Die Deutsche Finance Gruppe, eine milliardenschwere Investmentgesellschaft mit Sitz in München, gerät zunehmend unter Druck. Mitte Juni entsandte die Finanzaufsichtsbehörde Bafin einen Sonderbeauftragten zu dem Unternehmen, um die ordnungsgemäße Verwaltung der Publikumsfonds für Privatanleger zu prüfen. Der Schritt gilt als drastisch und ungewöhnlich.
Hintergründe der Krise: Verluste und fehlende Bilanzdaten
Rund 50.000 Privatanleger haben insgesamt 1,5 Milliarden Euro in die Fonds der Deutschen Finance investiert. Auch institutionelle Anleger wie die Bayerische Versorgungskammer sind beteiligt. Das Unternehmen verwaltet nach eigenen Angaben Vermögenswerte von insgesamt zwölf Milliarden Dollar. Doch in jüngster Zeit häufen sich die Probleme: Die Fonds weisen zweistellige Millionenverluste aus, und es fehlen aktuelle Bilanzdaten. Wirtschaftsprüfer äußerten Zweifel, ob bestimmte Fonds fortgeführt werden können.
Die Investigativ-Reporter René Bender und Lars-Marten Nagel haben gemeinsam mit Franziska Eiles und Julian Trauthing die Hintergründe der Krise beleuchtet. Sie werteten Geschäftsberichte aus, sprachen mit Insidern und begleiteten Gerichtsverfahren. In einer Podcast-Folge von Handelsblatt Crime diskutieren sie mit Host Ina Karabasz über die verschachtelten Fondskonstruktionen und die Risiken für Anleger.
Bafin-Eingreifen und Folgen für Anleger
Die Bafin hatte den Sonderbeauftragten eingesetzt, um die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften zu überprüfen. Der Schritt betrifft direkt die 50.000 Anleger, die in die Fonds investiert haben. Die Aufsichtsbehörde will sicherstellen, dass die Fonds ordnungsgemäß verwaltet werden und die Interessen der Anleger geschützt sind. Die Deutsche Finance steht nun unter besonderer Beobachtung.
Bereits zuvor war bekannt geworden, dass die Bayerische Versorgungskammer eine US-Immobilie aus einem der Fonds verkauft hatte. Dies könnte ein Indiz für Liquiditätsprobleme sein. Die genauen Auswirkungen auf die Anleger sind noch unklar, aber die Verluste in den Fonds deuten auf eine schwierige Lage hin.
Verschachtelte Strukturen und Intransparenz
Ein zentrales Problem der Deutschen Finance sind die komplexen, verschachtelten Fondskonstruktionen. Diese machen es für Anleger und Aufseher schwer, die tatsächliche Risikosituation zu durchschauen. Die Wirtschaftsprüfer hatten in ihren Berichten auf mögliche Fortführungsrisiken hingewiesen. Die Bafin will nun Klarheit schaffen und prüft, ob die Fonds ordnungsgemäß verwaltet werden.
Die Deutsche Finance selbst hat sich bislang nicht umfassend zu den Vorwürfen geäußert. Die Anleger müssen nun abwarten, ob der Sonderbeauftragte die Probleme lösen kann oder ob weitere Schritte nötig werden. Die Krise der Deutschen Finance zeigt einmal mehr die Risiken von geschlossenen Fonds und intransparenten Anlagemodellen.



