Mykorrhiza-Pilze durchziehen die Böden der Erde mit einem riesigen Netzwerk. Laut einer neuen Studie im Fachblatt „Science“ beträgt die Gesamtlänge dieser mikroskopisch dünnen Pilzfäden mindestens 110 Billiarden Kilometer. Damit könnte man die Strecke von der Erde zur Sonne 750 Mal zurücklegen.
Symbiose mit Pflanzenwurzeln
Die Pilze gehen mit rund 70 Prozent aller Pflanzenarten eine Symbiose ein. Sie verbinden sich mit den Wurzeln und versorgen die Pflanzen mit wichtigen Nährstoffen. Im Gegenzug erhalten sie Kohlenhydrate aus der Pflanze. Diese Partnerschaft besteht bereits seit etwa 475 Millionen Jahren.
Globale Karte der Pilznetzwerke
Das Forscherteam um Justin Stewart von der Freien Universität Amsterdam erstellte mithilfe von KI und über 16.000 Bodenproben die erste globale Karte der Mykorrhiza-Netzwerke. In jedem Kubikzentimeter Boden befinden sich durchschnittlich vier Meter Pilzfäden. Ein Teelöffel Erde kann bis zu zehn Meter Netzwerk enthalten.
Bedeutung für Pflanzen und Klima
Die Pilze vergrößern das Einzugsgebiet der Pflanzenwurzeln um das Hundertfache. Sie liefern bis zu 80 Prozent des benötigten Phosphors und rund 20 Prozent des Stickstoffs. Zudem binden die unterirdischen Stränge weltweit etwa eine Milliarde Tonnen Kohlenstoff. „Man kann die Bedeutung dieser Pilze kaum überschätzen“, so Stewart.
Hotspots in Grasland und Feuchtgebieten
Entgegen der Erwartung sind die dichtesten Netzwerke nicht in Wäldern zu finden, sondern in Grasland- und Feuchtgebietsökosystemen wie Gebirgswiesen, den Everglades in Florida oder den Sudd-Feuchtgebieten im Südsudan. Diese Gebiete sind jedoch kaum geschützt und durch Degradierung gefährdet.
Landwirtschaft als Bedrohung
In landwirtschaftlich genutzten Böden ist die Dichte der Pilzhyphen im Durchschnitt 47,3 Prozent geringer als global üblich. Düngung und Bodenbearbeitung zerstören die feinen Netzwerke. Dies könnte erklären, warum Ackerböden zu den kohlenstoffärmsten Böden zählen.
Die Studie untersuchte nur die oberen Bodenschichten bis etwa 15 Zentimeter Tiefe. Wie dicht die Geflechte darunter sind, ist noch unerforscht.



