Zypern steigt in die Erdgasförderung ein: TotalEnergies und Eni geben grünes Licht für Feld Kronos
Die französische TotalEnergies und der italienische Konzern Eni haben die Freigabe zur Ausbeutung des Erdgasfeldes Kronos vor der Küste Zyperns erteilt. Damit ist der Weg frei für die Aufnahme der Produktion im Jahr 2028, wie die zyprische Tageszeitung Phileleftheros berichtet. Das Feld soll nach Angaben von TotalEnergies jährlich rund 2,8 Millionen Tonnen verflüssigtes Erdgas (LNG) liefern. Die beiden Unternehmen werden die Fördermenge jeweils zur Hälfte vermarkten.
Ein Meilenstein für Europas Energiesicherheit
Das Projekt Kronos gilt als bedeutender Beitrag zu Europas Bemühungen, seine Energieimporte zu diversifizieren. Hintergrund sind die seit dem russischen Angriff auf die Ukraine stark eingeschränkten Lieferungen aus Russland sowie die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten, die die Energieversorgung der EU zusätzlich unter Druck setzen. Mit der neuen Gasquelle aus dem östlichen Mittelmeer soll die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten weiter reduziert werden.
Das Gasfeld Kronos zählt zu den bedeutendsten Erdgasfunden im östlichen Mittelmeerraum. Die förderbaren Reserven werden auf rund 85 Milliarden Kubikmeter geschätzt. Das Gas soll über eine Pipeline zu bestehenden Anlagen von Eni in Ägypten transportiert, dort verarbeitet und verflüssigt werden. Anschließend ist der Export nach Europa unter anderem über das LNG-Terminal in der ägyptischen Stadt Damietta vorgesehen, das von Eni betrieben wird.
Wirtschaftliche und geopolitische Bedeutung
Die Entscheidung von TotalEnergies und Eni ist ein wichtiger Schritt für die zyprische Wirtschaft und die Energieunabhängigkeit Europas. Durch die Förderung des Kronos-Feldes entstehen neue Arbeitsplätze und Einnahmequellen für die Inselrepublik. Gleichzeitig stärkt das Projekt die Position der EU auf dem globalen Energiemarkt und verringert die strategische Abhängigkeit von instabilen Regionen.
Die Experten sehen in der Erschließung des Feldes auch eine Antwort auf die gestiegenen Energiepreise, die durch die geopolitischen Spannungen ausgelöst wurden. Das Gas aus Zypern könnte dazu beitragen, die Preise langfristig zu stabilisieren und die Versorgungssicherheit in Europa zu erhöhen. Allerdings ist der Aufbau der benötigten Infrastruktur mit hohen Investitionen verbunden, die sich erst langfristig amortisieren werden.
Herausforderungen und Perspektiven
Trotz der positiven Aussichten gibt es auch Herausforderungen. Die Gasförderung im östlichen Mittelmeer ist politisch sensibel, da es in der Region Streitigkeiten über Seegrenzen und Gasrechte gibt. Zypern selbst ist seit 1974 geteilt, und die Türkei erhebt Ansprüche auf Teile des zyprischen Festlandsockels. Die EU hat jedoch wiederholt die Souveränität Zyperns unterstützt und die Erschließung der Gasvorkommen als souveränes Recht der Republik Zypern anerkannt.
Die Inbetriebnahme der Förderung im Jahr 2028 ist ehrgeizig, aber nach Einschätzung von Branchenkennern realistisch. TotalEnergies und Eni verfügen über umfangreiche Erfahrung in der Offshore-Förderung und LNG-Verarbeitung. Mit dem Bau der Pipeline nach Ägypten und der Nutzung bestehender Verarbeitungsanlagen könnten die Kosten und die Zeit bis zur ersten Gaslieferung reduziert werden.



