Die Übernahme von rund 200 Tegut-Supermärkten durch Edeka steht vor einer Hürde: Das Bundeskartellamt hat vorläufig Bedenken gegen 38 Filialen, in denen Edeka nach dem Erwerb eine zu starke Marktstellung hätte. Ein Sprecher der Behörde bestätigte, dass der Wettbewerb in diesen Regionen beeinträchtigt werden könnte. Die Supermarktkette Tegut soll von ihrem Schweizer Eigentümer Migros verkauft werden, der die Marke aufgeben will.
Weg frei für den Großteil der Übernahme
Edeka plant, den Großteil der etwa 300 Tegut-Standorte zu übernehmen, darunter das Logistikzentrum, die Bäckerei Herzberger sowie die rund 40 personallosen „Teo“-Minimärkte. Das Kartellamt hat jedoch in einem vorläufigen Entscheidungsentwurf Bedenken gegen 38 Filialen geäußert, die überwiegend in Hessen und Bayern liegen. Laut Unternehmenskreisen wären bei einem Wegfall dieser Standorte rund 1.100 Arbeitsplätze gefährdet.
Edeka bietet Verzicht auf neun Filialen an
Als Reaktion auf die Einwände des Kartellamts hat Edeka angeboten, auf den Kauf von neun der 38 umstrittenen Standorte zu verzichten. Die Behörde verlängerte daraufhin die Frist für das Hauptprüfverfahren um einen Monat auf den 23. September. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus. Edeka selbst wollte sich mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht äußern: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns nicht äußern können“, teilte das Unternehmen mit.
Wettbewerb und Arbeitsplätze im Fokus
Das Kartellamt prüft, ob die Übernahme den Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel beeinträchtigt. Bereits jetzt ist Edeka in vielen Regionen marktführend. Die Bedenken betreffen vor allem Gegenden, in denen Edeka durch die zusätzlichen Tegut-Filialen eine marktbeherrschende Stellung erlangen würde. Die Behörde hatte zuvor bereits die Übernahme von 36 Tegut-Märkten durch die Kette Tante Enso freigegeben.
Weitere Interessenten: Rewe und andere
Neben Edeka hat auch die Rewe-Gruppe Interesse an bis zu 40 Tegut-Filialen angemeldet. Das Prüfverfahren für Rewe läuft noch. Die Verhandlungen über den Verkauf der Kette laufen seit März, als Migros den Ausstieg aus dem deutschen Markt ankündigte. Die endgültige Entscheidung des Bundeskartellamts wird nun für September erwartet.
Die Übernahmepläne sind Teil einer Neuausrichtung von Migros, die sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren will. Tegut war zuletzt mit rund 300 Märkten in Hessen, Bayern, Thüringen und weiteren Bundesländern vertreten. Die Zukunft der nicht von Edeka übernommenen Filialen bleibt ungewiss.



