Der weltweite Flugzeugmarkt wird in den nächsten 20 Jahren langsamer wachsen als erwartet, teilte Airbus am Mittwoch mit. Der Grund: der Iran-Krieg und höhere Zollschranken. Der weltgrößte Flugzeugbauer senkte seine Prognose für die Zahl der Auslieferungen von Airbus, Boeing und der aufstrebenden chinesischen Konkurrenz zwischen 2026 und 2045 um ein Prozent auf 42.060 Passagiermaschinen.
Erholung nach Corona flacht ab
„Die Erholung nach der Corona-Krise hat sich abgeflacht“, sagte Antonio da Costa, Leiter der Marktanalyse bei Airbus. Fluggesellschaften und Leasingfirmen seien vorsichtiger bei der Ausweitung der Kapazitäten geworden, seit der Iran-Krieg die Ölpreise deutlich verteuert habe. Die gestiegenen Zölle belasten zusätzlich die Branche.
Wie bisher erwartet Airbus, dass fast die Hälfte der neu gebauten Flugzeuge nach Asien verkauft wird. Der Großteil der Nachfrage dürfte mit 33.920 Maschinen auf Kurz- und Mittelstreckenmodelle wie A320neo und Boeing 737 MAX entfallen. Dazu kommen 8.140 Langstreckenflugzeuge. Dabei geht Airbus davon aus, dass 47 Prozent der Neubestellungen (zuvor 45 Prozent) dazu dienen, ältere Modelle zu ersetzen und nicht die Flotte zu erweitern.
Indischer Markt wächst am schnellsten
Die schwächere Nachfrage liegt nicht an fehlenden Passagieren. Die Airbus-Experten rechnen sogar mit einem jährlichen Wachstum der Fluggastzahlen um 3,9 Prozent, statt bisher 3,6 Prozent. Fluggesellschaften nutzten ihre Jets länger oder lasteten sie besser aus – auch mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz, so da Costa.
Am schnellsten dürfte weiterhin der indische Markt wachsen. Airbus hob die Prognose für das jährliche Passagierwachstum in Indien auf 9,1 Prozent an (bisher 8,9 Prozent). In China hingegen senkte Airbus die Erwartung auf 4,7 Prozent (bisher 5,4 Prozent).
Bedeutung kleinerer Städte und Flughäfen
In der neuen Prognose betont Airbus die Rolle kleinerer Städte und Flughäfen, die mit Modellen wie A220 und A321XLR bedient werden können, um große Drehkreuze zu umgehen. Vor zehn Jahren hatte Airbus mit Verweis auf wachsende „Mega-Cities“ dem Großraumflugzeug A380 eine große Zukunft vorhergesagt. Inzwischen wird der Super-Jumbo mangels Nachfrage nicht mehr produziert.
Die Prognose zeigt, dass die Branche sich an neue Gegebenheiten anpasst. Während der Iran-Krieg und Zölle die Nachfrage dämpfen, wächst der Markt in Indien dynamisch. Airbus setzt verstärkt auf Effizienz und kleinere Flugzeuge für neue Strecken.



