Große Bäckerei-Kette meldet Insolvenz an: 44 Filialen betroffen
Bäckerei-Kette insolvent: 44 Filialen und 280 Mitarbeiter betroffen

Roßleben (Thüringen) – Die Regale sind noch gefüllt mit frischen Brötchen und Backwaren, doch hinter den Kulissen kämpft eine Thüringer Traditionsbäckerei ums Überleben. Die Bäcker Lampe GmbH & Co. KG mit Hauptsitz in Roßleben-Wiehe im Kyffhäuserkreis musste Insolvenz anmelden. Rund 280 Mitarbeiter bangen um ihre Arbeitsplätze, und die Zukunft der 44 Verkaufsstellen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist ungewiss.

Hohe Kosten und Konsumflaute

Erst vor wenigen Wochen hatte das Familienunternehmen eine weitere Filiale eröffnet, doch die wirtschaftlichen Probleme wurden immer drückender. Steigende Kosten für Energie, Personal und Rohstoffe sowie eine deutliche Konsumzurückhaltung bei den Kunden haben die Bäckerei in die Krise gestürzt. Insolvenzverwalter Dr. Frank Kreuznacht erklärte: „Auf der einen Seite haben wir einen erheblichen Anstieg der Produktionskosten und eine massive Steigerung bei den Energiekosten. Auf der anderen steht eine deutliche Konsumzurückhaltung bei den Kunden.“

Die Discounter verkaufen Brötchen bereits für 20 Cent, was klassischen Bäckereien das Leben schwer macht. „Das schlägt sich massiv auf klassische Bäckerei-Betriebe nieder, die da nicht mehr mithalten können“, so Kreuznacht. Preiserhöhungen könnten die Lücke nicht mehr schließen. Bereits 2022 hatte Lampe einen „Energiebeitrag“ von vier Prozent auf den Kaufpreis erhoben, was bei vielen Kunden auf Unmut stieß.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Ein Unternehmen mit langer Tradition

Die Ursprünge der Bäckerei-Kette reichen bis ins Jahr 1879 zurück. Nach 147 Jahren Familiengeschichte droht nun das Aus. Die Brüder André und Stephan Lampe führen das Unternehmen in der sechsten Generation. Der schnelle Wachstumskurs, etwa die Übernahme von 31 Filialen der insolventen Kette „Der Stadtbäcker“ in Sachsen-Anhalt Anfang 2016, hat offenbar seine Spuren hinterlassen.

Was passiert mit den Mitarbeitern?

Die Löhne der Beschäftigten sind für drei Monate durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert. „Das Ziel ist, das Unternehmen zu erhalten“, betont Kreuznacht. Dafür sind Sanierungsmaßnahmen nötig. Ob Kündigungen oder Filialschließungen unvermeidlich sind, steht noch nicht fest. Möglicherweise muss der Traditionsbetrieb künftig kleinere Brötchen backen.

Michael Litschko (69), Stammkunde in der Filiale in Eisleben, zeigt sich betroffen: „Ich hole hier oft meine Brötchen. Leider hört man immer öfter von Firmen, die aufgeben oder schließen müssen.“ Er sieht auch die Politik in der Verantwortung. Die Produktion und der Verkauf laufen vorerst uneingeschränkt weiter, und die Belieferung mit Rohstoffen ist gesichert.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration