vegetationsrhythmus zurückgeben.

Uneinigkeit in der Branche: Alarmismus oder Realität?

Nicht alle Branchenvertreter teilen die Sorgen. Riccardo Cotarella, Präsident des italienischen Önologenverbands Assoenologi, warnte vor übertriebenem Alarmismus. Die Weinbranche brauche „keine Kassandra-Rufe“, betonte er. Angesichts von Absatzproblemen, drohenden Zöllen und gesundheitspolitischen Debatten in Brüssel dürfe man sich nicht zusätzlich unter Druck setzen. Nach seiner Einschätzung seien die Trauben gesund, und bis zur Weinlese bleibe ausreichend Zeit. Sollte es im Juli regnen, könne 2026 sogar zu einem hervorragenden Weinjahr werden.

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Klimawandel setzt Weinbau massiv unter Druck

Unbestritten ist jedoch, dass der Klimawandel den italienischen Weinbau zunehmend belastet. Nach Angaben des Bauernverbands CIA – Agricoltori Italiani zählt der Sektor mit rund 670.000 Hektar Rebfläche und einer Jahresproduktion von mehr als 44 Millionen Hektolitern zu den am stärksten vom Extremwetter betroffenen Bereichen. Allein im vergangenen Jahr wurden in Italien fast 380 extreme Wetterereignisse registriert. Sollte die Durchschnittstemperatur dauerhaft um mehr als zwei Grad Celsius steigen, könnten nach Einschätzung des Verbands bis zu 90 Prozent der Weinbauflächen in Küsten- und Tieflagen ihre Eignung für eine nachhaltige Erzeugung hochwertiger Weine verlieren.

Anpassungsstrategien der Winzer

Winzer und Agronomen reagieren bereits mit Anpassungsmaßnahmen: Weniger intensive Rebschnitte, Schattiernetze und das Aufsprühen mineralischer Tonerde wie Kaolin sollen die Trauben vor Hitzeschäden schützen. CIA-Präsident Cristiano Fini forderte zudem einen besseren Versicherungsschutz gegen Klimarisiken sowie stärkere Investitionen in Innovation und widerstandsfähigere Rebsorten. Hoffnung setzt die Branche auch auf neue genomische Züchtungsmethoden, deren Einsatz das Europäische Parlament kürzlich gebilligt hat.

Landwirtschaft insgesamt schwer belastet

Die Hitzewelle belastet die gesamte italienische Landwirtschaft. Besonders dramatisch ist die Lage im Reisanbau, der stark wasserabhängig ist. In mehreren Regionen Norditaliens sind die Reisfelder bereits ausgetrocknet, die Pflanzen sterben infolge der Dürre ab. Auch die Viehzucht leidet: In der Lombardei, wo fast die Hälfte der italienischen Milch produziert wird, führen die hohen Temperaturen zu einem Rückgang der Milchproduktion um zehn Prozent – mit Spitzen von bis zu 15 Prozent. Das bedeutet, dass täglich etwa 1,8 Millionen Liter weniger Milch produziert werden als üblich. Steigende Kosten kommen hinzu, da Landwirte Ventilatoren in den Ställen einsetzen müssen, um den Tieren Linderung zu verschaffen.

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Hitzewelle erreicht Höhepunkt – Schutzmaßnahmen ausgebaut

Die Hitzewelle erreichte am Wochenende ihren Höhepunkt mit Temperaturen um die 40 Grad in mehreren Landesteilen. In Norditalien folgten schwere Unwetter. Angesichts der anhaltend hohen Temperaturen bauen zahlreiche Städte ihre Schutzmaßnahmen aus: Kostenlose Schwimmbäder, klimatisierte Bibliotheken und Museen sowie öffentliche Gebäude dienen als sogenannte Klimazufluchtsorte. In 18 der 27 vom Gesundheitsministerium überwachten Städte galt die höchste Hitzewarnstufe. Ab nächster Woche soll sich die Lage entspannen. Ob der Prosecco-Jahrgang 2026 tatsächlich zu den besten gehört oder die Hitzewelle Spuren hinterlässt, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden – viel hängt vom Wetter im Juli ab.