Die Opec+ hebt die Obergrenze für die Ölförderung zum sechsten Mal in Folge an. Die sieben Länder der Kerngruppe beschlossen nach einem Online-Treffen, die erlaubte Produktionsmenge für September um täglich 188.000 Barrel auszuweiten. Das gaben die Teilnehmer am Freitag bekannt. Damit reagiert das Kartell auf die jüngsten Preissteigerungen am Ölmarkt, die durch die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten ausgelöst wurden.
Kerngruppe entscheidet über Förderquoten
An dem virtuellen Treffen nahmen Saudi-Arabien, Russland, der Irak, Kuwait, Kasachstan, Algerien und der Oman teil. Diese sieben Staaten bilden die informelle Führungsriege des Opec+-Verbunds, zu dem mehr als 20 Ölproduzenten zählen. Die Opec mit Sitz in Wien koordiniert bereits seit Jahrzehnten die Fördermengen ihrer Mitglieder, um den Ölpreis auf dem Weltmarkt zu steuern. Die nächste Sitzung der Kerngruppe ist für den 6. September geplant.
Bereits in den Vormonaten hatte die Gruppe die Obergrenze schrittweise angehoben. Nach den massiven Produktionskürzungen während der Corona-Pandemie baut das Bündnis die Förderung nun langsam wieder aus. Doch die steigende Nachfrage und die geopolitischen Risiken halten den Preis hoch. Die aktuelle Entscheidung ist ein weiterer Versuch, die Erwartungen am Markt zu steuern, ohne das Angebot drastisch zu erhöhen.
Höhere Obergrenze, aber nicht zwingend mehr Öl
Analysten betonen jedoch, dass eine Anhebung der Obergrenze nicht automatisch bedeutet, dass auch tatsächlich mehr Rohöl auf den Markt strömt. In den vergangenen Monaten habe insbesondere Saudi-Arabien, der größte Exporteur des Kartells, die ihm zugeteilte Höchstmenge nicht ausgeschöpft. Grund sei vor allem die Teilblockade der Straße von Hormus – jener Meerenge, durch die ein erheblicher Teil der saudischen Exporte verschifft werden muss. Iran hatte als Reaktion auf die Angriffe der USA und Israels immer wieder mit einer Sperrung des strategisch wichtigen Seewegs gedroht.
Die Teilblockade zwingt Saudi-Arabien dazu, einen Teil seiner Exporte über alternative Routen oder Pipelines zu leiten, was teurer und aufwendiger ist. Selbst wenn die Förderländer also mehr Öl fördern wollten, könnten sie die Mengen nicht ohne Weiteres auf die Weltmärkte bringen. Die logistischen Engpässe bleiben ein zentraler Unsicherheitsfaktor für die Versorgungslage.
Ölpreis steigt seit Februar um ein Viertel
Die Lage auf dem Ölmarkt bleibt angespannt. Seit Ende Februar, als die USA und Israel erstmals Ziele im Iran angriffen, verteuerte sich ein Barrel der Nordseesorte Brent um rund 26 Prozent. Derzeit notiert der Preis bei etwa 88 US-Dollar, umgerechnet gut 75 Euro. Höhere Ölpreise belasten nicht nur Autofahrer, sondern auch die Industrie und die Verbraucher insgesamt. Sie können die Inflation antreiben und die Geldpolitik der Notenbanken verkomplizieren.
Für deutsche Verbraucher bedeutet dies höhere Kosten an der Tankstelle sowie bei Heizöl und vielen Alltagsprodukten. Auch die Unternehmen sehen sich mit gestiegenen Energiekosten konfrontiert, was die wirtschaftliche Erholung bremsen kann. Ein weiterer Anstieg des Ölpreises würde die Kaufkraft zusätzlich schwächen.
Signal mit begrenzter Wirkung
Die Erhöhung um 188.000 Barrel pro Tag ist gemessen am weltweiten Bedarf gering. Für Beobachter hat sie vor allem Symbolcharakter: Die Opec+ zeigt sich bereit, die hohen Preise nicht kampflos hinzunehmen, ohne das Angebot zu stark auszuweiten und so den Preis zu drücken. Die tatsächliche Fördermenge hängt von zahlreichen Faktoren ab – etwa von politischen Spannungen, logistischen Engpässen und Investitionsentscheidungen der Ölkonzerne.
Sollte die Straße von Hormus vollständig blockiert werden, könnten selbst höhere Quoten die Versorgung kaum sichern. Die Opec+ wird ihre Förderpolitik daher weiter an die politische Entwicklung koppeln. Die nächste Zusammenkunft am 6. September wird zeigen, ob die Gruppe ihre Linie beibehält oder angesichts der unsicheren Lage nachjustiert. Bis dahin dürfte die Nervosität an den Ölmärkten hoch bleiben.



