Monika Helfer ist tot: Österreichische Autorin stirbt mit 76 Jahren
Österreichische Autorin Monika Helfer stirbt mit 76

Die österreichische Schriftstellerin Monika Helfer ist tot. Sie starb im Alter von 76 Jahren in Wien. Das bestätigte der Carl Hanser Verlag. Die Autorin wurde vor allem durch ihren Roman „Die Bagage“ bekannt, der 2020 zu einem Bestseller avancierte und ihr spät den Durchbruch brachte.

Vom Bregenzerwald in die Literatur

Monika Helfer kam am 30. Oktober 1947 in Au im Bregenzerwald als eines von mehreren Kindern zur Welt. Ihre Familie gehörte zu jenen, die in der Dorfgemeinschaft als „Bagage“ galten – eine Bezeichnung, die sie später zum Titel ihres wichtigsten Romans machte. Die Erfahrung von Armut und Ausgrenzung prägte ihr Leben und Schreiben.

Nach ihrer Schulzeit absolvierte Helfer die Ausbildung zur Volksschullehrerin und arbeitete einige Jahre im Schuldienst. In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre zog sie nach Wien, wo sie sich dem Schreiben zuwandte. Ihr Debüt folgte 1982 mit dem Roman „Vorabend“. Es war der Beginn einer langen Autorenkarriere, die zunächst im Verborgenen blühte.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Der späte Erfolg mit „Die Bagage“

Einem größeren Publikum wurde Monika Helfer erst 2020 bekannt. In ihrem Roman „Die Bagage“ erzählt sie die Geschichte ihres Vaters, der in einem abgelegenen Bergdorf als Sohn einer verschrienen Familie aufwächst. Das Buch ist eine präzise Studie über soziale Ausgrenzung und die Sehnsucht nach einem eigenen Leben.

Kritiker lobten die ruhige Erzählweise und die Fähigkeit der Autorin, große geschichtliche und gesellschaftliche Zusammenhänge in einer einzelnen Familiengeschichte sichtbar zu machen. „Die Bagage“ entwickelte sich zum Bestseller, schaffte es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises und wurde in viele Sprachen übersetzt.

Im Jahr 2021 wurde Helfer für „Die Bagage“ mit dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet. Die mit 20.000 Euro dotierte Ehrung war die Krönung einer ungewöhnlichen Karriere – die Autorin war zu diesem Zeitpunkt bereits 73 Jahre alt.

Das literarische Werk

Neben „Die Bagage“ schrieb Monika Helfer zahlreiche weitere Romane und Erzählungen, darunter „Löwenherz“ (2018), „Vati“ (2021) und „Lagerfeuer“ (2023). Viele ihrer Bücher kreisen um Familienbande, Erinnerung und die Frage, wie Menschen werden, die sie sind.

Ihre Erzählkunst zeichnete sich durch eine bemerkenswerte Nähe zu den Figuren aus. Sie verurteilte niemanden, sondern versuchte, das Handeln ihrer Protagonistinnen und Protagonisten aus deren Lebensgeschichte heraus zu erklären. Diese Haltung verschaffte ihren Texten eine zeitlose Qualität.

Ein Leben mit Michael Köhlmeier

Monika Helfer lebte viele Jahre mit dem Schriftsteller Michael Köhlmeier zusammen. Gemeinsam wohnten sie in Wien und in Vorarlberg. Die beiden teilten nicht nur den Alltag, sondern auch die Leidenschaft für die Literatur. Immer wieder traten sie auch gemeinsam bei Lesungen auf.

Der Austausch mit Köhlmeier, selbst ein prominenter Autor, galt als wichtiger Impuls für ihre Arbeit. In ihren Texten finden sich Spuren dieser engen Verbindung – etwa in der gemeinsamen Beschäftigung mit Fragen des Erzählens und der Erinnerung.

Reaktionen und Erinnerung

Die Nachricht von Helfers Tod verbreitete sich am Montag. Ihr Verlag Hanser würdigte die Verstorbene als eine der wichtigsten Stimmen der österreichischen Literatur. Auch die österreichische Literaturszene zeigte sich bestürzt. Der ORF und zahlreiche Zeitungen blickten in ausführlichen Nachrufen auf ihr Leben zurück.

Monika Helfer bleibt mit ihren Büchern präsent. Wer ihre Geschichten liest, begegnet einer Autorin, die die Ränder der Gesellschaft in den Mittelpunkt stellt und dabei den Einzelnen nie aus dem Blick verliert. Ihr Lebenswerk umfasst mehr als 20 Bücher, die weit über Österreich hinaus gelesen werden.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration