Windkraftausbau in Sachsen-Anhalt: Weniger Neuanlagen trotz Rekordgenehmigungen
Der Ausbau der Windenergie in Sachsen-Anhalt verläuft schleppend. Im ersten Halbjahr 2026 gingen lediglich 13 neue Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 76,8 Megawatt ans Netz. Das ist ein Rückgang der installierten Leistung um fast 48 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dies geht aus einer Auswertung der Fachagentur Wind und Solar hervor, die im Auftrag des Bundesverbandes WindEnergie (BWE) und des Verbandes VDMA Power Systems erstellt wurde.
Gleichzeitig wurden im selben Zeitraum neue Windenergieanlagen mit einer Leistung von 526 Megawatt genehmigt. Damit belegt Sachsen-Anhalt bundesweit den siebten Platz. Die Diskrepanz zwischen Genehmigungen und tatsächlicher Inbetriebnahme ist auf die lange Vorlaufzeit zurückzuführen: Zwischen Genehmigung und Inbetriebnahme vergehen oft Monate oder sogar Jahre.
Repowering als dominierender Faktor
Ein wesentlicher Teil des Ausbaus erfolgt durch das Repowering, also den Ersatz älterer Anlagen durch moderne, leistungsstärkere Modelle. In Sachsen-Anhalt wurden im ersten Halbjahr 84 Altanlagen mit einer Leistung von insgesamt 127 Megawatt stillgelegt. Diese weichen neuen Anlagen, die auf derselben Fläche deutlich mehr Strom erzeugen können. Per Saldo führte dies jedoch zu einem leichten Rückgang der installierten Windkraftleistung im Land: Ende Juni waren rund 50 Megawatt weniger am Netz als zu Jahresbeginn.
„Das Repowering ist ein zentraler Treiber, aber es führt zunächst zu einer temporären Verringerung der Kapazität“, erklärten die Experten der Fachagentur. Die stillgelegten Altanlagen werden erst nach und nach durch leistungsfähigere Neuanlagen ersetzt.
Bundesweiter Trend: Mehr Tempo, aber nicht genug
Bundesweit gewann der Windkraftausbau im ersten Halbjahr an Fahrt. Nach Angaben der Fachagentur Wind und Solar gingen Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 2.363 Megawatt neu ans Netz – ein Plus von rund sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Genehmigungen erreichten mit 9,15 Gigawatt einen Rekordwert für ein erstes Halbjahr. Trotz dieser positiven Entwicklung reicht das Tempo nach Einschätzung der Experten nicht aus, um die Klimaziele zu erreichen.
Bundesweit sind Windenergieanlagen mit einer Leistung von 48,1 Gigawatt genehmigt. Allerdings warten rund 19 Gigawatt noch auf einen Zuschlag in den Ausschreibungen und können daher nicht gebaut werden. „Die hohe Zahl genehmigter Projekte ist ermutigend, doch die Verzögerungen bei der Umsetzung bremsen den Ausbau“, so die Fachagentur.
Photovoltaik überholt Windkraft in Sachsen-Anhalt
Erst in der vergangenen Woche hatte das Energieministerium mitgeteilt, dass die Photovoltaik die Windkraft bei der installierten Leistung in Sachsen-Anhalt überholt hat. Bei der Windkraft steht derzeit vor allem das Repowering im Fokus. Die Umstellung auf leistungsstärkere Anlagen soll langfristig die Effizienz steigern, doch kurzfristig führt sie zu einem Rückgang der installierten Kapazität.
Die Zahlen zeigen: Trotz Rekordgenehmigungen bleibt der Ausbau der Windenergie in Sachsen-Anhalt hinter den Erwartungen zurück. Die lange Zeitspanne zwischen Genehmigung und Inbetriebnahme sowie der Fokus auf Repowering sind die Hauptgründe für die schleppende Entwicklung.



