Heuler im Watt: Was Urlauber an der Nordsee beachten müssen
Heuler im Watt: Urlauber an der Nordsee aufgepasst

An der Nordsee hat die Geburtssaison der Seehunde begonnen. Mehr als 7.000 Robben-Jungtiere werden jährlich im deutschen Teil des Wattenmeeres zwischen Juni und Juli geboren. Strandspaziergänger sollten deshalb besonders aufmerksam sein. Die Seehundstation Nationalpark-Haus Norddeich mahnt: „Es ist nicht außergewöhnlich, wenn Sie am Strand auf einen Seehund treffen – Sie befinden sich in seinem Schlafzimmer.“

Warum werden Jungtiere zu Heulern?

Einige hundert Jungtiere starten als sogenannte Heuler mutterlos ins Leben. Die Trennung kann natürliche Ursachen haben: Die Geburt erfolgt auf Sandbänken bei Ebbe, und bei der nächsten Flut folgt das Junge der Mutter ins Wasser. Dabei können Strömungen die beiden trennen. Auch Sommerstürme, Krankheit oder der Tod der Mutter sind mögliche Gründe. Nicht selten ist jedoch der Mensch verantwortlich, der durch störendes Verhalten in den Lebensraum eindringt.

Was bedeutet der Name „Heuler“?

Entgegen der Annahme jammern junge Seehunde nicht. „Das Heulen ist ein normaler Kontaktlaut des Jungtieres, mit dem es seine Mutter ruft, kein Klagen“, erklärt die Seehundstation Friedrichskoog. Dieses charakteristische Rufen hat den Tieren ihren Namen eingebracht, wenn sie in den ersten Lebenstagen dauerhaft von der Mutter getrennt sind.

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Wie erkennt man ein hilfsbedürftiges Jungtier?

Die Nationalparkverwaltungen betonen: „Ob ein Seehundjunges tatsächlich Unterstützung braucht, können nur erfahrene Fachleute beurteilen.“ Jeder Fund muss individuell durch einen Ranger oder Seehundjäger begutachtet werden. Dazu wird das Tier zunächst beobachtet. Wartet es vergeblich auf die Mutter und wirkt nicht fit, entscheidet der Fachmann vor Ort über eine Einlieferung in eine Seehundstation. Auch das Alter spielt eine Rolle: Ein gesundes, bereits entwöhntes Jungtier benötigt oft keine Hilfe.

Was tun bei einer einsamen Robbe?

Wer ein Jungtier entdeckt, sollte mindestens 300 Meter Abstand halten und den Weg zum Wasser nicht versperren. Hunde sind an die Leine zu nehmen und fernzuhalten. Auf keinen Fall dürfen Robben angefasst oder eingesammelt werden: „Das Jungtier soll unbedingt am Fundort belassen werden, damit die Mutter es gegebenenfalls wiederfinden kann“, so die Nationalparkverwaltungen. Ein vermeintlicher Rettungsversuch kann dazu führen, dass die Mutter ihr Junges zurücklässt. Zudem können die Tiere beißen und Krankheiten übertragen.

Ablauf in den Seehundstationen

Kommt die Mutter nicht zurück, werden die Heuler in eine Station gebracht. Dort werden sie gewogen, vermessen und durchgecheckt, bevor sie in die Quarantäne kommen. Nach der Stabilisierung folgt der Aufzuchtbereich. Anschließend gelangen die Tiere in ein Auswilderungsbecken, wo sie bis zur Freilassung an Gewicht zulegen. Ab einem Gewicht von 25 Kilogramm werden sie nach einer Untersuchung wieder in die Nordsee entlassen. Im Schnitt bleiben die Tiere zwei bis drei Monate in der Station.

Meldestellen für Robbenfunde

Je nach Bundesland sind unterschiedliche Stellen zuständig: In Hamburg vermittelt das Nationalpark-Haus Neuwerk einen Ranger. In Niedersachsen ist die Seehundstation Nationalpark-Haus Norddeich telefonisch erreichbar. In Schleswig-Holstein gibt es neben der Seehundstation Friedrichskoog und den Seehundjägern (via Polizei) auch die „Robben.App“, die Standortdaten an Fachleute weiterleitet. Wichtig ist eine genaue Beschreibung des Fundortes.

Aktuelle Heuler und Bestand

Die Seehundstation Friedrichskoog päppelt bereits die ersten drei Heuler der Saison – Tilda, Hedda und Ida – auf. Sie sind aus der Quarantäne in den Aufzuchtbereich umgezogen und fressen inzwischen Fische. Weitere Jungtiere befinden sich noch in Quarantäne. Auch im Nationalpark-Haus Neuwerk wurde seit Saisonstart mindestens eine Robbe gemeldet und in eine Station gebracht. Laut dem Bericht „Zählungen der Seehunde im Wattenmeer 2025“ nimmt die Zahl der Seehunde langfristig ab, doch 2025 wurde mit 10.044 Jungtieren die zweithöchste absolute Zahl seit Beginn der grenzübergreifenden Zählungen verzeichnet – ein Plus von 22 Prozent gegenüber 2024.

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