Baufinanzierung: Wüstenrot-Chef nennt größten Sparhebel abseits der Zinsen
Baufinanzierung: Größter Sparhebel abseits der Zinsen

Die Hoffnung auf deutlich sinkende Bauzinsen dürfte sich in diesem Jahr kaum erfüllen. Nach Einschätzung von Bernd Hertweck, Vorstandsvorsitzendem der Wüstenrot Bausparkasse, spricht derzeit vieles für eine stabile Entwicklung. „Die Zinsen für Baufinanzierungen bewegen sich für zehnjährige Darlehen auf einem stabilen Niveau um vier Prozent“, erklärt er im Zins-Check der Woche gegenüber unserer Redaktion. Kurzfristige Schwankungen würden möglich bleiben, „insgesamt sprechen die aktuellen Rahmenbedingungen jedoch eher für eine Seitwärtsbewegung“, sagt Hertweck.

EZB-Zinsentscheid und geopolitische Risiken

Der anstehende EZB-Zinsentscheid im Juli spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Zwar müsse die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin die Inflation im Blick behalten, gleichzeitig dürfe sie die wirtschaftliche Entwicklung nicht aus den Augen verlieren. Zusätzliche Unsicherheiten gingen zudem von geopolitischen Konflikten aus. Steigende Energiepreise oder gestörte Lieferketten könnten den Inflationsdruck erhöhen und damit auch Auswirkungen auf die Zinsentwicklung haben. Dennoch erwartet Hertweck für die kommenden zwölf Monate „weitgehend stabile bis leicht steigende Bauzinsen“.

Die richtige Finanzierungsstrategie ist entscheidend

Mindestens genau so wichtig wie das Zinsniveau sei jedoch die richtige Finanzierungsstrategie. „Die am häufigsten unterschätzte Strategie ist es, nicht ausschließlich auf den Zinssatz zu achten, sondern auch andere Kriterien stark zu gewichten“, sagt Hertweck. Viele Bauherren und Käufer würden sich zu stark auf den günstigsten Zinssatz konzentrieren und vernachlässigen dann andere entscheidende Faktoren. „Die beste Finanzierung ist nicht zwingend die mit dem niedrigsten Zinssatz, sondern diejenige, die langfristig stabil, flexibel und planbar bleibt“, betont Hertweck.

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Bernd Hertweck ist seit Mai 2006 Teil des Vorstands der Wüstenrot Bausparkasse und seit September 2013 ihr Vorstandsvorsitzender. Zuvor war er bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall tätig.

Eigenkapital und Tilgungsmöglichkeiten als Schlüssel

Aus seiner Sicht spielen vor allem ein ausreichender Eigenkapitalanteil, flexible Tilgungsmöglichkeiten und ein überschaubares Zinsänderungsrisiko eine zentrale Rolle. Wer 20 bis 30 Prozent Eigenkapital mitbringe, könne die Darlehenssumme reduzieren und profitiere häufig von besseren Finanzierungskonditionen. Gleichzeitig sorgten Sondertilgungsrechte sowie lange Zinsbindungen oder ein Bausparvertrag für mehr Sicherheit – insbesondere mit Blick auf mögliche Anschlussfinanzierungen. „Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, wie stark steigende Zinsen die Belastung bei Anschlussfinanzierungen erhöhen können“, betont der Wüstenrot-Chef.

Der größte Hebel bei Preisverhandlungen

Auch bei Preisverhandlungen am Immobilienmarkt sieht Hertweck Potenzial. „Der größte Hebel liegt bei Sanierungs- und Instandhaltungskosten, weil der Gebäudebestand immer stärker überaltert und eine Ertüchtigung auf den heutigen Gebäudestandard viel Geld kostet“, sagt Hertweck. Umso wichtiger sei eine sachliche Grundlage für Verhandlungen. Laut Hertweck sei „ein guter Ratschlag“ deshalb, einen Makler einzubeziehen. „Maklergespräche mit Verkäufern und Kaufinteressenten über den marktgerechten Preis sind immer dann zielführend, wenn sie auf der Grundlage einer sorgfältigen und sachkundigen Wertermittlung stattfinden.“ Eine objektive Wertermittlung schaffe Transparenz und helfe beiden Seiten, zu einer realistischen Einigung zu gelangen. Gleichzeitig werde die Finanzierung erleichtert, da notwendige Investitionen bereits bei der Preisermittlung berücksichtigt würden.

Verunsicherung bremst Verbraucher aus

Bestimmte Immobilientypen, die derzeit zu Unrecht gemieden werden, sieht Hertweck nicht. Das eigentliche Problem liege aus seiner Sicht weniger in einzelnen Marktsegmenten als in der allgemeinen Zurückhaltung vieler Verbraucher. „Viele Verbraucher sind verunsichert und dadurch zu zögerlich“, so Hertweck. Die Unsicherheit sei groß, weshalb Kaufentscheidungen häufig aufgeschoben würden. Dabei könne Abwarten auch Chancen kosten. Seiner Einschätzung nach bietet Wohneigentum nach wie vor erhebliche Vorteile – vorausgesetzt, Immobilienfinanzierung und Kaufentscheidung seien langfristig durchdacht.

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