Der Renault Twingo der dritten Generation (September 2014 bis Mitte 2025) ist aktuell im besten Gebrauchtwagenalter. Er punktet mit niedlichem Design, flexiblem Innenraum und optionalem Elektroantrieb. Doch die Qualität lässt oft zu wünschen übrig: Die Mängelquoten liegen laut TÜV-Statistiken über alle Jahrgänge stets über dem Durchschnitt. Wer einen gebrauchten Twingo kaufen möchte, sollte daher genau hinschauen und ein Budget für Reparaturen einplanen.
Qualitätsmängel: Achsen, Abgasanlage und mehr
Bereits bei der ersten Hauptuntersuchung (HU) im Alter von vier Jahren fallen Modelle der dritten Generation durch teure Probleme mit den Achsaufhängungen und der Abgasanlage negativ auf. Ölverlust registrieren die TÜV-Prüfer schon früh. Auch die Beleuchtungsanlage und die Bremsbauteile werden häufig kritisiert. Die Mängelquoten liegen in allen Jahrgängen über dem Schnitt, was den Twingo zu einem risikoreichen Gebrauchtwagen macht.
Karosserie und Innenraum: Platzwunder mit Einschränkungen
Der Twingo entstand in Zusammenarbeit mit Smart und teilt sich die Plattform mit dem Smart Forfour. Mit 3,60 Metern Länge ist er kompakt, bietet aber dank des im Heck montierten Motors und Hinterradantriebs einen Wendekreis von nur 8,65 Metern – ideal für die Stadt. Der Viersitzer hat zwei Fondtüren, der Einstieg hinten ist leicht. Vorne ist das Raumgefühl luftig, hinten wird es aufgrund der Außenabmessungen enger. Der Kofferraum fasst 188 Liter, lässt sich durch Umlegen der Rücksitzlehnen auf knapp 1.000 Liter erweitern. Klappt man den Beifahrersitz um, passen Gegenstände bis zu 2,31 Meter Länge ins Fahrzeug. Das Interieur ist je nach Ausstattung farbenfroh gestaltet; wer Frischluft liebt, sucht nach Exemplaren mit Faltdach. Das Facelift 2019 brachte eine geänderte Frontschürze, neue Scheinwerfer und eine Mittelkonsole mit Staufach.
Motoren und Antrieb: Dreizylinder und Elektro
Das Motorenangebot umfasste zunächst zwei Dreizylinder: einen 1,0-Liter-Sauger mit 52 kW/71 PS und einen 0,9-Liter-Turbo mit 66 kW/90 PS. Der Normverbrauch lag bei jeweils 4,2 Litern. Ab 2016 gab es den Turbo mit 80 kW/110 PS (GT), der etwa einen Liter mehr verbraucht. Das Facelift 2019 brachte einen neuen Basismotor mit 48 kW/65 PS; der GT entfiel. Die Kraftübertragung erfolgt über ein manuelles Fünfganggetriebe; optional war ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe (außer beim Basismotor) erhältlich. Ab Ende 2020 war die Elektroversion Z.E. mit 60 kW/82 PS und einem 22-kWh-Akku im Angebot.
Ausstattung und Sicherheit: Auf die Linie achten
Klimaanlage und Infotainmentsystem gab es erst in den höheren Ausstattungslinien. Zum Marktstart hießen diese „Dynamique“ und „Luxe“; die Basisversion „Expression“ war spartanisch. 2018 benannte Renault die Linien um (Life, Limited, Intens, Urban Night). Interessenten sollten genau prüfen, welche Komfortmerkmale das Wunschfahrzeug hat. Sicherheitsausstattung wie ESP und Airbags sind serienmäßig, aber Assistenzsysteme wie Notbremsassistent oder Spurhalteassistent fehlen oft.
Fazit: Günstig, aber mit Risiko
Der Twingo sammelt durch Optik und Platzangebot Pluspunkte. Ein gründlicher Check in einer Werkstatt oder bei einer Sachverständigenorganisation vor Vertragsabschluss ist jedoch Pflicht. Laut mobile.de werden aktuell rund 2.000 gebrauchte Twingo der dritten Generation angeboten, die Preise starten bei knapp 3.000 Euro. Zusätzliches Budget für Reparaturen sollte man jedoch einplanen.



