Warum bei Stallbränden oft nur wenige Tiere überleben – Fachleute erklären Gründe
Warum bei Stallbränden oft nur wenige Tiere überleben

Nach dem Großbrand in einer Schweinemastanlage im Coswiger Ortsteil Düben mit rund 20.000 verendeten Schweinen stellt sich die Frage: Warum können Feuerwehren bei Bränden in Tierhaltungsanlagen oft nur wenige Tiere retten? Nach Einschätzung des Instituts für Brand- und Katastrophenschutz (IBK) Heyrothsberge entscheiden dabei oft schon die ersten Minuten. Hinzu kommen die Bauweise großer Stallanlagen und das Verhalten der Tiere.

Entscheidend sind die ersten Minuten

„Von zentraler Bedeutung sind die frühzeitige Erkennung und Meldung eines Brandes, um Tiere retten und eine weitere Ausbreitung des Feuers verhindern zu können“, teilte das Institut auf Anfrage mit. Gerade bei großen Tierhaltungsanlagen seien die personellen und technischen Möglichkeiten der Feuerwehr in der Anfangsphase begrenzt. Herausforderungen gebe es zudem bei der Löschwasserversorgung, der Entrauchung sowie bei Flucht- und Rettungswegen. „Die Anzahl und Größe von Gebäudeöffnungen für die Tiere spielen hierbei eine entscheidende Rolle“, hieß es.

Tiere reagieren unvorhersehbar

Auch das Verhalten der Tiere erschwere den Einsatz. Unter dem Einfluss von Rauch, Hitze und Stress reagierten sie häufig instinktiv und teilweise unvorhersehbar. Die unterschiedlichen Tierarten zeigten verschiedene Flucht- und Reaktionsmuster, die die Arbeit der Feuerwehren erheblich erschweren könnten.

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Aus Sicht des vorbeugenden Brandschutzes wäre es nach Angaben des IBK sinnvoll, größere Stallanlagen in Brandabschnitte zu unterteilen. Ziel müsse sein, „die Ausbreitung von Feuer und Rauch auf benachbarte Bereiche zu verhindern und die Anzahl der gefährdeten Tiere zu begrenzen“. Außerdem sollten Stallanlagen so gestaltet sein, dass möglichst nur einzelne Bereiche evakuiert werden müssten. Für gerettete Tiere brauche es geeignete Auffangbereiche. Tiere in nicht unmittelbar betroffenen Stallabschnitten sollten durch getrennte Lüftungssysteme besser vor Rauchgasen und Hitze geschützt werden.

Photovoltaikanlagen erschweren Löscharbeiten

Auch Photovoltaikanlagen auf Stalldächern können nach Angaben des IBK die Löscharbeiten erschweren, weil große Teile der Dachflächen belegt sind und innerhalb der Anlage weiterhin elektrische Spannungen anliegen können. Betreiber sollten technische Anlagen regelmäßig kontrollieren und warten, um Störungen als mögliche Brandursachen zu vermeiden. Zudem sollten Feuerwehrpläne sowie Informationen über Tierarten, Tierrettung und Unterbringungsmöglichkeiten für gerettete Tiere vorliegen, damit Einsatzkräfte im Ernstfall schneller handeln können.

Wie der Brandschutz überprüft wird

Nach Angaben des Landkreises Wittenberg erfolgt die brandschutzrechtliche Prüfung grundsätzlich im Genehmigungsverfahren unter Beteiligung der zuständigen Brandschutzdienststelle. Eine regelmäßige brandschutzrechtliche Überprüfung von Tierhaltungsanlagen nach deren Errichtung findet durch den Landkreis nicht statt. Tierhaltungsanlagen gehören nach Angaben des Landkreises auch nicht automatisch zu den Gebäuden, die regelmäßig im Rahmen einer Brandsicherheitsschau kontrolliert werden. Erfasst werden können lediglich einzelne Lagerbereiche mit größeren Mengen brennbarer oder explosionsgefährlicher Stoffe.

Bei dem Feuer in der Nacht zum 15. Juli starben nach Polizeiangaben rund 20.000 Schweine. Einige Tiere wurden gerettet. Rund 100 Einsatzkräfte waren vor Ort, fünf Feuerwehrleute wurden leicht verletzt. Der Schaden wird auf etwa neun Millionen Euro geschätzt. Die Ermittlungen zur Brandursache dauern an.

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