Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat am Dienstagmorgen mitgeteilt, dass sie einen Fehler im Konzernabschluss des Modekonzerns Zalando festgestellt hat. Das im Juni eingeleitete Prüfverfahren ist damit abgeschlossen. Konkret fehlten Angaben im Konzernanhang, wie die Behörde erklärte.
Fehlerhafte Angaben zur Übernahme von About You
Der Fehler betrifft die Übernahme des Konkurrenten About You im vergangenen Jahr. Zalando hatte About You für mehr als eine Milliarde Euro übernommen und je Aktie 6,50 Euro gezahlt. Dabei wurden Beziehungen zu einem nahestehenden Unternehmen, das von einem Aufsichtsratsmitglied beherrscht wird, nicht ausreichend dargestellt. Zalando bestätigte den Fehler und teilte mit: „Wir begrüßen es, dass die BaFin mit der heutigen Veröffentlichung ihre Prüfung unseres Konzernabschlusses 2025 abgeschlossen hat.“
Das Unternehmen betonte, dass die Feststellung keine Auswirkungen auf finanzielle Kennzahlen, Vermögenslage oder operative Performance habe. Die Kosten der Prüfung seien „unwesentlich“ und würden von Zalando getragen.
Interessenkonflikt um Anders Holch Povlsen
Im Zentrum des Interessenkonflikts steht der dänische Milliardär Anders Holch Povlsen. Laut Übernahmeangebot vom Januar 2025 hielt Povlsen rund 20 Prozent des Grundkapitals von About You und war gleichzeitig Mitglied des Aufsichtsrats von Zalando. Sein Stimmrechtsanteil an Zalando betrug knapp zehn Prozent. Der Geschäftsbericht von Zalando für 2025 zeigt jedoch, dass Povlsen an den entscheidenden Aufsichtsratssitzungen zur Übernahme nicht teilnahm: „Aufgrund eines Interessenkonflikts ... nahm das Aufsichtsratsmitglied Anders Holch Povlsen während der Erörterung der entsprechenden Tagesordnungspunkte an zwei Aufsichtsratssitzungen nicht teil.“
Povlsen ist Chef und Haupteigentümer des dänischen Modekonzerns Bestseller, der Marken wie Jack & Jones, Vero Moda und Only führt und im Geschäftsjahr 2024/2025 einen Umsatz von knapp 4,7 Milliarden Euro erzielte.
Aktionärsschützer fordern Transparenz
Bereits Ende Juni hatten Aktionärsschützer die Prüfung begrüßt. Marc Liebscher, Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), und SdK-Vertreter Tim Tesdorff erklärten damals dem Handelsblatt, die Übernahme erfordere besondere Transparenz wegen des Interessenkonflikts. Zudem habe Zalando eine für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich hohe Prämie von 107 Prozent auf den Marktpreis gezahlt.
Die öffentliche Bekanntmachung des Verfahrensausgangs war bereits bei der Einleitung der Prüfung angekündigt worden – unabhängig vom Ergebnis. Seit dem Wirecard-Skandal 2020 macht die Bafin die Aufnahme von Prüfverfahren öffentlich.
Zalando-Aktie erholt sich
Die Zalando-Aktie war nach Bekanntwerden der Prüfung im Juni um sieben Prozent auf 24,80 Euro gefallen, hat sich aber in den Wochen danach erholt. Am Montagabend notierte sie bei über 28 Euro, nahe einem Zwölfmonatshoch. Am Montag hatte das Handelsblatt zudem exklusiv über einen weiteren Stellenabbau bei Zalando und die Eröffnung eines neuen Standorts in Bukarest berichtet, was das Unternehmen bestätigte.



