Otto Gugger (89) hat sein über 3000 Quadratmeter großes Grundstück samt Wohnhaus in München-Großhadern an die gemeinnützige Stiftung „Daheim im Viertel“ verschenkt. Der geschätzte Marktwert des Anwesens beträgt rund zehn Millionen Euro. Für den Architekten war diese Schenkung die größte Erleichterung seines Lebens. „Ich habe das alles noch nie als meinen Besitz empfunden“, sagte Gugger der BILD. Schon als Kind habe er das Gefühl gehabt, das Grundstück sei ihm nur anvertraut worden.
Warum der Architekt auf ein Vermögen verzichtet
Guggers Vater, der erste Arzt in Großhadern, baute das Haus 1934. Er starb an einer Blutvergiftung, als Otto sechs Jahre alt war. Der Vater war bedingungslos für seine Patienten da, und Gugger fühlt sich ihm verpflichtet: „Das bin ich meinem Papa schuldig. Mit diesem Haus müssen wir etwas Gutes tun.“ Gemeinsam mit seiner demenzkranken Schwester (91), beide kinderlos, suchte er jahrelang nach einer Lösung. 2025 brachte ein Freund aus der Kirchengemeinde ihn mit der Stiftung zusammen, die gegen die extremen Mietpreise in München kämpft.
Vertrag sichert lebenslanges Wohnrecht
Der Vertrag mit der Stiftung sichert Gugger und seiner Schwester ein lebenslanges Wohnrecht im alten Doktorhaus. Gleichzeitig ist festgeschrieben: „In den nächsten 60 Jahren darf das Grundstück nicht verkauft werden. So nehmen wir es vom Markt“, so Gugger. Auf dem Grundstück sollen 25 bis 30 Wohnungen entstehen – für Pflegekräfte, junge Familien, Studierende und eine betreute Wohngemeinschaft. Vor allem Mitarbeiter des benachbarten LMU Klinikums sollen so wieder bezahlbaren Wohnraum finden.
Kampf gegen den Mieten-Irrsinn in München
Gugger verdeutlicht die Entwicklung mit einer Zahl: „Mein Vater zahlte damals 20 Reichspfennig pro Quadratmeter (Anm. d. Red.: entsprach 2024 einer Kaufkraft von 1,08 Euro). Und heute können sich normale Menschen kein Grundstück mehr leisten.“ Aktuell kostet eine Neubauwohnung in München rund 25 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Mitte August fällt die Entscheidung über den Entwurf. Baustart könnte 2027 sein. Ende 2028 sollen die ersten Bewohner einziehen. Das rund acht Millionen Euro teure Projekt soll laut Stiftung mit zwei Millionen Euro an Spenden unterstützt werden. Ziel: 70 Prozent der Wohnungen für rund 13 Euro pro Quadratmeter anbieten – knapp die Hälfte der heutigen Münchner Neubaumieten. Die übrigen Wohnungen sollen rund 20 Prozent unter Marktpreis liegen.



