68,3 Millionen Übernachtungen allein über die Plattformen Airbnb, Booking und Expedia im Jahr 2023 – das meldet das Statistische Bundesamt. Das ist ein Anstieg von 13,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr und sogar 83,4 Prozent mehr als im Vor-Corona-Jahr 2019. Die Buchungen haben sich seitdem nahezu verdoppelt. Der Trend zu Ferienhäusern und -wohnungen in Deutschland hält unvermindert an, getrieben von Unsicherheiten wie internationalen Konflikten, Hitzewellen und Waldbränden.
Buchungszahlen steigen massiv
Die amtliche Statistik erfasst nur Betriebe mit mindestens zehn Betten. Die Daten der großen Online-Plattformen ergänzen das Bild erheblich. Von den 68,3 Millionen Übernachtungen entfielen 94 Prozent (64,1 Millionen) auf kleinere Einheiten, die in der offiziellen Statistik nicht auftauchen. Der Deutsche Ferienhausverband schätzt, dass 82 Prozent der insgesamt 2,6 Millionen Ferienhausbetten von privaten Gastgebern vermietet werden.
Michelle Schwefel, Geschäftsführerin des Deutschen Ferienhausverbandes, sagt: „Nach einer gewissen Zurückhaltung zu Jahresbeginn buchen die Menschen jetzt sehr kurzfristig in Deutschland.“ Ein zunehmend wichtiger Buchungsanlass seien Hitzewellen, die Städter in naturnahe Unterkünfte treiben. Auch stabile Hochdrucklagen führten zu zusätzlichen Kurzfristbuchungen, wie Fremdenverkehrsämter an der Nordsee berichten.
Preise und Trends
Die Preise für Ferienhäuser sind gestiegen. Für die Sommermonate Juni bis August ermittelte der Anbieter HomeToGo einen mittleren Tagespreis (Median) von 160 Euro an der Ostsee und 138 Euro an der Nordsee. Auch im Allgäu werden 160 Euro fällig. Günstiger ist es im Harz, in der Eifel oder an der Mosel.
Die Sorge um steigende Urlaubskosten treibe Reisende vermehrt zu heimischen Zielen, ergab eine Umfrage im Auftrag von HomeToGo. Das Ferienhaus werde zum „finanziellen Schutzschild“, mit dem Familien auf Nummer sicher gehen könnten. Internationale Reisen würden durch Inlandsurlaube ersetzt, Flugreisen gemieden.
HomeToGo-Sprecher Jonas Upmann berichtet: „Der Suchanteil für deutsche Reiseziele ist auf unserer Plattform im laufenden Jahr um 5,4 Punkte auf 32,5 Prozent aller Suchanfragen gestiegen.“ Mit deutlichem Abstand folgen Italien (16 Prozent) und Kroatien (12 Prozent).
Warum Ferienhäuser?
Mehrere Faktoren machen Ferienhäuser attraktiv, erklärt Verbandsfrau Schwefel. Kleine Kinder fänden mehr Freiraum, Tiere seien oft erlaubt, und Familien könnten sich selbst versorgen. WLAN gehört inzwischen zum Standard, sodass das Homeoffice an den Ferienort verlegt werden kann.
Der Markt ist stark fragmentiert. Neben den großen Plattformen mischen kleinere Agenturen und regionale Tourismusverbände kräftig mit. Die Statistiker in Wiesbaden sehen in den Online-Daten eine wichtige Ergänzung, denn die offizielle Statistik verzeichnete 2023 insgesamt knapp 500 Millionen Übernachtungen – jedoch ohne die privaten Kleinvermieter.



