Selenskyj und Netanjahu bei Trump: Zwei Kriege, ein Trauerfall in Washington
Selenskyj und Netanjahu bei Trump: Zwei Kriege in Washington

US-Präsident Donald Trump hat am Montag in Washington den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zu getrennten Gesprächen empfangen. Anlass der beiden hochkarätigen Treffen war die Trauerfeier für den verstorbenen US-Senator Lindsey Graham, der sich als überparteilicher Unterstützer sowohl Israels als auch der Ukraine einen Namen gemacht hatte. Die Gespräche fanden vor dem Hintergrund zweier Kriege statt – dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und dem gemeinsamen US-israelischen Krieg gegen den Iran –, die beide auf der Agenda Trumps stehen.

Selenskyjs drängende Bitten: Patriot-Raketen und Sanktionen

Selenskyj betonte vor dem Treffen die Dringlichkeit weiterer US-amerikanischer Unterstützung für ein Ende des russischen Angriffskriegs. „Eine Stärkung der Flugabwehr hat höchste Priorität“, sagte der ukrainische Präsident. Konkret geht es um neue Lieferungen von Patriot-Flugabwehrraketen, die vor dem kommenden Winter dringend benötigt werden. Mitte Juli hatte Selenskyj einen Mindestbedarf von 300 dieser Raketen allein für die drei Wintermonate angegeben. Zwar hat Kiew eine Lizenz zur eigenen Produktion erhalten, doch der Aufbau einer Fertigung in der Ukraine werde Monate dauern und die Stückzahlen den Bedarf gegen russische Raketenangriffe kaum decken können.

Ein weiteres zentrales Thema sind Sanktionen gegen Russland. Im US-Senat wird seit langem über ein neues Sanktionspaket verhandelt, das Graham maßgeblich vorangetrieben hatte. Es richtet sich unter anderem gegen Länder, die russische Energieträger importieren und damit indirekt den Krieg gegen die Ukraine finanzieren. Nach Grahams Tod versuchen mehrere Senatoren, das Anliegen ihres verstorbenen Kollegen zum Abschluss zu bringen. Es wird erwartet, dass Selenskyj am Abend auch alle 100 US-Senatoren zu einem Treffen trifft, wie das Portal „The Hill“ berichtet.

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Von Eklat zur Versöhnung: Das Verhältnis Selenskyj-Trump

Wenn Selenskyj nach Washington kommt, werden unweigerlich Erinnerungen an den Eklat im Oval Office wach. Kurz nach seinem Amtsantritt überzog Trump seinen ukrainischen Kollegen vor laufenden Kameras lautstark mit heftigen Vorwürfen und brach das Treffen abrupt ab. Danach besserten sich die Beziehungen – auch wenn Trump weiterhin vorgeworfen wurde, nicht genug Distanz zum russischen Präsidenten Wladimir Putin zu zeigen. Den Wendepunkt beschrieb Selenskyj kürzlich im Interview mit der rechten US-Influencerin Laura Loomer: „Das war ein historischer Moment, da wir unsere Beziehung in 15, 20 Minuten änderten.“ Das kurze Gespräch im Vatikan im April 2025 habe die Wende gebracht.

Netanjahu und Trump: Iran-Krieg und drohende Differenzen

Trump empfing Netanjahu zuletzt im Februar im Weißen Haus, damals stand der Umgang mit dem Iran im Zentrum. Rund zweieinhalb Wochen später starteten die USA und Israel ihre gemeinsamen Angriffe gegen die Islamische Republik. Seitdem sind fünf Monate vergangen, und unterschiedliche Interessen der USA und Israels in dem Krieg sind zunehmend sichtbar geworden. Während Israel den Krieg Medienberichten zufolge fortsetzen wollte, lag Trumps Fokus zuletzt auf einer diplomatischen Lösung. Nach der jüngsten Eskalation sind jedoch sowohl die vereinbarte Waffenruhe als auch das Rahmenabkommen Washingtons mit Teheran Geschichte. Für Trump ist das ein Problem: In knapp 100 Tagen stehen die wichtigen Zwischenwahlen zum US-Kongress an. Der Krieg ist im eigenen Land unbeliebt, und einige in den USA machen Netanjahu dafür verantwortlich, Trump zum Krieg überredet zu haben.

Das einst gute Verhältnis der beiden gilt wegen der Differenzen im Iran-Krieg als belastet. Gerade vor einer richtungsweisenden Wahl in Israel im Oktober ist es für Netanjahu entscheidend, Einigkeit mit Trump zu demonstrieren. Netanjahu betonte vor dem Treffen, es sei bereits sein achtes Treffen mit Trump in dessen zweiter Amtszeit, „mehr als mit jedem anderen internationalen Staats- oder Regierungschef“. Trump sagte am Montag, er und Netanjahu hätten mit Blick auf den Iran zwar eine „kleine Unstimmigkeit“, lägen aber „ziemlich nah beieinander“.

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Netanjahus Geheimdienstoffensive im Weißen Haus

Netanjahu machte zu Beginn seiner US-Reise klar, dass der Iran das wichtigste Thema bei Trump sein werde. Der israelische TV-Sender N12 berichtete, Netanjahu wolle Geheimdienstinformationen über mutmaßliche Bestrebungen des Irans vorlegen, seine militärischen Fähigkeiten wiederaufzubauen. Dazu gehörten auch angebliche Bestrebungen von Irans oberstem Führer, Ajatollah Modschtaba Chamenei, auf eine Atomwaffe hinzuarbeiten. Teheran dementiert solche Berichte seit Jahren. Medienberichten zufolge könnte Netanjahu Trump um die Zustimmung zu neuen israelischen Angriffen im Iran bitten.

Die parallelen Treffen verdeutlichen die wachsende Bedeutung der USA als Vermittler in zwei internationalen Konflikten. Während Selenskyj auf militärische Unterstützung und Sanktionen drängt, sucht Netanjahu Rückendeckung im Iran-Krieg – und Trump muss beide Anliegen vor dem Hintergrund innenpolitischer Zwänge balancieren.