Kaufland hat in den vergangenen fünf Jahren 125 ehemalige Real-Standorte modernisiert, umgebaut und in das eigene Filialnetz integriert. Dieser Kraftakt umfasste die Umstellung von IT-Systemen, den Umbau der Logistik und die Schulung von rund 9000 ehemaligen Real-Mitarbeitern. Doch dieser Umbau hat tiefe Spuren im Deutschlandgeschäft hinterlassen. Er hat nicht nur andere Probleme überdeckt, sondern auch neue geschaffen.
Wachstum durch Übernahme kaschiert Schwächen
Mit den neuen Standorten präsentierte sich Kaufland als Unternehmen im Aufbruch. Die Botschaft war klar: Real ist Geschichte, wir sind die Zukunft. Die Zahl der Filialen wuchs, und damit stieg zwangsläufig der Umsatz. Rein rechnerisch stehen die 125 Standorte für einen Jahresumsatz von rund dreieinhalb Milliarden Euro. Doch dieser Zuwachs verdeckte, dass viele bestehende Filialen nicht mehr so gut laufen wie gewohnt. Umsatzrückgänge von bis zu 15 Prozent in diesen Märkten zeigen, dass eine bloße Integration von Real-Standorten in das bestehende Kaufland-System nicht ausreicht.
Managementkapazitäten falsch eingesetzt
Die Real-Integration hat Managementkapazitäten gebunden, die dringend für die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells benötigt werden. Die Einkaufsgewohnheiten im deutschen Lebensmitteleinzelhandel haben sich grundlegend gewandelt. Immer mehr Kunden kaufen online ein oder bevorzugen Discounter und Bio-Supermärkte. Kaufland droht dadurch in eine Schieflage zu geraten, wenn es nicht schnell ein zukunftsfähiges Konzept entwickelt.
Wachsende Konkurrenz erfordert Innovation
Die Konkurrenz schläft nicht: Discounter wie Aldi und Lidl sowie der Online-Handel setzen Kaufland unter Druck. Experten fordern eine klare Strategie, die über die reine Filialmodernisierung hinausgeht. Dazu gehören Investitionen in Digitalisierung, verbesserte Sortimente und ein stärkeres Einkaufserlebnis. „Kaufland muss sich neu erfinden, sonst droht der Real-Bumerang“, warnt Florian Kolf in seinem Kommentar. Die Zeit drängt, denn die Kunden sind anspruchsvoller geworden und wechseln schnell die Einkaufsstätte.
Real-Bumerang als Warnsignal
Der Begriff „Real-Bumerang“ beschreibt die Gefahr, dass die Integration der ehemaligen Real-Märkte nicht die erhoffte Stärkung bringt, sondern sich negativ auf das gesamte Unternehmen auswirkt. Kaufland muss jetzt handeln, um nicht in eine Abwärtsspirale zu geraten. Ein Zukunftskonzept ist überfällig, das sowohl die bestehenden als auch die neuen Standorte zukunftssicher macht. Andernfalls könnte der scheinbare Erfolg der Real-Übernahme zum Bumerang werden.



