Die Bundesregierung erhöht den staatlichen Rohstofffonds von einer auf 1,5 Milliarden Euro. Das haben das Finanzministerium von Lars Klingbeil (SPD) und das Wirtschaftsministerium von Katherina Reiche (CDU) vereinbart, wie aus der neuen Haushaltsvorlage hervorgeht, die dem Handelsblatt vorliegt. Ziel ist es, die deutsche Wirtschaft unabhängiger von China zu machen, da Deutschland bei vielen Rohstoffen zu über 90 Prozent von Importen aus der Volksrepublik abhängig ist.
Fonds soll Kostennachteile ausgleichen
Der Fonds wurde unter Reiches Vorgänger Robert Habeck (Grüne) konzipiert, um die Erschließung neuer Vorkommen in anderen Ländern zu fördern. Bislang floss ein Großteil der Mittel in Garantien, mit denen Unternehmen ihre Abbauprojekte staatlich absichern können. Die zweite Säule – direkte Eigenkapitalbeteiligungen – war jedoch nur gering dotiert. Die Nachfrage nach Eigenkapital ist laut Wirtschaftsministerium deutlich höher als nach Garantien. Angesichts der knappen Haushaltslage ist dies eine Herausforderung: Bei Garantien muss nur das Ausfallrisiko hinterlegt werden, bei Eigenkapital der volle Betrag.
Bislang nur zwei Projekte gefördert
Trotz einer „mittleren zweistelligen Anzahl“ an Bewerbungen wurden bisher nur zwei Projekte aus dem Fonds unterstützt. Die Frustration in der Wirtschaft ist groß. Außenminister Johann Wadephul (CDU) drängte auf eine Aufstockung: „China ist schon da. Die Vereinigten Staaten von Amerika kommen gerade an, und deswegen dürfen wir jetzt nicht ewig in der Wartehalle bleiben, sondern müssen vorangehen. Was jetzt in der Tat fehlt: Wir müssen zugreifen. Dazu gehört eben auch, dass der Rohstofffonds entsprechend ausgestattet werden muss.“
Grönland: Molybdän-Projekt von Greenland Resources
Ein mögliches neues Projekt ist der Molybdän-Abbau in Ostgrönland durch das kanadische Unternehmen Greenland Resources. Molybdän wird von der EU als kritischer Rohstoff eingestuft, da es für hitzebeständige Stahllegierungen in der Luft- und Raumfahrt benötigt wird. China ist der größte Produzent. Greenland Resources besitzt seit Sommer 2025 eine Abbaulizenz und plant eine jährliche Förderung von rund 14.880 Tonnen, was etwa 25 Prozent des EU-Bedarfs decken würde. Die Investitionskosten betragen 700 Millionen Euro. Das Projekt wird bereits von der EU unterstützt. Flemming Getreuer Christiansen, ein geowissenschaftlicher Berater in Dänemark, sagt: „Es handelt sich um ein großes, jedoch kapitalintensives Projekt, das für europäische Stahlhersteller sehr wichtig sein könnte. Es ist jedoch mit erheblichen logistischen Herausforderungen aufgrund von Gelände, Klima und Erreichbarkeit verbunden.“ Harald Elsner von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) äußert Skepsis, da das Vorkommen zwischen zwei Gletschern liegt und eine Straße über einen sich bewegenden Gletscher gebaut werden müsste. Ein Erfolg in Grönland wäre auch ein politisches Signal, nachdem US-Präsident Donald Trump Anspruch auf die zu Dänemark gehörende Insel erhoben hatte.
Kanada: Gold und Kupfer von Troilus Mining
Ein weiteres potentielles Projekt ist die Wiederinbetriebnahme einer ehemaligen Gold- und Kupfermine in Quebec durch die Troilus Mining Corporation. Wirtschaftsministerin Reiche hatte über eine geplante Förderung von 150 Millionen Euro für eine Kupfer-Gold-Förderung in Kanada berichtet. Laut Machbarkeitsstudie soll Troilus jährlich 244.600 Unzen Gold und 7.848 Tonnen Kupfer fördern. Der Baubeginn für die Modernisierung ist für Anfang 2027 geplant, die Laufzeit beträgt 22 Jahre. Die deutsche Kupferschmelze Aurubis hat bereits eine Abnahmevereinbarung mit Troilus abgeschlossen.
Bereits laufende Projekte: Vulcan Energy und Nolans
Der Fonds fördert bereits das Lithium-Projekt von Vulcan Energy im Rheingraben in Deutschland. 2025 beteiligte sich der Bund mit 50 Millionen Euro, insgesamt sollen bis zu 150 Millionen Euro fließen. Private Investoren stellen zusätzlich 1,9 Milliarden Euro bereit. Das zweite Projekt ist das Nolans-Projekt in Australien des Unternehmens Arafura Rare Earths. Der Bund beteiligt sich mit bis zu 50 Millionen Euro an der Erzgewinnung über 38 Jahre im Tagebau. Die geförderten Seltenen Erden werden für Permanentmagnete in Elektromotoren, Windkraftanlagen und Industrierobotern genutzt. Laut einer Studie der Deutschen Rohstoffagentur (Dera) verfügt das Vorkommen über Reserven von 29,5 Millionen Tonnen mit einem durchschnittlichen Erzgehalt von 2,9 Prozent. Allerdings bewertet die Dera den Aufwand für die Aufbereitung als sehr hoch, insbesondere wegen des hohen Säuregehalts und der Radioaktivität des Erzes. Arafura wollte sich zu dieser Kritik nicht äußern. Branchenvertreter sehen die Beteiligung dennoch als positives Signal, um sich Vorkommen vor China zu sichern.



