Ein Schweizer Start-up zeigt, wie Solarmodule zwischen Bahnschienen Energie liefern können. Das Potenzial ist enorm: Würde das gesamte Schienennetz der Deutschen Bahn mit einer Länge von über 60.000 Kilometern flächendeckend mit solchen Modulen ausgestattet, könnten laut dem Online-Magazin „Netzwelt“ bis zu fünf Atomkraftwerke ersetzt werden. Die Deutsche Bahn hatte sich bereits 2022 mit der Idee beschäftigt, konkrete Pläne sind bislang jedoch nicht bekannt.
Weltweit erstes Solarkraftwerk zwischen Bahngleisen in der Schweiz
In der Schweiz ist das nach eigenen Angaben weltweit erste zwischen den Bahngleisen installierte Solarkraftwerk seit etwas mehr als einem Jahr im Regelbetrieb. Die Pilotstrecke ist hundert Meter lang und im Vergleich zu früheren Prototypen äußerst praktisch. Bei Wartungsarbeiten am Gleisbett können die Module einfach demontiert werden. Auch die Reinigung ist kein Problem: Bei jeder Zugdurchfahrt reinigen sich die Module laut dem verantwortlichen Start-up Sun-Ways von selbst. Allein der Fahrtwind der Züge reiche aus, um den feinen Staub von Bremsen zu beseitigen.
Erfolgreicher Betrieb: 16.000 Kilowattstunden Strom produziert
Joseph Scuderi, Gründer von Sun-Ways, sagt gegenüber dem Nachrichtenportal „Swissinfo“: „Wir haben unsere Ziele erreicht – sowohl in Bezug auf die Bahnsicherheit als auch die Stromproduktion.“ Mehr als 11.000 Züge seien bereits über die installierten Module gefahren. Die Installation habe sich als „vollkommen stabil und sicher“ erwiesen. Seit Projektbeginn Ende Mai 2025 seien bereits mehr als 16.000 Kilowattstunden Strom produziert worden. Würde das gesamte Streckennetz der Schweizer Bahn mit solchen Solarmodulen ausgestattet, könnten sogar zwei Prozent des gesamten Strombedarfs der Schweiz abgedeckt werden.
Bedenken ausgeräumt: Keine Blendung der Lokführer
Viele Bedenken haben sich nicht bestätigt, etwa dass die Solarmodule Lokführer blenden könnten. „Es gab keine Konflikte mit der Infrastruktur, der Wartung oder dem Zugverkehr“, zitiert „Swissinfo“ eine Sprecherin der Schweizer Bahn. Zudem sei die Sonnenlichteinstrahlung garantiert, da Bahnstrecken regelmäßig gewartet und Böschungen von Wildwuchs befreit werden. Nun zeigen auch andere europäische Länder Interesse – darunter Frankreich und Italien.



