Die durchschnittlichen Boden- und Baulandpreise in Hessen haben sich in den vergangenen zehn Jahren erheblich verteuert. Für Wohnbauflächen stiegen die Preise seit 2016 von 220 Euro pro Quadratmeter auf aktuell mehr als 410 Euro pro Quadratmeter. Das geht aus einer Antwort des hessischen Wirtschaftsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion hervor. Grundlage der Daten sind generalisierte Bodenwerte, die von Immobiliengutachtern zu Beginn jedes geraden Kalenderjahres ermittelt werden.
Deutliche Anstiege bei Gewerbeflächen und landwirtschaftlichen Flächen
Nicht nur Wohnbauland wurde teurer: Auch bei Gewerbeflächen erhöhten sich die Bodenpreise von 93 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2016 auf 121 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2026. Landwirtschaftliche Flächen kosteten Anfang dieses Jahres durchschnittlich 2,79 Euro pro Quadratmeter, zehn Jahre zuvor waren es noch 2,40 Euro. Die Preise für Grund und Boden bilden sich laut Ministerium grundsätzlich durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage auf dem Immobilienmarkt. Wesentliche Einflussfaktoren sind demnach die Nähe zu Arbeitsplätzen, Einkaufsmöglichkeiten, Schulen und Ärzten.
Größte Spanne zwischen günstigster und teuerster Gemeinde
Der hessenweit niedrigste Bodenrichtwert für Wohnbauflächen wurde zum Stichtag 1. Januar 2026 in der nordhessischen Gemeinde Willingshausen ermittelt: Dort lag der Wert bei 18 Euro pro Quadratmeter. Knapp dahinter folgt Philippsthal an der Werra mit 19 Euro. Am anderen Ende der Preisskala steht Frankfurt am Main, wo der höchste Bodenrichtwert mit 7.200 Euro pro Quadratmeter für Wohnbauflächen angegeben wird. Die Gutachterausschüsse für Immobilienwerte erfassen die tatsächlich gezahlten Kaufpreise in einer Kaufpreissammlung und leiten daraus regelmäßig Bodenrichtwerte für Gebiete mit im Wesentlichen gleichen Nutzungs- und Wertverhältnissen ab.
Der Bodenpreis im Detail: Was steckt dahinter?
Der Bodenpreis bezeichnet den im Einzelfall tatsächlich gezahlten Kaufpreis eines konkreten Grundstücks. Er hängt von mehreren Faktoren ab: Lage, Größe, Zuschnitt und individuelle Eigenschaften des Grundstücks spielen ebenso eine Rolle wie die Präferenzen der Käuferinnen und Käufer. Das Wirtschaftsministerium erläutert, dass die Preisentwicklung auch von der allgemeinen wirtschaftlichen Lage und der regionalen Nachfrage beeinflusst wird. In Ballungsräumen wie Frankfurt treiben hohe Nachfrage und begrenztes Angebot die Preise in die Höhe, während ländliche Regionen wie Nordhessen weiterhin vergleichsweise günstig bleiben.
Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt und die Politik
Die steigenden Bodenpreise haben direkte Auswirkungen auf die Kosten für Wohnungsbau und Mieten. Kommunen stehen vor der Herausforderung, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, während Grundstücksspekulationen die Preise weiter treiben können. Die Grünen-Fraktion, die die Anfrage gestellt hatte, forderte eine stärkere Regulierung des Bodenmarktes. Das Wirtschaftsministerium verwies jedoch auf den freien Markt als maßgeblichen Preismechanismus. Ob die Preise weiter steigen werden, hängt von der konjunkturellen Entwicklung, Zinspolitik und Bauaktivität ab.



