Tschechien hat mit ersten Probebohrungen für ein künftiges Atommüllendlager begonnen. Die Untersuchungen starteten am Standort „Janoch“ nahe der Gemeinde Temelin, rund 60 Kilometer von der Grenze zu Bayern entfernt. Dort soll etwa 100 Meter tief in den Boden gebohrt werden, was rund zwei Wochen dauern dürfte, wie die Endlagerbehörde SURAO mitteilte.
Blick unter die Erde
Die Bohrungen sollen Aufschluss über die Grundwasserverteilung und die Bodenbeschaffenheit geben. SURAO-Direktor Lukas Vondrovic sprach von einem „wichtigen Meilenstein“. „Erstmals schauen wir mit Hilfe von Bohrungen direkt unter die Erde und präzisieren unsere Erkenntnisse, die wir von der Oberfläche aus gewonnen haben“, sagte der Geologe.
In Temelin befindet sich eines der beiden tschechischen Atomkraftwerke. Für das geplante Endlager sind drei weitere Standorte in der engeren Auswahl: Brezovy potok im Böhmerwald, Horka bei Budisov und Hradek im Bezirk Jihlava. Auch dort sind Bohrungen bis 100 Meter Tiefe geplant.
Entschädigung für Gemeinden
An die betroffenen Gemeinden werden jährlich rund vier Millionen Euro Entschädigung gezahlt. Die Kommunen haben gegen das Auswahlverfahren geklagt, bisher jedoch vergeblich. Die endgültige Entscheidung für einen Standort soll 2030 fallen. In dem Endlager sollen hoch radioaktive Abfälle tief unter der Erde gelagert werden.
Atomkraft in Tschechien
Tschechien setzt anders als Deutschland weiter auf Kernenergie. Der Anteil der Atomkraft an der Stromproduktion lag 2023 bei über 40 Prozent. Der südkoreanische Konzern KHNP erhielt den Zuschlag, am Standort Dukovany für über 16 Milliarden Euro zwei neue Reaktorblöcke zu bauen. Die Inbetriebnahme ist ab 2036 geplant.



